Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Warum meine Reiserei nichts mit Wegrennen zu tun hat!

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Reiseblogger und deshalb ständig unterwegs bin, bekomme ich meistens zwei ganz unterschiedliche Reaktionen: die einen finden es total cool, was ich da so mache und sind super interessiert daran, wie mein Leben als Reiseblogger aussieht, während die anderen mich eher kritisch anschauen und mich irgendwann vorwurfsvoll fragen, wovor ich denn wegrennen würde.

Ich habe diese Frage in meinem Leben schon so oft gehört, dass ich mich irgendwann selbst gefragt habe, ob ich tatsächlich wegrenne. Ich habe angefangen zu hinterfragen, was ich da eigentlich tue und warum ich dieses Leben, dieses ständige unterwegs sein und weiterziehen, wirklich lebe. Ist es, weil ich auf der Flucht bin? Aber auf der Flucht vor was?

Wie ich diese Frage, oder besser diese Fragen letztendlich beantwortet habe, und ob ich tatsächlich vor etwas wegrenne, erfährst du in den nächsten, sehr persönlichen Zeilen.

Aber Vorsicht: Ich habe mich mal wieder richtig nackig gemacht und wahrscheinlich wirst auch du dich am Ende des Beitrags ein paar unbequemen Lebensfragen stellen müssen!

Das Leben als Reiseblogger
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Am Träumen in Tarifa mit Blick auf Marokko! (Jacke und Hemd von Tatonka)

Warum meine Reiserei nichts mit Wegrennen zu tun hat!

Diese eine, unbequeme Frage

Stell dir vor, du triffst jemand Neues, ihr unterhaltet euch über alles mögliche, übers Leben, welche Jobs ihr habt und was ihr so tagtäglich macht.

Du erzählst, dass du Reiseblogger bist, quasi ständig verreist und deshalb auch keinen festen Wohnsitz mehr hast. Anfangs hört dir dein Gegenüber noch gespannt zu und kann es kaum glauben, dass es tatsächlich möglich ist, von Beruf Reiseblogger zu sein und so sein Geld zu verdienen, bis sich sein Enthusiasmus auf einmal in Mitleid wandelt.

Plötzlich wird die Stimmung ernst, dein Gegenüber sagt, dass er sich so ein Leben nicht vorstellen kann. Reisen sei zwar schön und gut, aber immer unterwegs zu sein, dass stellt er sich schwierig vor.

Ob ich denn mein Zuhause, meine Familie und Freunde nicht vermissen würde? Oder das Gefühl im eigenen Bett, unter der eigenen Decke einzuschlafen und am nächsten Morgen in vertrauter Umgebung aufzuwachen?

Meine Antwort darauf ist eigentlich immer ähnlich: Ich habe mittlerweile nicht nur ein Zuhause, sondern gleich mehrere auf der ganzen Welt verteilt. Ich habe Freunde in Berlin, in Tarifa, Kapstadt und Australien, in Nicaragua, auf Bali und in Thailand. Aber viel wichtiger: Wenn ich dann mal vor Ort bin, verbringe ich die Zeit mit meinen Freunden oder mit meiner Familie in Deutschland viel intensiver, eben weil ich sie nicht so oft treffe.

Daher sehe ich das gar nicht so eng, sondern bin viel mehr der Meinung, dass ich durch das ständige Reisen viel mehr im Hier und Jetzt lebe, den Moment und die Zeit mit anderen viel mehr genieße. Ich weiß, dass die Zeit, die man gemeinsam verbringt, etwas besonderes ist und entsprechend geschätzt werden sollte.

Klar vermisse ich es, in meinem wirklich eigenen Bett zu schlafen, aber dafür wache ich den einen Monat in einer wunderschönen Villa in Ubud mit Blick auf die Reisfelder auf, den nächsten im Camper in Neuseeland direkt am Meer und den darauffolgenden in einem richtig coolen Hotel in Südtirol mit Ausblick auf die Dolomiten.

In meinem alten Apartment in Berlin habe ich auf Häuserwände und in einen leeren Innenhof mit Mülltonnen gestarrt. Da schlafe ich dann doch lieber unter einer Bettdecke, die nicht wirklich mir gehört.

Und überhaupt, warum muss ich eigentlich eine eigene Bettdecke haben?

