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Podcast: Backpacking in Indien mit Alexandra Lattek

Mein Bild von Indien ist, wie vielleicht auch deins, vor allem dreckig, laut und vollgepackt mit vielen Menschen. Aber gleichzeitig hat Indien auch geniale Natur und Landschaften, ein paar coole Kolonialstädte und richtig schöne Strände zu bieten. Weil Indien aber wirklich riesig ist, musst du dich viel mit dem Land beschäftigen und herausfinden, welche Ecken für dich am interessantesten sind.

Alexandra war schon unzählige Male in Indien, hat schon fast das ganze Land gesehen und ist absolut von Indien begeistert! Ihre Erlebnisse teilt sie auf ihrem Blog travelingtheworld72. In dieser 15. Podcast-Folge erfährst du unter anderem, was dich in Indien erwartet, wie du von Stadt zu Stadt kommst und wo sich die schönsten Orte befinden.

Erfahre in dieser Episode über Backpacking in Indien:

  • Wie der Reisealltag in Indien aussieht
  • Ob du Indien allein als Frau bereisen kannst
  • Welche Regionen mit welchen Highlights warten
  • Welche Teile Indiens sich für deine erste Reise nach Indien am besten eignen
  • Wo du ruhige Orte zum Entspannen findest
  • Wie du am einfachsten von A nach B kommst
  • Was du bei deiner ersten Reise nach Indien beachten solltest
  • Welche Impfungen du brauchst
  • Wie viel Geld du pro Tag einrechnen musst

 Shownotes über Backpacking in Indien:

Die komplette Folge zum Nachlesen:

Sebastian: Herzlich Willkommen zu einer neuen Off the Path Podcast Folge! Heute mit Alexandra über das Backpacken in Indien. Alexandra ist absoluter Indienprofi und wird uns ein bisschen was darüber erzählen. Herzlich Willkommen, Alexandra! Schön, dass du Zeit hast.

Alexandra: Vielen Dank für die Gelegenheit heute über meine Lieblingsdestination Indien zu sprechen!

Sebastian: Ich trete sofort mit der Tür ins Haus: Mein Bild von Indien – ich bin dort noch nie gewesen – Indien ist dreckig, Indien ist laut, persönlicher Wohlfühlraum wird nicht sehr beachtet. Ist das so oder habe ich ein komplett falsches Bild von Indien?

Alexandra: Ja, das ist tatsächlich das Bild, das die Allermeisten haben, die noch nie in Indien gewesen sind. Und das sind auch die Aussagen mit denen ich mich immer konfrontiert sehe, wenn ich erzähle, dass ich schon wieder nach Indien fliege. Ja natürlich, Indien ist laut, Indien ist schmutzig, Indien ist riesig. Es gibt viele, viele Inder, Privatsphäre wird nicht sehr groß geschrieben. Das ist alles richtig. Nichtsdestotrotz hat mich dieses Land von Anfang an in seinen Bann gezogen und wenn man hinter die Kulissen schaut und sich einfach auf das Land einlässt, stellt man fest, dass noch viel, viel mehr dahintersteckt, als diese nicht so negativen Eigenschaften. Man lernt auch in gewissem Maße, wie auch bei anderen Reisen, mit den Gegebenheiten vor Ort umzugehen und das Thema keine Privatsphäre, laut, macht für mich auch den Reiz des Landes aus. Ich erinnere mich an eine Gelegenheit, wo ich von einer längeren Indienreise zurückkam und abends im Auto einer Freundin vom Flughafen im Winter im Februar zurück nach Hause gefahren bin, wo alles so leer und grau war. Da habe ich mich sofort wieder nach Indien zurückgesehnt – selbst in eine große Stadt wie Delhi, die einfach laut und hektisch und übervölkert ist. Aber dies alles macht für mich den Reiz des Landes aus.

Sebastian: Das glaube ich. Ich würde auch sehr gerne mal nach Indien. Das ist einfach nur ein Punkt, den ich immer gehört habe. Aber: Wie geht man denn damit um? So als westeuropäische Frau oder Europäer, der das nicht gewohnt ist, dass Privatsphäre einfach nicht existiert?

