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Abwarten und Tee Trinken.

Man sieht sie überall. Öfter als Minarette, öfter als Autos, öfter als Möwen. Für den ein oder anderen stellen sie sogar Istanbuls Wahrzeichen wie die prachtvollen Moscheen, die Bosporus-Brücke oder den Mädchenturm in den Hintergrund. Wie der Bosporus prägen die das Lebensgefühl in der 12 bis 16 Mio. Metropole. Und ebenso wie die Einwohnerzahl, ist man sich auch über die Anzahl der bauchigen Teegläschen nicht so sicher. Die Rede ist von Tee, serviert in den kleinen süßen Gläschen.

Bevor ich nach Istanbul kam, hielt ich nicht viel von Tee. Zwar schwört meine Mama darauf und versuchte mir immer wieder einen Kräutertee unterzujubeln wenn ich zu Besuch war, aber für mich als Kaffeeliebhaberin war der Teebeutel immer eine Begleiterscheinung einer Erkältung oder von einem unruhigen Magen. Es war zu Beginn gar nicht so einfach schwarzen, guten Kaffee in der Stadt zu finden – Starbucks zählt einfach nicht und ich habe etwas gebraucht bis ich Kahve Dünyasi entdeckte. Als dann noch die Sprachprobleme dazu kamen, ergab ich mich und trank immer mehr Tee, oder wie es hier heißt: Cay.

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Cay gibt es wirklich immer und überall. Besonders nach den Mahlzeiten und anstelle von Kaffee zum Türkischen Frühstück. An der Straßenseite stehen und sitzen ein paar ältere Männer, beobachten das Geschehen und Trinken ein Teechen. Im Bazar oder der Einkaufsstraße geht ein junger Mann zielsicher mit einem großen Tablett von Shop zu Shop und verteilt erst mal ein paar Teegläschen. Selbst auf der Behörde hat es den Anschein, dass dort mehr Teegläser als Formulare und Unterlagen von Schreibtisch zu Schreibtisch wandern. Der Spruch „Abwarten und Tee trinken“ passt wie der Fisch ins Wasser.

Normalerweise gibt es schwarzen Tee mit seiner rot braunen Färbung und dazu, je nach Geschmack, ein bis zwei Zuckerstückchen. Da der Tee erst ins Glas kommt und dann mit heißem Wasser aufgegossen wird, kann man zwischen starkem und bekömmlicherem Tee wählen. Auch sehr lecker ist der Apfel-Tee, Elmar Cay. Wenn er nicht aus heißem Sirup besteht, sondern frisch gemacht wurde, ist das eine hervorragende Alternative. Natürlich sind Teebeutel in allen Variationen zu haben, aber eine solche Zubereitung würde in der Türkischen Teekultur schon an Sultansbeleidigung grenzen.

Den Cay gibt’s manchmal umsonst dazu und selbst wenn nicht kostet der ein „Apfel und ein Ei“. Je nach Location zwischen 0,50 und 5 Lira. Neben den vielen, vielen Restaurant und Cafes wo man Tee bekommt, gibt es auch viele Teegärten in der Stadt, die Cay Bahcesi. Ich habe dafür noch keine stichhaltige Erklärung parat, aber die Männerquote dort ist extrem hoch.

Mein Lieblingsplatz für ein Teechen ist, wie könnte es anders sein, auf der Fähre. Jetzt im Winter, wenn man sich denn bei ein paar Sonnenstrahlen raussetzen kann, ein bisschen Seewind um die Ohren weht, man etwas Warmes, Kleines in der Hand hat und mindestens 20 Minuten Entspannung genießt. Allerdings wäre ich keine Kaffeetante, wenn ich mir nicht  ab und zu den türkischen Kaffee aus einer ebenfalls süßen, Espressogroßen Tasse gönnen würde. 🙂

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