Ich reise seit ein paar Jahren nur noch mit Handgepäck durch die Welt und im Herbst 2015 habe ich alle meine Sachen verkauft. Mein Besitz beschränkt sich auf die Sachen in meinem Rucksack, meinen Laptop, meine Kameras und einer Kiste mit persönlichen Sachen in einer Lagerbox in Berlin.

Kaum etwas zu besitzen und minimalistisch zu leben, ist so unglaublich befreiend! Ich brauche kein eigenes Bett, keine eigene Decke, keine eigenen Kissen, keine Teller, kein Besteck, keine Regale, keinen unnötigen Krimskrams und auch kein eigenes Toilettenpapier. Ich bin viel glücklicher ohne Besitz.

Das klingt natürlich alles plausibel und sei zwar schön und gut, aber irgendwas muss daran doch faul sein. Schließlich reist kein Mensch gerne dauerhaft und jeder Mensch braucht seinen Rückzugsort, sein soziales Umfeld. Und dann kommt sie, diese eine, unbequeme Frage:

Wovor rennst du denn weg?

Tja. Und da stehe ich dann, verwirrt und ohne Antwort.

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Endlose Strände zum Nachdenken in Hermanus in Südafrika!

Reise ich, um wegzurennen?

Ist der Grund, warum ich so viel reise nur, weil ich vor etwas wegrenne? Bin ich nur Reiseblogger geworden, weil ich auf der Flucht bin?

Auf der Flucht vor mir selbst? Vor all den Problemen, die im Alltag auf mich warten? Auf der Flucht vor der Realität, vor dem wirklichen Leben?

Ich bekomme so oft zu hören, dass mein Lebensstil so nicht auf Dauer funktionieren könne. Dass der Beruf als Reiseblogger nicht nachhaltig sei. Irgendwann sei es vorbei, irgendwann würde ich so kein Geld mehr verdienen.

Denn momentan lebe ich doch nur einen Traum, aber irgendwann würde mich die Realität wieder einholen.

Doch was ist diese Realität?

Ich glaube, dass die meisten einfach nicht wissen oder nicht verstehen, wie mein Leben als Reiseblogger wirklich aussieht.

Es ist nämlich nicht so, dass ich nur am Strand sitze und frische Kokosnüsse schlürfe oder den ganzen Tag nur Abenteuer erlebe, mich morgens mit einem Bungee-Seil von der Brücke stürze, dann wandern gehe, abends noch eine kleine Surfsession zum Sonnenuntergang einlege und später dann Bilder von meinem Tag auf Facebook, Instagram und Co. hochlade, und dass ich mich dann alle paar Tage mal in ein Café setze, um bei einer leckeren Tasse Flat White einen Beitrag über meine Erlebnisse zu schreiben.

Nein.

Den größten Teil meiner Zeit sitze ich nämlich vor meinem Laptop und kümmer mich mehr um Sachen im Hintergrund wie SEO oder Newsletter Marketing, mache meine Buchhaltung, bearbeite Bilder, schneide Videos, handel Kooperationen mit Unternehmen aus und antworte auf Anfragen und Leser-E-Mails. Das Schreiben von Beiträgen oder Social Media nehmen nur einen kleinen Teil meiner Zeit in Anspruch. Noch weniger Zeit verbringe ich tatsächlich draußen und stürze mich in Abenteuer.

Auch wenn ich ständig unterwegs bin, spielt das Reisen oder das, was Leute unter dem Begriff Reisen verstehen, gar nicht einmal eine so große Rolle in meinem Leben. Denn Urlaub mache ich eigentlich gar nicht.

Mein Job als Reiseblogger ist also ganz klar Realität. Klar, es war einmal mein Traum und es fühlt sich manchmal auch noch wie ein Traum an, aber es ist meine Realität, es ist mein Leben.

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Beim Arbeiten als Reiseblogger in Dubai!

Beruf Reiseblogger – Eine bequeme Ausrede?

Selbst wenn ich das erklärt habe, kommt eine weitere Frage auf:

Nutze ich den Beruf Reiseblogger vielleicht nur, um mir eine bequeme Ausrede zu schaffen, warum ich ständig reise?

Bin ich nur Reiseblogger geworden, um mich eben nicht mit dieser Frage, ob und wovor ich wegrenne, auseinander setzen zu müssen?

Gereist bin ich schon immer viel und gerne. Nach meinem Abi ging es erst einmal zum Arbeiten nach Australien, dann an eine Uni in die Niederlande, dann für ein Austauschsemester nach Bulgarien, dann für ein Praktikum nach Bangkok. An all den Orten bin ich natürlich viel umhergereist und habe meine Freiheit einfach nur genossen.