Alexandra: Man sollte nicht zart beseitet sein. Wenn jemand noch nicht großartig in Asien herumgereist ist und vielleicht immer nur im Bayerischen Wald Urlaub gemacht hat, dann ist vielleicht Backpacking in Indien nicht unbedingt als Einstieg geeignet. Da kann ich nur empfehlen erstmal in anderen Ländern Erfahrungen zu sammeln. Auch ich habe Indien vor ziemlich genau zehn Jahren zunächst mit einer Gruppe erkundet, muss ich zugeben. Ich hatte damals zwar schon Asien-Erfahrung, aber Indien, das war für mich immer “Ach, das traue ich mich nicht alleine”. Ich habe das tatsächlich mit einer Reisegruppe gemacht, was ich nie wieder machen würde, aber es war ein ganz guter Einstieg, dass man sich da in einem geschützten Rahmen an das Land herantasten kann. Viele sagen nach einer solchen Reise “Nie wieder!”, weil sie eben von den geschilderten Umständen etwas überwältigt sind. Aber es gibt auch viele, die wie ich Blut geleckt haben und dann immer zurückkommen. Was das Thema Privatsphäre angeht: Ich mag es eigentlich gar nicht so gerne, von riesigen Menschenmassen umringt zu werden, habe mir in Indien dann auch immer wieder überlegt “Gefällt mir das eigentlich alles?” Aber die Inder machen es irgendwie auf eine charmante Art und Weise. Ich werde ganz, ganz oft von Familien angesprochen. Indien ist sehr familienfreundlich, man lebt in einer Großfamilie und sie sind sehr reiselustig und reisen sehr gerne durch ihr eigenes Land. Dann ist man meistens mit Mutter, Vater, Kind und Kegel unterwegs. Und ich als Helle, ich habe auch noch blonde Haare, eine europäische Frau, die in der Regel auch alleine unterwegs ist, das ist natürlich immer gerne eine Objekt, was man sich näher anguckt. Das passiert meistens auf eine ganz charmante, nette, freundliche Art und Weise, dass man einfach ein Foto mit mir machen will und wenn die Menschen englisch können, ein bisschen mit mir reden. Tatsächlich versucht dann auch der ein oder andere mal meine Haut anzufassen, meine weiße Haut. Wenn das eine alte Dame ist, die Omi der Familie, dann lasse ich das auch einfach gewähren, weil ich da kein ungutes Gefühl habe. Anders siehts natürlich aus, wenn irgendwelche geschäftstüchtigen Verkäufer mir nachstellen, da weise ich die auch ganz gerne und sehr schnell in ihre Schranken. Ganz besonders beliebt seit Aufkommen der Smartphones ist auch, dass 18-jährige oder Teenager auf einen zukommen – männliche wohlgemerkt – und “Ma’am, one Selfie”. Da sage ich auch “Nee, heute keine Fotos” oder habe dann irgendwie einen flotten Spruch auf der Lippe und schicke die dann einfach weg. In der Regel funktioniert das auch.

Sebastian: Okay, also einfach zurechtweisen. Aber dieses Land hat auch viel mehr zu bieten, als dass es keine Privatsphäre hat. Es ist ein unglaublich großes Land. Mich zum Beispiel fasziniert an Indien die Südküste, aber auch die Nationalparks im Landesinneren. Ich bin ein ganz großer Tiger-Fan und das ist eines der wenigen Länder, wo man Tiger in der freien Wildbahn sehen kann. Wo in Indien warst du überall und wie geht man da bei der Planung vor? Ich denke mal, Du hast da schon richtig viel gesehen bei deinen verschiedenen Reisen. Welche Region ist für wen passend?

