Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Edelsteine in Australien: auf der Suche nach kleinen Schätzen!

***Gastbeitrag von Michaela vom Bog Travel Intense***

Auf meinem letzten Trip nach Australien habe ich mich plötzlich mit einer Spitzhacke und Schaufel im berühmten, staubtrockenen Outback widergefunden, um unter der sengenden Sonne Löcher in den Boden zu graben. Umgeben von Orten mit Namen wie Emerald, Rubyvale und Sapphire, rate mal was ich dort gemacht habe… natürlich nach Edelsteinen gesucht!

Wie es dazu kam

Das Equipment für unser Unterfangen bekamen mein Begleiter und ich in dem abgeschieden Ort Anakie. Die Arbeit ist ziemlich anstrengend und besteht aus der Suche nach kostbaren Steinen, indem man im Boden gräbt und den Abraum siebt (was auch „fossicking“ genannt wird). Um ehrlich zu sein, sind wir aus purem Zufall darüber gestolpert. Nachdem wir gerade ein unglaubliches Abenteuer im Geländewagen auf Fraser Island hinter uns hatten, waren wir entlang der wunderbar üppig grünen Ostküste von Queensland gefahren und hatten entschieden uns abseits der ausgetretenen Pfade zu begeben um zu sehen was uns dort erwarten würde. Also bogen wir bei der Stadt Rockhampton nach links auf den Capricorn Highway ab, in Richtung Australiens Rotes Zentrum.

Als die Landschaft von üppig und fruchtbar zu trocken und staubig wechselte, und alles was wir sahen riesige Lastwägen und Frachtzüge waren, waren wir uns nicht mehr so sicher ob wir die richtige Entscheidung gefällt hatten. Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir nach Anakie und begannen Unmengen an Schildern und Geschäften zu sehen, die andeuteten, dass diese Region ein Hotspot für Edelsteine war. Also entschieden wir uns eine Pause zu machen, und gingen in das Tourismusbüro um mehr darüber heraus zu finden. Eine nette Frau hinter dem Tresen begann uns über die Edelsteingeschichte dieser Gegend zu erzählen. Sie sagte, dass die berühmten und nahegelegenen Willows Edelsteinfelder einige der berühmtesten, je gefundenen Saphire hervor gebracht haben, wie z.B. den ungeschliffen 332 Karat (1 Karat = 1/5 Gramm) schweren Stein „Golden Willow“. Sie fuhr fort zu erklären, dass es Gang und Gäbe wäre für die wenigen Touristen, die hier durchkommen, einen Eimer voll Abraum von einem der Edelsteinfelder in der Nähe von ihr zu kaufen, um ihn nach eventuell verborgenen Schätzen zu durchsuchen.

Während ich mit meinem Begleiter noch diskutierte, ob wir dieses langweilige und touristische „Eimer-Fossicking“ machen sollten, griff sie in einem nach einer Spitzhacke, einer Schaufel, und zwei Sieben, legte sie vor uns und sagte: „Ihr seid jung, habt genug Zeit und nichts zu verlieren. Also geht da raus und versucht euer Glück!“ Ein Seitenblick zu meiner Begleitung, und wir waren dabei. Fünf Minuten später verließen wir das Gebäude mit einer Spitzhacke, einer Schaufel, zwei Sieben, einem kleinen Behälter um eventuelle Schätze zu sammeln, einer Fossicking Lizenz, einer Camping Erlaubnis, und einer handgezeichneten Landkarte. Die Karte zeigte das nahegelegene Fossicking Gebiet von Glen Alva, eines von fünf im Edelsteindistrikt, die für Hobby- und Touristenschatzsucher ausgewiesen sind. Generell befinden sich die Edelsteine ziemlich tief im Boden, allerdings gibt es Orte wie Glen Alva, wo sie nahe der Oberfläche sind.

Abstecken unseres Claims

Es war bereits später Nachmittag als wir in dem Gebiet ankamen, das mit dünnem, trockenem Gebüsch bedeckt war. Wir hatten nur noch ein wenig Sonnenlicht übrig, das wir dazu nutzten einen Claim zu suchen, der uns am nächsten Tag reich machen würde, und schlugen dort unser Camp auf. Wir suchten uns eine Stelle, wo vor uns andere bereits ordentlich gegraben hatten, mit der Idee dahinter, dass sie hier etwas gefunden hatten, da sie sonst schon früher aufgehört hätten. Allerdings hatten wir auch das Risiko, dass das, was hier war, schon entfernt wurde.