Bis ich vor der Entscheidung stand, einen festen Job in Bangkok anzunehmen.

Doch ich nahm dieses Jobangebot nicht an, denn ich wollte weiterhin meiner eigentlichen Leidenschaft nachgehen: Reisen! Reisen und frei sein, neue Länder und Kulturen entdecken, Abenteuer erleben und coole Leute treffen.

Also beschloss ich, Reiseblogger zu werden und dies so professionell zu machen, dass ich eines Tages davon leben könnte.

Und das kann ich heutzutage.

Aber eben weil ich Reiseblogger bin, kann ich immer behaupten, dass ich nicht wegrenne, sondern dass das Reisen mein Beruf ist. Es hat nichts mit meinem Inneren oder mit dem, was mich beschäftigt zu tun, sondern ist schlichtweg mein Job.

Doch stimmt das wirklich?

Schließlich war das Reisen zuerst da. Der Drang, ständig unterwegs zu sein, von einem Ort zum nächsten weiterzuziehen, existierte schon bevor ich Reiseblogger wurde.

Somit komme ich wieder bei genau der selben Frage an:

Reise ich nur, um vor etwas wegzurennen?

Reisen wir, um wegzurennen?

Und diese Frage bekomme nicht nur ich gestellt. Letztendlich geht es vielen anderen Weltreisenden ähnlich.

Leute, die wie ich ständig unterwegs sind, entweder, weil sie sich bereits seit längerem eine Auszeit genommen haben oder weil sie ebenfalls die Möglichkeit haben, von überall aus zu arbeiten und somit das Arbeiten mit dem Reisen verbinden können, kriegen diese Frage mindestens einmal in ihrem Leben gestellt.

Warum reisen wir also? Warum bevorzugen wir es, ständig unterwegs zu sein, als uns an einem Ort niederzulassen, als ein Zuhause zu haben?

Haben wir vor etwas Angst?

Haben wir zum Beispiel Bindungsangst? Können wir Nähe zu anderen Menschen nicht ertragen?

Oder ist es sogar die Nähe zu uns selbst, vor der wir wegrennen?

Ich bekomme immer wieder zur hören, dass ich doch einsam sein müsste, dass ich doch keine wirklichen Freunde haben kann und das mit mir etwas einfach nicht stimmt.

Ich renne weg. Vor anderen, vor mir selbst, vorm Leben.

Tue ich das wirklich?

Tun wir das wirklich? Wir, die viel reisen und ständig unterwegs sind?

Wir rennen nicht weg, wir machen das, was uns glücklich macht!

Ich behaupte Nein.

Für mich hat meine Reiserei nichts mit Wegrennen zu tun. Und einsam bin ich keinesfalls.

Ich habe wirklich lange über diese Frage und all die anderen Fragen, die mit ihr aufkommen, nachgedacht und ich glaube, die Antwort ist ganz einfach:

Reisen macht mich schlichtweg glücklich.

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Skydiven in Neuseeland

Ich reise nicht, weil ich vor etwas wegrenne oder weil ich Angst habe. Ich reise, weil mich Reisen glücklich macht.

Wenn ich reise, fühle ich mich so unendlich frei, so unglaublich lebendig und so unbeschreiblich glücklich!

Dieses Gefühl, dass mir das Reisen gibt, macht mich viel glücklicher, als mich je ein eigenes Bett machen würde.

Ich brauche kein Zuhause für mein Glück, ich bin mein eigenes Zuhause.

Ich brauche keinen bestimmten Ort dafür, kein Bett, keine Dinge.

Ich brauche nur mich und das Abenteuer, das nach mir ruft.

Reisen bedeutet Leben!

Neue Leute zu treffen, in fremde Kulturen einzutauchen und die eigene Sichtweise zu hinterfragen, das macht Reisen aus.

Sich selbst jeden Tag aufs Neue kennen zu lernen, Abenteuer zu erleben und über sich selbst hinauszuwachsen, das ist das Tolle am Reisen.

Zuhause, auf der eigenen Couch, mag es zwar gemütlich und vertraut sein, aber es ist eben auch langweilig. Jedenfalls für mich.

Mich macht es nicht glücklich, jeden Tag das Gleiche zu erleben.

Jeden Morgen aufs Neue ins Büro zu fahren, den immer gleichen Job zu erledigen und das immer in der gleichen Zeit. Als ob jeder Mensch zwischen 9 und 18 Uhr seine produktive Phase hätte.