Alexandra: Ich war schon in ziemlich vielen Landesteilen. Ich habe fast den ganzen Süden erkundet, den Norden. Ich war jetzt auch im Dezember das erste Mal in Zentralindien, wo es auch viele Nationalparks gibt mit den von dir erwähnten Tigern, die ich aber nicht besucht habe. Ich kann auch immer gar nicht sagen, welcher Teil Indiens mir am besten gefällt, weil alles so unterschiedlich ist. Ich habe damals bei meinem Einstieg eine klassische Route gewählt im Norden – Rajasthan. Das machen ganz, ganz viele als Einstieg. Ich habe es wie gesagt damals mit einer Gruppe gemacht und kann Backpackern, die erstmalig nach Indien reisen aber nicht unbedingt empfehlen im Norden einzusteigen. Der Norden ist schon etwas wilder und rauher, was die Mentalität der Menschen angeht. Der ist zum einen dichter besiedelt als der Süden und auch die Mitte und man muss da schon ein dickes Fell haben. Man wird in Großstädten wie Delhi tatsächlich dann gerne bedrängt und muss auch aufpassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird und die Menschen merken dann ziemlich schnell, wenn man unsicher ist oder das Gefühl hat “Oh je, jetzt komme ich hier in eine brenzlige Situation”. Das wird dann auch sehr schnell und sehr gerne ausgenutzt. Ich würde jedem empfehlen im Süden des Landes zu beginnen – also Kerala beispielsweise ist da ein beliebtes Ziel. Ich möchte hier keine Religionsdiskussion vom Zaun brechen, aber es hat tatsächlich zum Teil etwas damit zu tun, wo Christen leben, wo Muslime leben, wo Hindus leben. Weil einfach die Mentalität zum Teil eine andere ist. Wenn man den Süden als Einstig wählt, fühlt man sich zum Teil ein bisschen wie in Europa. Wenn man nach Indien fliegt, möchte man das vielleicht nicht unbedingt, aber es ist ein sanfter Einstieg. Ich bin bei meiner zweiten großen Indienreise auch erst im Süden gewesen. Ich habe da gerade viele junge Frauen getroffen, die im Norden angefangen haben und total verängstigt waren, die schon fast dabei waren, wieder nach Hause zu fliegen. Aber der Süden hat sie dann besänftigt. Da findet man sehr viele europäisch angehauchte Orte. Das hat natürlich etwas mit dem Kolonialismus zu tun. Briten haben dort ihr Erbe hinterlassen, die Holländer und die Portugiesen und das findet man eben auch zum Teil in der Mentalität der Leute wieder. Ich hatte erstmal nicht die Gelegenheit auch die Ostküste des Südens kennenzulernen – Tamil Nadu – wunder- wunderschön, mit ganz vielen alten Tempeln. Einige der wichtigsten Pilgerstätten der Hindus liegt in Tamil Nadu und das kann man beispielsweise sehr gut miteinander verbinden. Kerala und Tamil Nadu – um nochmal auf Kerala zurückzukommen – ist auch sehr, sehr vielfältig. Von den Blackwaters haben vielleicht viele der Hörer schon mal gehört: dieses Flusssystem, auf dem man mit einer Reisbarke ein bisschen herumschippern kann. Dann Kolonialstädte wie Fort Kochi. Da gibt es aber auch ein Hochland, wo Tee angebaut wird, wenn man sich ein bisschen zurückziehen will. Und dann kann man seinen Weg langsam Richtung Norden einschlagen. Da gibt’s dann wunderschöne Orte wie Hampi. Das ist so das Gegenstück zu Angkor Wat in Cambodia. Alte Palast- und Tempelstädte. Dann gibt es noch eine schöne Stadt – Mysore mit einem tollen alten Palast und für Yoga-Fans viel Ashtanga Yoga. Dann Richtung Mumbai, ist der Metropolenmarkt eine tolle Anlaufstelle, um auch ein bisschen koloniales Erbe zu schnuppern, aber auch echtes indisches Leben. Und dann kann man sich langsam nach Norden vorarbeiten. In Gujarat fängt schon ein bisschen der Einfluss der Mogulen an, wo man solche alten Paläste und Forts hat und dann kommt man langsam Richtung Rajasthan und weiter Richtung Norden. Also Rajasthan, sehr viel Wüste, Forts und eben alte Städte der Mogulen, die von Norden damals Richtung Indien eingezogen sind. Und dann kommt man schon recht weit in meine favorisierte Destination, nämlich den Himalaya. Das ist auch ein Punkt, warum ich immer wieder gerne nach Indien reise. Ich bin der absolute Berg-Fan. Ich mag zwar auch das Meer, aber ich liebe die Berge und ich bin jetzt schon mehrfach in Indien gewesen, um im Himalaya eine Zeit zu verbringen, sei es mit Trecking oder auch auf den Spuren der Pilger unterwegs zu sein. Da gibt es auch ganz viele Pilgerstätten. Dann weiter Richtung Osten lohnt es sich auch den Weg einzuschlagen. Varanasi, die heilige Stadt am Ganges, da war ich jetzt auch bereits mehrfach und dann weiter Richtung Osten nach Kalkutta. Der Inder an sich sagt immer “Ach, was willst du denn in Kalkutta. Das ist ja alles schrecklich und am Verfallen”, aber gerade dieser morbide Charm ist sehr bezaubernd. Da haben auch die Briten ganz viel tolle Architektur hinterlassen und die ist tatsächlich langsam am Verfallen. Aber wunderschöne Gebäude und das ist auch eine ganz, ganz eigene Stadt.

Sebastian: Ich weiß jetzt gar nicht, was für mich den meisten Reiz ausmacht von diesen ganzen Beschreibungen, die du mir da gerade erzählt hast. Das hört sich alles genial an. In welcher Gegend liegt Goa zum Beispiel? Davon habe ich immer sehr viele gehört, was sehr touristisch angehaucht sein soll.