Edelsteine Australien / Gemstones AustraliaUnser Claim im Glen Alva Fossicking-Gebiet

Die Frau in der Touristeninformation hatte uns erzählt, dass es hier ein paar Rentner gäbe, die das halbe Jahr graben (und die andere Hälfte ihren hart erarbeiteten Lohn versoffen), aber wir sahen keine einzige andere Person in der Gegend. Das war hier definitiv nicht touristisch! Nach einem einfachen Abendessen am Lagerfeuer gingen wir ins Bett und träumten von den möglichen Schätzen, die wir vielleicht am nächsten Tag finden würden.

Hochs und Tiefs eines Edelsteinsuchers

Früh am nächsten Tag begannen wir zu graben. Den Abraum, den wir so bekamen, schaufelten wir in die zwei verschieden großen Siebe (eines grob, das andere feiner), die wir übereinander gestapelt hatten. Und dann wurde in einer Tour gehackt, geschaufelt und gesiebt; gehackt, geschaufelt und gesiebt; …

Edelsteine Australien / Gemstones AustraliaWer nicht gerne dreckig wird, dem empfehle ich nicht Fossicking zu gehen

Nach einer knappen halben Stunde, in der ich mich durch trockene Erde gewühlt hatte, sah ich plötzlich etwas glänzen. Fast nicht sichtbar, aber es war da! Ich gab den kleinen, fast schwarzen, dreckigen Stein in etwas Wasser und voila: ich hatte meinen ersten dunkelblauen Saphir gefunden! Dieser Fund spornte uns an, und wir arbeiteten den ganzen Tag durch, mit nur einer kurzen Mittagspause. Wir hatten anscheinend einen guten Claim gefunden, da wir noch ein paar mehr kleine blaue, grüne, und schwarze Stern-Saphire sowie einen Zirkon fanden. (Natürlich wussten wir die genauen Namen zu dem Zeitpunkt noch nicht—für uns waren es einfach Steine, die ein bisschen mehr „ besonders“ als andere Steine ausschauten.)

Als die glutheiße Sonne endlich am Horizont verschwand gönnten wir unseren von Blasen übersähten Händen eine Pause. Obwohl wir versucht waren noch einen Tag anzuhängen, war die Hitze einfach zu viel für uns, da das spärliche Laub der Bäume keinen ordentlichen Schatten bot. Zudem taten unsere Rücken weh, und da wir so ein extremes Glück gleich am ersten Tag hatten, wollten wir es nicht überstrapazieren und einen zweiten Tag lang graben um dann nichts mehr zu finden. Also waschten wir den Staub und Dreck des Tages ab (was mehr als einen Duschgang brauchte), und schliefen erst einmal ordentlich.

Edelsteine Australien / Gemstones AustraliaDie Vielversprechendsten unserer ungeschliffenen Edelsteine

Wie aus Steinen Edelsteine wurden

Am nächsten Morgen gaben wir mit einem großen Grinsen unsere geliehene Ausrüstung zurück, dankten der Frau im Tourismusbüro, dass sie uns vorgeschlagen hatte es einfach zu versuchen, und fuhren zu einem Edelsteinschleifer im Ort, der sich auf kleine Steine spezialisiert hatte. Er wog unsere Schätze (insgesamt 7.23 ct) und suchte zwei blaue Saphire, zwei schwarze Sternsaphire und einen Zirkon zum Schleifen aus. Das waren die einzigen, die groß genug und qualitativ hochwertig genug waren um sie zu bearbeiten. Und auch wenn er uns freundlich versprach die veredelten Steine an ein Postamt zu schicken, an dem wir später auf unserem Trip vorbei kommen würden, war es doch schwer unsere hart erarbeiteten Schätze zurück zu lassen.

Nicht weniger emotional war dann allerdings auch das Wiedersehen mit unseren Steinen ein paar Wochen später: der Schliff brachte die Farbe hervor, und der Zirkon schaute aus wie ein kleiner Diamant. Zugegeben, die Saphire haben kleine Qualitätsmängel eingeschlossen, und die blaue Farbe sieht man am Besten wenn man sie vor ein Licht hält, also bezweifle ich stark, dass wir sie zu einem guten Preis verkaufen könnten. Aber hey, darum ging’s ja auch nicht. Ich habe jetzt Edelsteine mit einer Geschichte! Und wenn ich mir Schmuck daraus machen lasse, werde ich nicht nur etwas Wunderschönes mit mir herum tragen, sondern auch eine großartige Erinnerung.

