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Die besten Tipps für leckeren selbstgemachten Kaffee auf Reisen!

Kaffee ist heutzutage nicht mehr einfach nur die schwarze Plörre, die man mehrmals täglich in sich reinkippt, um wach zu bleiben. Kaffee ist vielmehr zu einer Wissenschaft, einer Kunst, einer Art Bewegung geworden. Eine Bewegung, die weltweit Anhänger findet.

Überall poppen neue Speciality Coffee Shops auf und selbst unscheinbare Cafés zaubern eine geniale Latte Art. Dennoch bekommst du mehr schlechten, als guten oder schlichtweg gar keinen Kaffee serviert, besonders wenn du dich abseits der bekannten Pfade bewegst oder dich auf einen mehrtägigen Trip durch die Wildnis begibst.

Damit du als Kaffeejunkie auf deinen zukünftigen Reisen und Abenteuern nicht auf das leckere schwarze Gold verzichten musst, bekommst du in diesem Beitrag alle Tipps und die geballte Expertise eines Perpetual Travelers, der seit 10 Jahren zum Thema Kaffee blogt!

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Die besten Tipps für leckeren selbstgemachten Kaffee auf Reisen!

Wenn du zuhause noch keinen guten Kaffee zauberst, wird es auf deinen Reisen natürlich noch schwieriger. Deswegen gibt’s zunächst einige generelle Tipps, bevor wir mit den besten Zubereitungsmethoden für Kaffee auf Reisen weitermachen.

Warum geht es nur um schwarzen Kaffee?

Bei diesem Artikel kommst du hauptsächlich auf deine Kosten, wenn du dich als Purist verstehst. Generell gehört kein Zucker und keine Milch in einen richtig geilen Handfilterkaffee – du packst ja auch keine Eiswürfel in deinen Rotwein. Aber wie immer: Erlaubt ist, was schmeckt. Als Backpacker kommst du an richtig coolen Cafés vorbei und kannst dort dein Verlangen nach einem leckeren Flat White stillen. Unterwegs musst du dich allerdings mit Filterkaffee anfreunden, denn mit tragbarem Equipment lässt sich weder ein richtiger Espresso noch anständiger Milchschaum zubereiten. Es sei denn, du reist gerne mit deiner 35 kg Espressomaschine.

Warum hinter jedem leckeren Kaffee eine gute Kaffeebohne steckt, sehen wir uns jetzt an!

Gute Kaffeebohnen – ohne sie geht nichts!

Das ist nichts Neues für dich? Habe ich mir gedacht, du hast einfach guten Geschmack! Aber für viele steht das Equipment vor dem Kaffee und das ist ein entscheidender Fehler. Im Coffeeness Blog gibt es immer wieder viele Besucher, die zwar bereit sind für einen Siebträger oder einen Kaffeevollautomaten Unsummen auszugeben, aber dann beim Kaffee sparen möchten – das geht nicht.

Du brauchst also handwerklich gut gemachten und frischen Kaffee. Aber wie kannst du den erkennen? Ich habe eine Faustregel für dich, mit der du gut arbeiten kannst: Jeder Kaffeeröster, der das Röstdatum auf seine Kaffeebohnen schreibt, produziert mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hochwertigen Kaffee. Das bedeutet aber auch, dass deine Kaffeebohnen selten unter 20 Euro pro Kilo kosten werden. Mein Tipp ist es lieber am Equipment, als an den Kaffeebohnen zu sparen.

Ich empfehle dir in diesem Artikel einen Handfilter oder die AeroPress für Reisen. Für beide Kaffeebereiter solltest du helle Röstungen einkaufen – also keine dunklen Espressoröstungen. Du kannst bei den Röstern einfach nach den hellen Kaffees oder fruchtigen Röstungen fragen. Damit wirst du gleich als Kenner erkannt und bekommst gut geeignete Kaffeebohnen.