Alexandra: Goa ist tatsächlich ein eigener Bundesstaat. Das liegt südlich von Mumbai. Südlich von Mumbai ist jetzt vielleicht ein bisschen falsch, was die Dimension anbelangt, und ist nicht mit Deutschland zu vergleichen. Also man braucht da schon entweder eineinhalb bis zwei Stunden mit dem Flugzeug oder einige Stündchen mit dem Zug. Es liegt oberhalb von Gokarna. Das ist, das hast du vielleicht auch schon einmal gehört, eine andere beliebte Stranddestination. Ich war jetzt tatsächlich auch vier Wochen in Goa im Herbst und ja, es ist sehr touristisch, weil dort viele, viele Backpacker immer gerne absteigen, um sich vom vielen Sightseeing zu erholen. Es gibt sehr viele überlaufene touristische Orte. Es gibt aber auch immer noch wunderschöne kleine Strände, die noch nicht so überlaufen sind und wo man auch seine Ruhe haben kann. Vor allem im Süden. Ich liebe den Süden Goas. Palolem ist mit der südlichste größere Ort. Der ist sehr frequentiert von Touristen aus aller Herrenländer. Auch indische Touristen lieben den, aber direkt um die Ecke gibt’s zwei kleinere Orte: Agonda und Patnem, da findet man wirklich noch einsame Strände und zum Teil auch wirklich Strände, wo gar nichts ist. Ein kleiner Strand namens Turtle Beach, wo auch keine Restaurants, keine Cafés sind, zum Beispiel. Da kann man wirklich noch Natur pur tanken. Der Norden ist eher was für die Feierwütigen. Es gibt tatsächlich noch Technoparties. Die haben dort immer noch ihre Daseinsberechtigung und finden immer noch Zulauf. Da gibt es auch ein paar nette Orte, Arambol, ganz oben im Norden und Mandrem. Dann natürlich das berühmte Anjuna mit seinem Nachtflohmarkt, aber das ist eher was für Reisende, die wirklich ein bisschen Party machen wollen. Aber ich finde den Süden deutlich entspannter.

Sebastian: Also trotz der Tatsache, dass es so viele Menschen in diesem Land gibt, gibt es noch verlassene Orte?

Alexandra: Absolut! Man kann immer und überall noch sein ruhiges Fleckchen finden und das finde ich auch das Faszinierende an diesem Land. Von wegen es ist so überfüllt und laut und hektisch, aber in dieser Hektik, in diesen Menschenmassen, man kann immer noch überall seinen kleinen Ruhepol finden. In Ladakh ist auch im Sommer viel los. Da kommen viele einheimische Touristen aus Delhi gerne hin für ein verlängertes Wochenende. Man muss nur ein bisschen raus aus der größeren Stadt Leh, da findet man dann kleine Flecken. Man kann in die Berge gehen zum Trecken. Man kann sich in einem Meditationszentrum für ein paar Tage zurückziehen oder auch in Orten wie Mumbai oder Delhi gibt’s Oasen. Im Osten in Tamil Nadu habe ich mich in Puducherry ein bisschen verliebt. Das ist eine französisch angehauchte Stadt. Da geht’s trotz Touristen in der Hauptsaison schon auch gemächlich zu. Man findet überall ein Café oder am Strand ein kleines Plätzchen und findet seine Ruhe. Es ist nicht so, dass man immer überall bedrängt wird.

Sebastian: Ja, sehr gut. Ich merke, es gibt unglaublich viel zu sehen. Worauf sollte man denn unbedingt achten, wenn man zum allerersten Mal als Backpacker nach Indien geht?

