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Dieses eine Gefühl beim Reisen für das es keinen Namen gibt…

Jeder kennt dieses Gefühl. Dieses Gefühl, für das es dennoch keinen Namen gibt. Es verbindet Freude, Glück, Angst, Mut und Ungewissheit zugleich. Es ist unabhängig von Zeit und Ort. Unabhängig von Alter und Geschlecht. Unabhängig von Religion oder Hautfarbe. Es überkommt uns immer dann, wenn wir unser Zuhause verlassen und uns auf eine Reise begeben. Wie weit die Reise geht, spielt dabei eine viel unwichtigere Rolle, als wir oftmals meinen. Ob es eine Reise nach Südamerika, in die Dolomiten oder einfach nur zu Verwandten in die nächste Stadt ist. Denn immer mit dabei im Gepäck ist die Aufregung.

Dieses eine Gefühl...

Gefühlschaos

Aufregung. Was bedeutet dieses Wort eigentlich? Ist es etwas Negatives oder doch positiv? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn jeder Mensch ist anders. Für die einen ist Aufregung verbunden mit einem warmen, wohligen Gefühl im Bauch und einem fast unsichtbaren Grinsen im Gesicht. Für die anderen mit einem kalten Schauer über dem Rücken und einer kleinen Falte mehr auf der Stirn, die ebenso kaum sichtbar, aber dennoch da ist. Wiederum für andere ist es beides auf einmal, der kalte Schauer und das warme Gefühl. Wobei wir wieder am Anfang stehen: Jeder kennt dieses Gefühl, aber niemand kann es wirklich benennen.

Jede Reise ist eine Reise zu uns selbst

Dieses Gefühl kommt aber nicht nur dann auf, wenn wir zu einer Reise aufbrechen, sondern auch dann, wenn wir am Zielort ankommen. Wir werden begrüßt von Fremden, die in kürzester Zeit unsere Freunde werden. Von Verwandten, die wir nur selten sehen, zu denen wir aber dennoch eine tiefe Verbindung spüren. Und manchmal, manchmal wartet niemand am Ankunftsort auf uns. Außer wir selbst. Denn jedes Mal, wenn wir aufbrechen, begeben wir uns auf eine Reise zu uns selbst. Mal ganz bewusst, mal völlig unbewusst. Jede Reise verändert uns, und es ist genau diese Gefühl des Aufbrechens und Ankommens, das uns verändert, das uns uns selbst bewusst macht.

Auch die Heimkehr bringt dieses Gefühl mit sich

Und es hört nicht beim Aufbrechen oder Ankommen auf. Auch die Heimkehr bringt dieses Gefühl mit sich. Ist sie doch gleichermaßen ein Ankommen, nur in umgekehrter Form, genauso wie das Aufbrechen gewissermaßen ein Ankommen sein kann. Denn auch das Heimkehren bringt gemischte Gefühle mit sich: Die einen haben sich auf ihrer Reise so verändert, sich neu in sich oder auch in jemand anderes verliebt, dass sie Angst vor Zuhause haben. Angst davor, dass sich das Zuhause nicht mehr wie zuhause anfühlt. Angst, sich im eigenen Land auf einmal fremd zu fühlen. Angst, das neue Ich wieder zu verlieren. Angst vor der Realität und dem Alltag, der einen doch viel zu schnell wieder im Griff hat. Die anderen können es hingegen kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen, Freunde und Familie in die Arme zu nehmen, die eigene Kultur mit ihren gewohnten Normen und Werten zu leben und sich wieder zugehörig zu fühlen. Sie freuen sich darauf, all ihre erlebten Geschichten teilen zu können, sowohl witzige, als auch traurige. Manche gestalten ihr Leben dank der gewonnenen Erfahrungen neu, stecken voller Tatendrang und Ideen, und freuen sich auch genau deshalb auf die Heimkehr.

Ganz und gar zulassen

Egal, wie die Gefühlswelt nun bei jedem einzelnen aussehen mag, es ist wichtig, sie in all ihrer Vielfalt zu akzeptieren. Denn wenn man diese Gefühle verdrängt, verleugnet man sich selbst. Im Gegenteil: Man sollte sie ganz und gar zulassen. Man sollte seine Freude zeigen, wenn man einen Menschen nach Jahren das erste Mal wieder sieht, sollte laut lachen, weinen, schreien. Man sollte aber auch genauso weinen, wenn man traurig ist, wenn man Abschied nehmen muss. Nur so wird das Reisen zu dem, was es ist: ein Abenteuer gemischter Gefühle, das durchs Zulassen dieser seine ganz eigene Existenzberechtigung findet. Nicht selten sehe ich Menschen, die ihre Gefühle unterdrücken. Dabei könnte ihnen nicht deutlicher etwas auf den Lippen liegen. Dieses Unausgesprochene nehmen sie dann mit auf ihre Reise, oder eben mit nach Hause und sperren so einen wichtigen Teil ihrer selbst weg.