Insidertipp: Sind die Kaffeebohnen ölig, lässt du am besten die Finger von ihnen. Ölige Bohnen haben bei der Röstung zu sehr einen drüber bekommen!

Aufbewahrung – wie lange kannst du Kaffee lagern?

Frische und Lagerung sind für Kaffeebohnen sehr wichtig. Bei Kaffees, die für den Filter geröstet wurden, kannst du bereits nach einem Tag den Kaffee in vollen Zügen genießen. Bei Espressoröstungen muss der Kaffee noch eine Weile reifen. Hier gilt, je dunkler die Röstung, desto länger. Espresso kann oft zwei bis drei Wochen ablagern bis er seinen Aroma-Höhepunkt erreicht.

Hinweis: In diesem Artikel geht es um Filterkaffee-Varianten, deswegen lasse ich den Espresso im weiteren heraus. Diese Kaffeebohnen sollten auch originalverpackt nicht älter als 3 Monate werden.

Wie solltest du angebrochenen Kaffee am besten lagern?

Das ist generell nicht einfach und volle Rucksäcke machen es nicht leichter. Du solltest die Kaffeebohnen unbedingt vor folgendem schützen:

  • vor Sonne
  • vor Feuchtigkeit
  • vor dem Kühlschrank
  • vor Gerüchen und Aromen

Du kennst eventuell von längeren Reisen die „Lebensmitteltüten“, in die alles Essbare verfrachtet wird. Diese Tüte ist oft kein guter Ort für die offenen Kaffeebohnen-Verpackungen. Neben luftgetrockneten italienischen Wurst-Spezialitäten und dem stinkigen Käse haben die Kaffeebohnen nichts verloren. Außer du planst sie zu aromatisieren. Ansonsten lässt du den Kaffee einfach in seiner Tüte und verschließt diese gut. Umfüllen schadet mehr als es nützt. Der schönste Trick für dein Aroma: den angebrochenen Kaffee schnell verbrauchen!

Wer also an der Quelle von gutem Kaffee sitzt, könnte sich für eine dreimonatige Reise komplett eindecken. Je nach Konsum macht wird dein Rucksack dadurch deutlich schwerer und Platz für deine Ausrüstung fehlt dir auch. Deswegen rate ich dir deinen Kaffeebohnen-Vorrat immer während deiner Reise aufzustocken.

Wo geht das am besten? Bei kleinen Röstereien. Die findest du in größeren Städten. Je größer die Stadt, desto wahrscheinlicher ist es auch auf gute Röstereien zu stoßen. Es gibt super Kaffee-Städte wie Wellington, Barcelona oder auch Berlin. Glücklicherweise gibt es sehr gute Blog-Artikel zu fast jeder Stadt. Welcher Laden zu dir passt, musst du dann natürlich selbst ausprobieren. Eine kurze Google-Suche hilft: „Third wave coffee + Stadtname“ lässt dich sicher nicht im Stich.

Exkurs: Third wave coffee, hääää?

Was ist eigentlich diese „Third Wave of Coffee“-Bewegung? Das erkläre ich dir am besten in der Chronologie der drei Wellen:

Die erste Welle: In der Nachkriegszeit wurde Kaffee, also echter Bohnenkaffee – und kein „Ersatzprodukt“ – für alle Haushalte zugänglich. Kaffee wurde vom Luxusprodukt zum Alltags- und Konsumprodukt. Dazu kam dann noch der klassische Melitta-Filter und später die Filterkaffeemaschine. Insgesamt die erste Kaffeewelle.

Die zweite Welle: Die Kaffeehausketten erobern die Welt. 1971 eröffnet der erste Starbucks in Seattle. Auch wenn du heute gerne an jedem dieser 27.300 Stores vorbeigehen kannst, ohne was zu verpassen, hat auch diese Welle für den Kaffee etwas bewegt. Das sehen übrigens viele andere Kaffee-Experten anders als ich.