Alexandra: Man sollte nicht ganz blauäugig in sein Abenteuer hineingehen. Ich habe das jetzt schon alles mit Begeisterung erzählt, weil ich tatsächlich von dem Land sehr, sehr begeistert bin. Aber ich habe sehr wohl natürlich auch schon das ein oder andere Erlebnis gehabt, was vielleicht nicht so angenehm war. Wie in vielen anderen Ländern leider auch, sei es in Europa oder auch in anderen asiatischen Ländern, versucht man natürlich immer wieder Touristen zu übervorteilen, vor allem wenn man merkt, dass die sich nicht auskennen oder vielleicht ein bisschen überfordert sind, wenn man in Neu Delhi am Bahnhof aussteigt und man weiß nicht, wo man hin muss. Und da warten dann direkt Dutzende von Rikschafahrern und wollen einen für einen horrenden Preis irgendwo hinfahren. Dann tendiert man natürlich dazu, den völlig überhöhten Preis zu zahlen, weil man es einfach nicht besser weiß und weil man denkt “Oh je, wie komme ich sonst da weg?” Es schadet auf keinen Fall sich im Vorfeld wirklich mit dem Land zu beschäftigen. Ein bisschen im Internet zu recherchieren, auch Blogs finde ich da eine gute Gelegenheit, wirklich authentische Reiseberichte anzuschauen, ein bisschen im Reiseführer zu lesen, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie auch das Preisniveau ist. Dass man da nicht über den Tisch gezogen wird. Dann sollte man auch immer ein bisschen Vorsicht walten lassen, aber nicht paranoid werden. Wie gesagt, es kann überall etwas passieren. Auch in europäischen Großstädten sind Taschendiebe unterwegs oder im Zug. Das kann einem natürlich auch in Indien passieren. Ich bin schon immer umsichtig, sage aber immer, ich bin nicht paranoid. Ich passe genauso auf mich auf und meine Sachen, wenn ich dort alleine unterwegs bin, wie woanders auch.

Sebastian: Wie schaut das mit dem Thema Gesundheit aus? Sollte man sich für Indien speziell impfen lassen? Kohletabletten sollte man auf jeden Fall immer dabei haben, wegen Lebensmittelvergiftungen, gehe ich von aus? Das hast du überall in Asien oder in Südamerika oder in Afrika auch. Gibt’s da noch besondere Tipps, die man beachten sollte?

Alexandra: Was die Impfungen angeht, braucht man eigentlich das, was man bei anderen Reisen in diesen Gefilden in Asien auch haben sollte: Hepatitis A, Hepatitis B, aber das sollte man unter Umständen auch haben, wenn man hier in Deutschland lebt. Dann sowas wie Typhus, wobei es da auch sehr zwiegespaltene Meinungen gibt. Meine Ärztin hier im Tropeninstitut hat mir beim letzten Mal gesagt “Ach wissen sie, es gibt 70 oder 80 Typhuserreger und die Impfung, die schützt einen vielleicht gegen drei. Wenn man Pech hat, erwischt man halt den falschen Typhuserreger.” Aber nichtsdestotrotz bin ich auch gegen Typhus geimpft, weil ich oft mehrere Monate unterwegs war und auch in ländlichen Regionen bin ich immer gegen Tollwut geimpft. Aber auch das, selbst wenn man gebissen wird und gegen Tollwut geimpft ist, muss man trotzdem noch weiter behandelt werden. Je nachdem, wenn man dann in einer ländlichen Region ist, kann das ein bisschen schwierig werden. Aber bislang ist mir noch nichts dergleichen passieren. Ich hatte noch nie Typhus, ich bin auch noch nie von einem Hund gebissen worden. Auf der Seite ist noch nichts passiert. Was sonstige Wehwehchen angeht: Es gibt da den berühmten Dehli Belly. Das heißt, dass eigentlich jeder, der in Dehli landet, wo die meisten Touristen aus Deutschland landen, erstmal eine Magenverstimmung bekommt. Das kann ich jetzt aber auch nicht unterschreiben. Ich habe es bei vielen gesehen, aber ich weiß nicht ob ich da mittlerweile etwas immun bin oder robuster bin. Ich hatte schon immer wieder auch mal eine Magenverstimmung, aber zum Teil auch nachdem ich schon drei Monate durchs Land gereist war. Das kann ganz schnell passieren. Man muss nur einmal beispielsweise irgendwas mit Ei gegessen haben und das Ei war vielleicht nicht in Ordnung. Dann hat man dann vielleicht ein, zwei Tage Dehli Belly. Dann ist aber auch wieder gut. Ich habe schon immer eine kleine Reiseapotheke dabei, vor allem mit Magengeschichten. Dann Aspirin, Ibuprofen, was gegen Schmerzen, gegen Fieber oder was gegen Erkältung. Aber ich bin mittlerweile dazu übergegangen, gar nicht mehr so viel dabei zu haben, weil in jedem noch so kleinen Ort gibt’s gut sortierte Apotheken, wo man auch ohne Rezept solche Sachen bekommen kann. Die einheimischen, also die lokalen Sachen helfen meistens auch besser gegen die dortigen Erreger. Die Erfahrung habe ich gemacht. Ich hatte mir einmal bei meiner letzten längeren Reise im Herbst eine Erkältung/Verkühlung durch Klimaanlage zugeführt und mit meinen Mittelchen bin ich da gar nicht mehr zurande gekommen. Da bin ich in so eine Pharmacy gestiefelt, habe dem das geschildert und da habe ich dann so ein ganzes Sortiment an Pillchen bekommen und da ging es auch wieder weg. Vor Ort kann man sich da auch bestens versorgen.

