Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

In Istanbul von A nach B, und von Europa nach Asien.

Wenn du einige Zeit in Köln ohne Auto wohnst, hast du dich an die Unzuverlässigkeit der KVB schon gewöhnt. Wie der Dom und die Büdchen an der Ecke gehört sie zum Kölschen Charme. Mit „Thänk jou for Träveling wit Deutsche bahn todäj“ fange ich jetzt gar nicht erst an;-) Ein Flug nach Istanbul von Köln oder Düsseldorf dauert ein bisschen mehr als 2 Stunden. Innerhalb Istanbuls von Taksim nach Kadiköy (die beiden Zentren der Zentren auf der europäischen und asiatischen Seite) kann es manchmal genauso lange dauern.

Der normale Wahnsinn: 14 Millionen Menschen. Einige Kilometer Straße, Gassen und Rumpelpfade (würde mich wundern, wenn das jemals gezählt wurde), ein bisschen mehr als 10.000 Bushaltestellen, eine ordentliche Schiffsflotte, zwei Brücken und ein paar Brückchen. Istanbul ist riesig, aber man kommt prima an jedes, wirklich jedes Ziel. Nur mit der Zeit, die man für den Weg braucht, kann es kritisch werden.

Besonders morgens und abends (aber das kann man auch nicht so genau sagen) ist es ein ewiges Stop-and-Go. Verstopfte Straßen überall. Wäre Istanbul ein Herz, würde jeder Kardiologe direkt einen Bypass legen. Die Hektik der Stadt wird dadurch nicht besser. Aber was soll man schon als Persönchen in der Masse machen?! Ruhig bleiben und ein Teechen trinken, gucken und staunen. Es dauert eben seine Zeit. Je nachdem, wo du zwischen Autos, Bussen, Minibussen und Menschen steckst, kannst du das Ganze wenigstens mit einer netten Aussicht genießen: Ein atemberaubender Eindruck von der Größe der Stadt bei Tag, wenn man von der Autobahn guckt, und ein Bad im Lichtermeer bei Nacht.

Ein Versuch, zwischen den 10.000 Bushaltestellen (im Internet auf der IETT-Seite), die zu finden wo man hin will, ist zwecklos. Eine schöne Busstrecke ist die 42 von Taksim über Besiktas nach Bahaceköy. Diese „Fischerroute“ führt am Bosporus entlang nach Bebek – ich warte noch bis da mal ein Eimerchen mit geangelten Fischen umkippt. Einfach auf der Straße nach dem Weg fragen ist lustiger und du kommst meist auch dahin, wo du möchtest – oder entdeckst andere Ecken, die du sonst wohl nicht gesehen hättest. Vertrauen kannst du den Wegbeschreibungen der Istanbuler nicht immer – egal ob sie es wissen oder nicht, eine Antwort bekommt man immer. Allerdings MUSST du auf ihren Fahrstil vertrauen. Wenn du einmal in einem kleineren Fahrzeug als einem Minibus gesessen hast und bei einem Türken mitgefahren bist, weisst du, wovon ich spreche: Die Gemütshaltung ist etwa so, wie wenn Besiktas gegen Fenerbahce spielt und das Zusammenspiel aus Gas und Bremse läuft nach dem Motto „ Wer zuerst da ist“ und „knapp, aber passt schon!“ Die verrückte Straßenführung lassen wir mal so stehen. Es funktioniert auch mit der Missachtung der ein oder anderen Verkehrsregel. Unfälle habe ich noch keine gesehen, Kratzer und Beulen zählen hier nicht 😉 Noch bin ich immer heil angekommen.

Eine Alternative zu den Bussen sind die Dolmus. Das sind private Kleinbusse, die nicht nach Fahrplan fahren, sondern dann, wenn sie voll sind. Ein Dolmus fährt meist von A nach B, hält aber auch da an, wo man es im sagt. In dem kleinen Bus trifft man die lustigsten Leute. Manchmal (ich schreibe darüber auch in einem späteren Eintrag) sind ein paar türkische Männer zu nett und suchen den etwas engeren Körperkontakt, wenn der Bus oder auch die Bahn etwas voller ist. Wenn die guten nach ein paar netten Hinweisen, dass sie ihre Hände bei sich behalten sollen, immer noch nicht von dir ablassen, geht sicher, dass du ein kleines Warnzeichen in die richtigen Stellen verpasst.

Soweit es geht, meide ich die Straßen. Dank Zug, Metro und den Fähren funktioniert diese Strategie. Zug und Metro sind auf der europäischen Seite flächendeckend und gut ausgebaut, auf der asiatischen Seite gibt es jeweils eine Strecke, der Großteil läuft aber über Busse und Dolmus. Der asiatische Teil ist um einiges größer. Die Ausgangshaltestelle für den Zug auf der europäischen Seite ist Sirkeci, wo Ende des 19. Jahrhunderts auch immer der Orientexpress ein- und abgefahren ist. Auf der asiatischen Seite geht’s los ab Hardarpasa, dessen Bahnhofgebäude der Willi (Wilhelm von Bismarck) spendiert hat. Da beide Transportmittel staufrei sind, fahren auch viele Istanbuler damit und die Dinger sind immer überfüllt. Achtung vor zuneigungsbedürftigen Männern! Der Busbahnhof „Otogar“ und der Atatürk Flughafen auf der europäischen Seite sind an die Metro angebunden. Den Sabiha Gökcen Flughafen erreichst du mit dem öffentlichen Bus. Beide Airports mit dem Havatas.

Für Nostalgiefans: Als antikes Wägelchen tingelt die Istiklal-Bahn unter der ganzjährigen Beleuchtung, die an Weihnachtsbeleuchtung erinnert, von Taksim nach Tünnel und zurück. Von Tünel nach Karaköy fährt die Tünel-Bahn.

Mein absolutes Highlight ist immer wieder die Fahrt von Europa nach Asien und umgekehrt. Auch wenn die Brückenüberfahrt mit dem Bus mir immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, ist die Fähre mein Liebling. Ich kann mir kein schöneres öffentliches Verkehrsmittel vorstellen. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Motiv von der Fähre gemacht habe, auf dem Wasser ist es klasse. In den 20 Minuten trinkst du einen Tee aus dem süßen Glas, sitzt an der Seite, spekulierst ob dich gleich die Welle trifft oder eine von den 42367 Möwen, die hinter der Fähre herfliegen. Mit ein bisschen Glück siehst du auch Delfine. Dazu später mehr.

 Boat on Bosphorus

Öffentliche Verkehrmittel wie Busse, Metro, Metrobus, Fähre (ja, ist hier ein ganz normales Verkehrsmittel) und auch die Seilbahnen kannst du mit einzelnen Jettons oder der IstanbulCard bezahlen. Dir die IstanbulCard zu besorgen, ist in jedem Gall billiger.

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