Damals wurde in diesen Stores in den USA überdurchschnittlich guter Kaffee verkauft und die Bereitschaft geschaffen für Kaffee Geld auszugeben. Vor dieser Welle war es mit gutem Kaffee in den USA schwierig. Du kennst sicher die nette Dame aus Filmen im US-Diner, die permanent die Kaffeetassen mit dunklem Wasser nachfüllt. Die Invasion der Kaffeehäuser ist also die zweite Welle.

Tata: Die dritte Welle: Jetzt haben sich viele Leute gesagt, das mit den Kaffeehausketten ist nichts für mich. Es geht noch um was anderes als „speed of service“ und wir sind Puristen und wollen keine „To-Go-Triple-Grande-Nonfat-Vanilla-Latte“, sondern handwerklich hervorragend gemachten Kaffee. Am besten direkt gehandelt. Kaffee ist jetzt eine Wissenschaft und Kunst.

Ich persönlich liebe den Qualitätsanspruch dieser Kaffee-Generation, habe aber oft Schwierigkeiten mit der Attitude. Ich habe ja nichts gegen Hipsters, ABER… der schnurrbärtige Barista, der in der Mitte des Cafés die Kaffeeprobe mit einer Pipette in das Refraktometer tropfen lässt, wird mir dann doch manchmal zu viel.

Meine Faustregel dafür ist immer: Ich gehe nur gerne in Cafés, in denen auch meine Oma ohne Probleme (ohne komisch angeschaut zu werden) einen Kaffee bestellen kann. Also zusammengefasst: Die dritte Welle hat was mit höchstem Anspruch, Kaffeewissen und dem Austausch von diesem zu tun. Ob das mit dem Austausch so gut klappt oder es sich teilweise auch um einen okkulten Trend handelt, darf gerne diskutiert werden.

Frisch mahlen

Kaffeebohnen, die nicht frisch gemahlen sind, haben auch kein Aroma mehr. Du kannst damit rechnen, dass nach 20 Minuten ein signifikanter Teil des Aromas über Bord gegangen ist. Deswegen ist eine Kaffeemühle extrem wichtig. Dabei ist es egal, ob Handkaffeemühle oder elektrische Kaffeemühle.

Die richtige Handkaffeemühle

Den Kaffee frisch zu mahlen ist wirklich wichtig. Aber du sagst dir jetzt sicher: wirklich? Ich soll auch noch eine Kaffeemühle mitschleppen? Bei Handkaffeemühlen haben viele

noch das Bild der klobigen Holzkisten wie von Zassenhaus im Kopf.

Es gibt aber auch viele kleine und schlanke Modelle. Es muss auch keine Comandante (mega gut, mega teuer) sein. Du solltest zwischen 30 und 50 Euro einplanen. Du wirst feststellen, den Kaffee morgens mit einer Handkaffeemühle zu mahlen ist ein wunderbares Ritual. Du wirst außerdem viele sehnsüchtige Blicke von der Instantkaffeefraktion ernten. Einen sehr guten Kaffee anzubieten ist übrigens oft der Anfang einer wunderbaren Freundschaft.

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(c) coffeeness

Das richtige Wasser

Das Wasser ist für einen Kaffee besonders wichtig. Seine Beschaffenheit macht viel aus und beeinflusst den Geschmack. Deswegen brauchst du immer gutes und frisches Wasser.

Sollte dein Kaffee plötzlich anders schmecken, obwohl du sonst alle Parameter übernommen hast, kann es oft am Wasser liegen. In Neuseeland bekommst du beispielsweise fast überall Trinkwasser aus dem Wasserhahn, das ist aber selten richtig gut für Kaffee geeignet und du bist besser dran, wenn du auf Flaschenwasser zurückgreifst.

Die perfekte Temperatur

Was kannst du da falsch machen? Aufkochen und rein kippen. Oh Nein! Damit verbrennst du den Kaffee und seine Aromen gehen verloren. Genau deswegen haben Kaffeemaschinen immer noch einen so schlechten Ruf. Sie splottern manchmal einfach nur kochendes Wasser über den Kaffee und machen ihn so bitter und unverträglich.