Sebastian: So handhabe ich es auf meinen Reisen auch. Egal ob in Indien, wo ich jetzt noch nicht war oder halt in Südafrika jetzt vor kurzem, eigentlich immer am besten mit dem Apotheker sprechen. Denn meistens ist es gar keine Lebensmittelvergiftung, sondern irgendein Wurm, der rumgeht. Das war gerade bei mir in Südafrika der Fall. Und da hat meine ganze Medizin auch nicht funktioniert. Wie reist man denn durch Indien? Viele haben das Bild dieser total überfüllten Züge vor Augen. Wie bist du denn auf deinen Reisen durch Indien unterwegs?

Alexandra: Ich fahre mit allem, was irgendwie Räder hat. Ich habe auch schon 60 km mit einer Rikscha zurückgelegt, was wirklich ein bisschen viel ist für so ein kleines Gefährt, aber das geht alles. Das ist auch sehr spaßig. Dann fahre ich tatsächlich viel Zug, wenn es denn gelingt rechtzeitig ein Zugticket zu besorgen, weil das manchmal tatsächlich nicht so einfach ist. Indien ist, was das Zugnetz angeht, eines der größten Zugnetze der Welt. Und der Inder an sich liebt es mit dem Zug zu verreisen. Dementsprechend weit im Vorfeld sind die Tickets auch schon ausverkauft und die indische Bahn hat ganz, ganz viele verschiedene Buchungsklassen. Wenn man in der billigsten Buchungsklasse unterwegs ist, findet man tatsächlich das vor, was du gerade geschildert hast. Die Leute sitzen gestapelt übereinander und auf dem Boden hocken noch Leute. Tatsächlich bin ich in dieser Klasse noch nicht gefahren. Ich fahre oft nachts mit dem Zug, vor allem längere Strecken, um Zeit zu sparen. Und da wird tatsächlich von abgeraten, dass man das als Frau alleine nicht unbedingt machen soll. Ich versuche immer ein Ticket zu bekommen in der zweiten oder dritten Klasse. Das ist in der Regel klimatisiert und es sind entweder zwei Bänke übereinander oder drei. Und dann sitzt man dann tagsüber entweder zu zweit unten auf der Bank oder zu dritt und dann abends bzw. nachts, wenn man dann schläft, verteilt man sich auf die einzelnen Sitze. Man muss dafür auch reservieren und deswegen ist es auch nicht überfüllt. Also nicht überfüllter als in einem ICE. Pro Sitzplatz wird tatsächlich nur eine Person zugelassen. So bin ich dann meistens in den Zügen unterwegs und das finde ich mehr als komfortabel.

Sebastian: Entschuldige, wenn ich dich unterbreche. Diese Züge kann man online buchen oder muss man das am Bahnhof selbst machen?

Alexandra: Ich mache das immer online. Ich habe da mein bevorzugtes Buchungsportal in Indien, sowieso für alles mögliche: Flüge, Hotels und Züge.

Sebastian: Wie heißt das?