Für mich ist diese Routine, dieser immer gleiche Alltag eine furchtbare Vorstellung. Auch ich kann mir dieses Leben absolut nicht vorstellen.

Für mich wäre ein solches Leben fast schon der Tod.

Denn für mich bedeutet Reisen wirklich zu leben.

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Haussitting in Südafrika

Jeder Mensch ist anders

Aber hier ist der entscheidende Punkt: Jeder Mensch ist anders.

Ich kann absolut verstehen, wenn jemand sich meinen Lebensstil nicht vorstellen kann. Doch hat meine Reiserei nichts damit zu tun, dass ich wegrenne oder mich nicht irgendwelchen Ängsten stellen will.

Nur weil jemand das nicht versteht, muss mein Leben nicht gleich schlecht sein oder meine ständige Reiserei mit einem bemitleidenswerten Grund zu tun haben.

Es mag zwar sein, dass viele Menschen ein Zuhause und ihr soziales Umfeld brauchen, dass Routine sie glücklich macht.

Denn mal ehrlich: Routine ist eben bequem.

Routine bedeutet, sich nicht stressen zu müssen, zu wissen, was auf einen zukommt. Routine bedeutet, angekommen zu sein, nicht mehr suchen zu müssen.

Routine gibt vielen Sicherheit und eine Art Anleitung fürs Leben.

Routine vs. die Suche nach dem wahren Glück

Aber ich brauche das nicht und ich will es ehrlich gesagt auch nicht.

Denn mal ehrlich: Ist es nicht das, was das Leben wirklich ausmacht?

Nicht zu wissen, was morgen, übermorgen oder nächstes Jahr passiert? Eben nicht für alles einen Plan zu haben, sondern es einfach mal auf sich zukommen zu lassen?

Weiter zu suchen und sich nicht sofort für das Erstbeste niederzulassen?

Sein Glück so lange zu suchen, bis man es wirklich gefunden hat?

Sich so lange herauszufordern, bis man sich wirklich kennt?

Bis man wirklich weiß, was man will und was einen glücklich macht?

Warum ich nicht auf der Flucht, sondern auf der Suche bin

Vielleicht liegt auch genau hier meine nächste Antwort:

Ich renne keinesfalls weg oder bin auf der Flucht, ich bin schlichtweg auf der Suche.

Auf der Suche nach dem wahren Glück, nach Abenteuern, nach mir selbst.

Ich renne also nicht vor mir selbst oder vorm Leben weg.

Im Gegenteil: Ich reise, um mich wirklich kennen zu lernen und um wirklich zu leben!

Meine Antwort ist klar, aber was ist mit deiner?

Ich habe meine Antwort also gefunden. Ich weiß, dass ich vor nichts wegrenne.

Ich weiß, dass ich reise, einfach nur, weil es mich glücklich macht. Weil es mir ermöglicht, zu mir selbst zu finden und wirklich zu leben.

Wärst du also heute mein Gegenüber und würdest du mir diese eine Frage stellen, die ich mittlerweile richtig zu schätzen weiß, würde ich dir genau das antworten.

Aber das ist noch nicht alles. Auch ich würde dich nämlich etwas fragen. Ich würde dich fragen, wie du nicht ständig verreisen wollen kannst.

Und ich würde dich Folgendes fragen:

Bist du wirklich glücklich mit deinem Leben, mit dem, was du jeden Tag erlebst und tust?

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2 Kommentare zu „Warum meine Reiserei nichts mit Wegrennen zu tun hat!

  1. Lovelyforlivingvonne on

    DANKE für den Blogpost! Ich kann die Frage nicht mehr hören und habe mich oft selbst gefragt, ob ich vor irgendetwas davon renne. Aber ich bin glücklich und konnte mir nie einen Reim darauf machen, wovor ich denn wegrennen solle. Danke dir für deine ehrlichen Worte – ich kann sie voll unterschreiben!
    Liebe Grüße und happy travels,
    Yvonne

    Antworten
  2. Southtraveler on

    Wow, toller Beitrag! Danke für diese Worte. Die meisten Menschen, die so einen Lebensentwurf hinterfragen, sind oftmals selbst mit ihrem Leben unglücklich und gerade in Deutschland kommt da oft noch der Neidfaktor dazu. Mach weiter so und genieße & lebe dein Leben,wie du es für richtig hälst. Liebe Grüße Daniel

    Antworten