Auf der anderen Seite beobachte ich aber auch immer wieder Szenen voller Emotionen. Szenen mit Menschen, die sich vor Freude in die Arme fallen oder die sich aus Angst gar nicht mehr loslassen wollen. Für mich sind es genau diese Szenen, diese Momente, die das Reisen so besonders machen. Sie bringen ein großes Stück Menschlichkeit in unsere Welt zurück. Zeigen, wie verletzlich ein jeder von uns ist und – obwohl wir dieses Gefühl jeweils anders wahrnehmen – wie gleich wir in dieser Hinsicht dann doch wieder alle sind.

Weltweit die gleichen Szenen

Denn diese Szenen spielen sich auf der ganzen Welt ab: Sei es auf einem Bahnhofssteig in Barcelona oder Berlin, in den großen Abflughallen der Flughäfen in Tokio, Dubai oder Kapstadt, in einem kleinen Café mitten in der wuseligen Großstadt New York oder gar in einer kleinen Berghütte auf 2.000 Metern Höhe in den Alpen. Nur die Kultur macht den Unterschied. Unsere gesellschaftlichen Normen verraten uns, in welchem Ausmaß wir unsere Emotionen in der Öffentlichkeit zeigen dürfen. So sind Bahnhofsszenen voller Emotionen in manchen Ländern Alltag, während Bahnhöfe in manch anderen Ländern wie emotionale Friedhöfe wirken.

Und genau deshalb liebe ich diese Orte. Sie lehren uns so viel über uns selbst. Während sich viele ärgern, wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, nutze ich diese Zeit des Wartens und beobachte. Ich beobachte die Menschen, wie sie gehen, schauen, lachen und sich umarmen. Wie sie manchmal gehetzt wirken, um in der nächsten Sekunde wieder eine absolute Ruhe an den Tag zu legen. Wie sie verwirrt zu sein scheinen, verloren umherwandern oder ihren Weg ganz bestimmt und ohne eine ersichtliche Abweichung gehen. Wie sie teils genervt sind von den Menschenmassen, eigentlich die Einsamkeit suchen oder genau dieses Durcheinander lieben.

Wenn sich die Blicke treffen

Manchmal bemerke ich, wie auch andere die vielen Leute und das Gewusel beobachten. Und manchmal passiert es auch, dass sich zwei Beobachter gegenseitig beobachten und in der Sekunde des Bemerken, nämlich dann, wenn sich die Blicke treffen, rückartig woanders hingucken. Oder – viel schöner – sich einfach anlächeln und im gegenseitigen Eingeständnis einander zunicken. Auch tiefe Freundschaften sollen so schon entstanden sein, genauso wie die große Liebe, die noch über Jahre hinweg diesen einen Moment zelebriert.

Ein Potpourri der Gefühle

Man kann die Emotionen an solchen Orten förmlich spüren. Bahnhöfe und Flughäfen sind ein Potpourri der Gefühle. Hier verschmilzt so Vieles miteinander: die Freude mit der Trauer, die Angst mit dem Mut, die Neugierde auf das Unbekannte mit dem Bedürfnis nach Geborgenheit und dem Gewohnten. Und manchmal auch – ganz banal – das Glück mit dem Pech. Während der eine seinen Zug noch ganz knapp bekommen hat und seinen Fuß in letzter Sekunde zwischen die sich schließenden Türen strecken konnte, verpasste der andere seinen Flieger um nur wenige Minuten und steht nun am geschlossenen Gate.

Das Wahnsinnige ist nämlich auch, dass sich an diesen Orten all dies in so unglaublich kurzer Zeit abspielt. Meistens sind es nur wenigen Sekunden, die diese ganz bestimmten Reisemomente ausmachen, manchmal ein paar wenige Minuten. An nur einem Bahnhof auf dieser Welt geschieht in einer Minute so viel, dass sich nur über diese eine Minute ein ganzes Buch schreiben ließe. Es sind unendlich viele Geschichten, die gleichzeitig erzählt werden. Potenziert man dies auf alle Bahnhöfe und Flughäfen dieser Erde und nimmt auch noch alle ähnlichen Orte wie Busstationen, Häfen, Cafés, Bars, Hotellobbys, Haustüren oder einfach nur einen eigentlich unbedeutsamen Ort auf dieser Welt, der just in diesem Moment aufgrund einer Verabschiedung oder eines Wiedersehens an Bedeutung gewinnt, dazu, so hätte man wohl eine Enzyklopädie der menschlichen Gefühlswelt, menschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Normen. Eine Enzyklopädie der Andersheit und Gleichheit zugleich.