Alexandra: Das heißt Cleartrip.com. Das kann ich wirklich sehr empfehlen und da habe ich auch schon vor Jahren, als ich schonmal länger vor Ort war, meine Züge gebucht. Inzwischen hat die indische Bahn leider ihr Regelwerk ein wenig verändert, dass man sich als Ausländer registrieren muss, um online Tickets zu buchen. Das habe ich dann auch vor zwei Jahren ungefähr gemacht. Da habe ich einfach eine E-Mail, die man auf der Website der indischen Bahn finden kann, hingeschickt. Ich habe da auch ziemlich schnell eine Antwort bekommen. Ich musst dann einen Scan meines Reisepasses hinschicken. Dann habe ich so ein Einmalpasswort bekommen und da konnte ich mich dann auf der Seite von Indian Railways registrieren und mit diesen Zugangsdaten, die ich dann bekommen habe, kann ich dann online meine Züge buchen. Das mache ich eigentlich immer, man kann aber auch natürlich an den Bahnhof gehen und ein Ticket kaufen. Es kommt immer wirklich darauf an, ob das eine frequentierte Strecke ist, ob man Langstrecken fährt oder nur kurze Strecken. Da kann man schon auch immer noch ein Ticket am Bahnhof bekommen, wenn man Glück hat. Aber für längere Strecken ist es manchmal schwierig, vor allem, wenn man in dieser etwas besseren Klasse fahren will. Dann gibt es auch in größeren Städten extra Büros, wo man dann als Tourist hingehen kann am Bahnhof. Die haben dann so eine Touristenquote. Das habe ich auch schonmal ausprobiert in Delhi. Da wollte ich sehr kurzfristig von Delhi nach Agra fahren, wo das Taj Mahal ist. Da war der nächste Zug erst in einer Woche verfügbar, der noch ein Plätzchen für mich freigehabt hätte. Das ging dann auch nicht. Man kann auch in kleine Reiseagenturen gehen. Die haben oftmals noch einen Trick, wie man an Tickets rankommt. Und dann gibt es noch ein System, das nennt sich Tatkal. Das kann man auch online machen oder auch am Bahnhof. Da werden dann 24 Stunden vorher Tickets, die noch in einem bestimmten Kontingent geschlummert haben oder wo Leute ihre Reservierung gecancelt haben frei gegeben. Das kann man wie gesagt auch online buchen oder vor Ort, aber die sind dann auch ganz, ganz schnell weg. Da muss man eigentlich auch direkt, wenn das geöffnet hat oder freigeschaltet wird dabei sein. Ich fahre auch ziemlich viel Bus. Oftmals habe ich eben kein Bahnticket mehr bekommen, sodass ich dann auf Nachtbusse ausgewichen bin. Da gibt es mittlerweile ganz, ganz viele private Busgesellschaften, wie man das auch aus anderen asiatischen Ländern kennt. Dort kann man sich dann auch ein Ticket kaufen für wenig Geld – 8 bis 10 Euro und da hat man seine Liegekoje. Da bietet es sich an sich entweder mit jemandem so etwas zu teilen, den man kennt oder zu gucken, dass man sich alleine so etwas bucht – je nachdem, als Frau möchte man da vielleicht nicht unbedingt mit einem fremden Mann in so einer Koje die Nacht durch Indien fahren. Das wird auch von vielen Busgesellschaften im Vorfeld schon gesagt. Da kann man im Internet dann, wenn man das Ticket bucht, sehen, ob auf dem Platz ein Mann oder eine Frau sitzt und zum Teil wird das auch gar nicht akzeptiert bei der Buchung, wenn jetzt gerade bei so einer Nachtfahrt eine Frau versuchen würde, den Platz zu buchen neben einem Mann. Ich bin auch schon ganz oft mit lokalen Bussen unterwegs gewesen. Das ist wirklich zum Teil ein Abenteuer. Es gibt auch wirklich alte, klapprige Busse. Wenn man damit durch die Berge fährt, dann hüpft einem manchmal schon ein bisschen das Herz aus der Gegend, wo man denkt “Ups, hoffentlich komme ich bald an”. Da kann dann auch der Busfahrer oder der Schaffner oft überhaupt kein Englisch und dann steht man da mit seinem Rucksack und denkt sich “Oh Gott, wo muss ich denn aussteigen?”. Aber es findet sich immer jemand, der Englisch kann und selbst wenn keiner Englisch kann, irgendwie kriegt es das dann doch jemand mit, an welchen Ort man will und dann tippt einen jemand an und zeigt einem, hier müsste man jetzt aussteigen. Das hat bisher eigentlich auch immer sehr gut funktioniert. In ganz, ganz wenigen Fällen habe ich mir auch schonmal ein Taxi für längere Strecken geleistet. Im Verhältnis zu Deutschland ist das auch relativ günstig. Es gibt manchmal Strecken, die mit Bussen wirklich sehr schwer zu erreichen sind oder sehr umständlich. Man kommt überall mit dem Bus hin, aber manchmal habe ich entschieden, dass ich ein bisschen Zeit sparen will und nicht in vier lokalen Bussen sitzen will. Dann habe ich auch schonmal ein Taxi genommen oder längere Strecken habe ich auch schonmal mit dem Flugzeug gemacht. Da gibt es genauso Billigairlines wie hier in Deutschland und da kann man auch für 40 oder 50 Euro quasi von einer Seite des Kontinents an die andere fliegen. Bevor ich dann 30 Stunden im Zug sitze oder noch länger, habe ich dann auch schonmal sowas gemacht.

Sebastian: Wow! Super informativ! Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Eine Frage habe ich aber noch zu diesen privaten Busunternehmen, wo du sagtest, da teilt man sich dann vielleicht die Koje mit einem Mann, darauf muss man achten. Wenn das mal durchgehen sollte, kann man dann diese Koje auch alleine buchen? Muss man dann quasi für zwei Personen zahlen?

Alexandra: Ja, also einfach zwei Tickets buchen.