Edelsteine Australien / Gemstones AustraliaDie zwei blauen Saphire, die wir schleifen ließen, strahlen im Licht

Wer es nicht dreckig mag, kann „specking“ gehen

Wer keine Lust hat in der Erde zu buddeln und zu suchen, der kann auch einfach so durch bestimmte Teile dieser Gegend laufen und nach Edelsteinen an der Oberfläche suchen, was sich „specking“ nennt—sehr populär übrigens bei den Einheimischen hier auf dem Weg zum Einkaufen oder wenn man den Nachbarn besucht. Besonders erfolgversprechend ist dies nach heftigen Regengüssen, wenn das Wasser die ungeschliffenen Edelsteine heraus spült und den Dreck abwäscht um sie dann in der Sonne glitzern zu lassen. Die vielversprechendsten Gegenden sind entlang von Bächen und am oberen Rand von Gräben, wo die edelsteinhaltige Schicht im Abbruch ausgeschwemmt wird. Diese Methode kann sehr erfolgreich sein—erst vor einem Jahr wurde so ein riesiger Saphir gefunden.

Falls ich dich nun auch mit dem Edelsteinfieber angesteckt habe, empfehle ich dir unbedingt das nächste Mal wenn du in Queensland bist selbst das Fossicking auszuprobieren. Für eine vollständige Liste an möglichen Fossicking Gebieten, inklusive Beschreibung, wie man hinkommt, Karten, Einrichtungen, und Fossicking Hinweisen, schau auf der offiziellen Seite der Central Queensland Gemfields nach.

Hast du schon mal nach Edelsteinen oder Gold gesucht, und hattest du Erfolg? Rein damit in die Kommentare!

***Michaela Urban ist Mitbegründerin des englischsprachigen eco-travel und outdoor adventures Blogs Travel Intense. Zudem ist sie professionelle Reisefotografin unterwegs und veröffentlicht in Zeitungen und Magazinen in den USA. Von ihrem Heimatland Deutschland aus bereist sie die ganze Welt um die aufregendsten und naturbelassensten Plätze dieser Erde zu erkunden. Travel Intense möchte auf die unberührte Schönheit unseres Planeten aufmerksam machen, und wie man sie am besten auf eine nachhaltige Weise genießen kann. Ständig auf der Suche nach großartigen Eco-Lodges und einmaligen Abenteuern in der Natur, war sie erst kürzlich im Inselparadies Panamas, beim Segeln in den Tobago Cays und beim Wandern in dem üppig grünen, vulkanischen Inland von Dominica.***

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

5 Kommentare zu „Edelsteine in Australien: auf der Suche nach kleinen Schätzen!

  1. Sabrina on

    Liebe Michaela,
    lieber Sebastian,

    was für ein cooler Bericht! Das bringt einen irgendwie so richtig zurück zu den Wurzeln und mal richtig im Dreck wühlen, find ich auch total super! Und das Ergebnis kann sich doch sehen lassen. Dass daraus am Ende sowas funkelndes wird, war für mich jetzt nicht abzusehen 🙂

    Schöner, etwas anderer Einblick in die Dinge, die man in Australien so machen kann.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    Antworten
  2. michaelaurban on

    Hi Sabrina,
    ja, glaub mir: dass ich am Ende tatsächlich meine eigenen Saphire in der Hand halten würde hat auch mir die Sprache verschlagen. Aber selbst ohne das war der Tag und das ganze Feeling drum herum einfach unglaublich. Und ich würd es sofort wieder machen, wenn ich das nächste Mal durch Queensland reise und durch die Gegend komme.
    Schöne Grüsse,
    Michaela

    Antworten
  3. Lothar Doetsch on

    Hallo, mein name ist lothar doetsch und ich bin ein sogenannter STRAHLER.
    Das heißt, das ich ein cristall und edelsteinsucher, (oder besser gesagt), ein edelsteinfinder bin.
    Wenn dort edelsteine vorhanden sind, spüre ich diese auf. Das ist sicher. Das habe ich schon mehr bewiesen.
    Kannst du mit dieser Aussage etwas anfangen?
    Dann melde dich!!!!!!!

    Antworten