Bilder fangen Momente ein

Viel besser lassen sich diese kurzen und ganz besonderen Momente deshalb in Bildern festhalten. Denn wie sagt man so schön: “Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte.” Ein Bild erzählt oftmals nicht nur eine, sondern gleich mehrere Geschichten auf einmal. Einmal die Geschichte des Objekts, des Momentes, der im Bild festgehalten wird, und einmal die Geschichte des Fotografen, der diesen Moment beobachtet und seine ganz eigene Geschichte in diesen hinein interpretiert. Ob Wahrnehmung und Wahrheit übereinstimmen, ist wiederum eine ganz andere Geschichte.

Bilder machen das Unmögliche möglich: Sie fangen Momente ein und halten sie für die Ewigkeit fest. Sie schenken uns Erinnerungen. Erinnerung an Momente, die trotz ihrer Intensität schnell verblassen können. Und sie schenken uns eine neue Perspektive, eine neue Sicht auf die Dinge. Eine chaotische Bahnhofsszene bekommt auf einmal eine harmonische Logik. Eine intime, traurige Umarmung entpuppt sich als ein freudiges Ereignis. Und die Augen eines Mannes zeigen auf einmal doch mehr Emotionen, als es sein Hund mit seinem wedelnden Schwanz und Gejaule jemals könnte. Schaut man genauer hin, sind zwei Menschen nicht nur zwei Bekannte, sondern zwei sich Liebende, deren Funkeln in den Augen bereits alles erzählt, was es über die Beziehung dieser Menschen zu erzählen gibt.

Es sind diese ganz besonderen Momente, die sich auf Reisen abspielen. Die sich abspielen, wenn Menschen kommen oder gehen. Oder wenn sie sich selbst gefunden haben. Es sind diese vielen Orte auf der Erde, insbesondere die Bahnhöfe und Flughäfen dieser Welt, die nicht nur aufgrund ihrer logistischen Meisterleistung glänzen, sondern als Schmelztiegel der Gefühle einen ganz eigenen, unvergleichbaren Charakter erhalten. Sie sind Orte der Menschlichkeit, Orte des Zu- und Loslassen, der Offenheit und Verwundbarkeit, Orte einer unverleugbaren Wahrheit, nämlich der, dass wir alle gleich sind.

Diese Momente schätzen lernen

Egal, woher wir kommen oder wohin wir gehen. Egal, wie viel wir schon gereist sind oder wie sehr wir uns an unser Zuhause klammern. Egal, ob Aufregung etwas Positives oder Negatives ist, oder gar beides für uns bedeutet. Für jeden ist dieses Gefühl ein anderes und doch kennt es jeder. Jeder hat einen solchen Moment schon einmal erlebt und wird ihn nochmals erleben. Und über die Jahre hinweg lernt man, diese Momente zu schätzen, sie nicht zu verachten, sondern für ihre Besonderheit zu lieben, und sie gerade wegen ihrer kurzweiligen Dauer ganz und gar wahrzunehmen und voll zu genießen. Ob Freude oder Trauer, ob Angst oder Mut, ob Ungewissheit oder Neugierde, ob Glück oder Pech.

Und es sind Bilder, die diese Momente und dieses ganz bestimmte Gefühl festhalten, und es mancherorts überhaupt erst sichtbar machen…

***

Die Idee zum Text entstand durch den Fotowettbewerb „ReiseMomente festgehalten“ der ReiseBank AG. Auch Sebastian hat dazu einen Beitrag geschrieben, den du hier lesen kannst.

Line
Line ist zwar ein Großstadtkind, fühlt sich in der Natur aber mittlerweile weitaus mehr zuhause als im trüb-grauem Häuserdschungel. Wenn sie sich nicht gerade mit Sebastian ins Abenteuer stürzt, findest du sie entweder im Reitstall, in einer finnischen Sauna oder in einem süßen Café am Laptop mit einem Flat White und einem leckeren Cheese Cake vor der Nase.
Line

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3 Kommentare zu „Dieses eine Gefühl beim Reisen für das es keinen Namen gibt…

  1. Kissi on

    Ich liebe diesen Blog. 🙂
    Spannende Geschichten die authentisch erzählt werden.

    Manchmal lebe ich so richtig mit und erkenne mich selbst wieder.

    Danke
    Ganz liebe Grüße

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