Sebastian: Und dann hat man diese Koje für sich?

Alexandra: Es gibt auch Einzelkojen in solchen Bussen, aber im Zweifelsfalle einfach zwei Tickets kaufen. Es gibt auch Reisebusse mit ganz normalen Sitzen, wie man sie von hier kennt. Da sitzt man dann im Zweifelsfalle auch nebeneinander. Diese Kojen sind quasi wie so ein Separé mit Gardinen und so. Ich habe mir selber auch mal lustigerweise eine Koje mit jemanden geteilt, mit einem Mann, den ich in Hampi kennengelernt habe und beide waren wir nur auf der Warteliste auf dem Zug nach Goa und völlig verzweifelt haben wir dann verschiedene Reisebüros aufgesucht und haben dann nur noch so eine Doppelkoje bekommen für den Bus. Aber gut, nachdem wir schon zwei Tage zusammen Sightseeing gemacht habe, war auch das kein Problem. Aber mit einem Wildfremden will man das vielleicht nicht unbedingt.

Sebastian: Ja. Lass uns zum Ende dieser Folge kommen. Wie viel Geld braucht man so pro Tag ungefähr in Indien?

Alexandra: Das ist ganz unterschiedlich, je nach Standard, den man haben möchte. Man kann mit ganz, ganz, ganz, ganz wenig Geld in Indien zurecht kommen, wenn man wirklich indisch leben will. Es gibt Zimmer für 200 Rupien oder für 300 Rupien. Dann sind das vielleicht so 3 oder 4 Euro. Da muss man aber damit rechnen, dass sie vielleicht nicht unbedingt den höchsten Sauberkeitsstandards und Komfortstandards entsprechen. Ich habe aber auch schon ganz oft in Zimmern gewohnt, die umgerechnet ungefähr 9 Euro kosten bei Familien, in Homestays, die wunderbar waren und sogar Frühstück noch dabei hatten. Was das Geld für Verpflegung pro Tag angeht: Wie gesagt, es kommt drauf an, ob ich meinen Cappuccino trinken will, der kostet auch in Indien zum Teil 2 Euro oder ob ich eine Pizza essen will oder ob ich mir wirklich an so einem lokalen Teestore Chai hole – einen tollen indischen Gewürztee für 10 Rupien, anstatt meinen Cappuccino. Oder Samosas für 15 Rupien. Also 1 Euro sind ungefähr 60 Rupien. Dementsprechend wären so Samosas, die auch köstlich schmecken, vielleicht so was wie 10 oder 20 Cent. Ich kann durchaus sehr, sehr, sehr günstig leben, zwischen 5 Euro und 10 Euro. Ich kann aber auch natürlich ganz, ganz viel Geld ausgeben. Ich mache meistens, was meine Wohnsituation angeht eher so ein Mittelding. Es kommt auch immer drauf an, manchmal sind die super günstigen Unterkünfte einfach sehr charmant, weil sie an einer Familie angeschlossen sind oder gerade in so Orten wie Goa, die du genannt hast, da würde ich persönlich auch nicht in einem ganz normalen Hotel wohnen wollen, sondern einfach in einer Hütte am Strand. Die ist natürlich nicht komfortabel, aber die kostet dann auch nicht so viel. Man kann mit ganz, ganz wenig Geld zurechtkommen. Also mit 10 Euro am Tag kann man schon ganz gut leben. Man kann auch sicherlich noch weniger ausgeben, man kann aber auch 20, 30 Euro ausgeben oder noch mehr. Da sind keine Grenzen gesetzt. Mittlerweile ist Indien wirklich schon sehr auf den Tourismus ausgerichtet. Ich war jetzt wie gesagt im Dezember in Zentralindien, das ist noch nicht so im Fokus von westlichen Touristen, aber selbst da gibt es in größeren Orten auch westliche Lokale, westliche Hotels mit den entsprechenden Standards, wo man auch viel Geld lassen kann, aber eben auch die einfachen Sachen.

Sebastian: Perfekt, also einen ganz guten Überblick haben wir jetzt bekommen über dieses riesige Land. Man könnte noch Stunden darüber reden, aber ich glaube, wir haben jetzt etwas Schönes zusammenbekommen. Herzlichen Dank Alexandra, dass du Zeit gefunden hast für uns und dass du das alles mit uns geteilt hast!

Alexandra: Ja, sehr gerne!

Sebastian: Dann wünsche ich dir noch alles Gute und noch einen schönen Tag!

Alexandra: Dankeschön!

Sebastian: Bis bald, tschüß!

Alexandra: Tschüß!

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