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Die Internationale Komfortzone

Dänemark

Dänemark

Wir, das sagt man, sind die Generation Y. Die, die sich einseitig ernähren und lieber durch Facebook Profile stalken, als sich auf eine Konversation im Café nebenan zu treffen. Aber wir sind auch die Generation, die ferne Länder nicht mehr als unnahbar ansieht, sondern vielmehr als Ort der zukünftigen Eroberung. Wir reisen. Wir wollen Kulturen kennenlernen. Wir wollen die Welt sehen.

Man sagt wir seien weltoffen und bei uns würde es keine wirklichen Probleme der Kommunikation oder des internationalen Austauschs geben. Jetzt sehen wir es doch aber mal realistisch. Ich bin hier in einer Gruppe von 44 verschiedenen Nationen. Na klar, kultureller Austausch ist da ganz groß geschrieben, aber wo bleibt denn die Vermischung mit der dänischen Kultur? Wir leben in Dänemark, und hören dänisch überall. Aber bleiben wir, als Internationals im Austausch, nicht immer die ‚Gäste’, die sich die Kultur mal von außen anschauen und eigentlich viel eher in ihrer Komfortzone bleiben? Liegt es vielleicht an unserer Faulheit oder ist es einfach die normalste Sache der Welt, dass wir unter uns Gleichgesinnten bleiben?

Viele Faktoren zeigen warum, oder auch nicht, man im Ausland eher in seiner gewohnten Umgebung bleibt, als sich voll und ganz auf die neue Kultur einzulassen. Hier in Dänemark habe ich das ganze einmal unter die Lupe genommen. Dänen sind in meinen Augen mit die nettesten Menschen auf der ganzen Welt, aber gehören sicherlich auch zu den kühlsten unter uns. Neben der sprachlichen Barriere (ja, auch wenn Dänisch und Deutsch sich ähneln gibt es da doch das eine oder andere Problem), gibt es unzählige Unterschiede zwischen den Dänen und anderen Völkern der Erde. Man sagt, Dänen gehören zu der ‚Kokosnuss-Kultur’, die der harten, kalten Menschen, die zunächst erst einmal geknackt werden müssen bevor sich Freundschaften entwickeln. Man nehme nun also einen Haufen internationaler Studenten aus allen Ländern der Welt und werfe sie in das Land der Kokosnüsse. Was passiert? Wir bleiben unter uns. Aber warum, das weiß ich immernoch nicht.

Ich finde es komisch, dass wir auf der einen Seite alle weltoffen sind und ohne Ende und Grenzen reisen, aber doch immer wieder in dieser Gruppe Reisender landen, die alle ihre Erfahrungen auf der Welt gesammelt haben, und weniger mit den Leuten des Landes an sich in Verbindung kommen. Das führte dazu, dass ich in Dänemark ein Thanksgiving Dinner hatte, eine Halloween Party geschmissen habe und zum Chinese New Year gehe. Parties finden immer im Kreis der internationalen Studenten statt und dänische Freunde haben wir fast gar nicht. Ich frage mich, ob das vielleicht einfach ein kleiner Nebeneffekt der Globalisierung ist, bei dem sich Kulturen einfach vermischen, oder ob sich jedes Land jetzt vielmehr darauf einstellt es den internationalen Gästen so heimisch wie möglich zu machen und dabei ihre eigene Kultur vergisst.

Aber vielleicht ist es auch einfach unsere eigene Schuld. Es ist natürlich viel einfacher mit einer internationalen Gruppe von Studenten zu kommunizieren, die alle das gleiche studieren, als Dänen zu finden und sich komplett neu zu öffnen. Versuchen wir dabei vielleicht in unserer Komfortzone zu bleiben, die es uns erlaubt, mit der Masse mitzugehen ohne neue Dinge anzunehmen? Sind wir vielleicht auch einfach viel zu faul, oder sogar Kultur-müde, um uns wieder neu einer Kultur zu öffnen?

Letztendlich liegt es ja immernoch an jedem Einzelnen von uns. Vielleicht sollten wir häufiger einfach mal alleine losziehen und schauen was das Land so bringt, anstatt der Masse zu folgen und in der Gruppe der geliebten ‚Internationals’ zu bleiben. Gleichzeitig, wie wäre es, wenn die Dänen mal auf unsere Parties kommen und sich mit ‚Internationals’ anfreunden?

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Ein Kommentar zu „Die Internationale Komfortzone

  1. hotspotbcn on

    Die jeweilige Landessprache zu sprechen ist immer noch der Schüssel zu den Menschen. Selbst wenn jemand gut englisch spricht (was hier in Spanien eher selten der Fall ist) fehlen i.d.R. die Nuancen, das gewisse Etwas, Feinheiten, die uns entscheiden lassen, ob wir mit dem Menschen gegenüber mehr zu tun haben wollen.
    Wer in die Komfortzone eines „Fremden“ eintreten will, schafft das eigentlich nur über seine Sprache, denn darin fühlt er sich wohl, kann alles ausdrücken, was er sagen will und ist in sich und er/sie selbst.

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