Hier ist ein wenig Geduld gefragt. Aufkochen ist ok, aber dann solltest du ca. eine Minute warten. Bei 94°C bis 96°C kann der Kaffee dann aufgegossen werden.

Eine kurze Zusammenfassung:

  • gute Kaffeebohnen
  • frisch gemahlen
  • gutes Wasser
  • die richtige Temperatur

Außerdem solltest du noch das Verhältnis von Kaffeepulver zur Wassermenge beachten, aber dazu mehr, wenn ich die einzelnen Methoden vorstelle. Es gibt viele Methoden zur Zubereitung, aber nur wenige eignen sich für Reisende. Meine Favoriten: eine Notlösung und zuletzt noch zwei beliebte, aber wenig geeignete Methoden.

Kaffee unterwegs zubereiten

Kaffee aus dem Handfilter – Oma wusste schon, was gut ist

Du kennst sicher die schweren und anfälligen Handfilter aus Porzellan. Selbst zu Hause sind die schnell zerdeppert. Deswegen ist es möglich auf Kunststoff auszuweichen. Aber mal ehrlich: richtig guter Kaffee und dann ein Filterhalter aus Plastik? Passt irgendwie nicht.

Aber es gibt die Filter auch aus verschiedenen Metallen. Den ultimativen Kaffeekenner kannst du sicher mit einem Filterhalter aus Kupfer raushängen lassen. Die sind leicht, robust und sollen sogar antibakteriell wirken. Außerdem sehen Kupferfilter richtig gut aus. Es gibt aber auch günstigere Edelstahl-Filterhalter.

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Was brauchst du?

  • Filterhalter
  • Filter
  • Frischen Kaffee, mittlerer Mahlgrad
  • Frisches Wasser – nicht kochend
  • Behälter: Tasse / Töpfe / Thermoskannen

Anleitung für den Handfilter:

  • Du legst den Papierfilter in den Filterhalter ein und spülst ihn wenn möglich kurz mit klarem Wasser aus
  • Du kochst das Wasser. Idealerweise hast du schon die Wassermenge mit der verwendeten Kanne abgemessen
  • Du füllst das Kaffeepulver ein. Mit einer Faustregel für die Dosierung ist es nicht einfach. Das kommt immer sehr auf den Kaffee an. Sagen wir 8 bis 12 Gramm bei 120 ml. Bei großen Mengen Kaffee wird das Pulver aber etwas im Verhältnis reduziert.
  • Sobald das Wasser bei ca. 96°C ist, benetzt du zunächst einmal das Kaffeepulver komplett und wartest kurz. Jetzt saugt sich das Kaffeepulver voll und ist dann bereit für die richtige und gleichmäßige Extraktion.
  • Nun schenkst du den Rest des Wassers in kreisenden Bewegungen ein

Hinweis: Läuft der Kaffee zu langsam durch, solltest du einen gröberen Mahlgrad wählen.

 

Zu jedem Handfilter gehört auch eine Kanne. Jetzt ist es nicht leicht möglich in jedem AirBnB oder jeder Unterkunft eine Kanne zu finden. Eventuell sagst du dir: eine Kaffeekanne oder French Press wird sich schon finden lassen. Aber das ist nicht so einfach. Wenn du dann das fünfte Mal deinen Kaffee in einen verbeulten Topf laufen lässt, sehnst du dich nach einer Thermoskanne. Deswegen sollte die auf deiner Reise nicht fehlen. Bei mir war sie im Reisegepäck, als ich von meinem letzten Trip zurückgekommen bin.

Vorteile:

  • leicht zu transportieren
  • leichte Reinigung
  • einfache Zubereitung
  • klarer und fruchtiger Kaffee
  • geringe Anschaffungskosten (oder wie ich sage, mehr Geld für guten Kaffee).

Nachteile:

  • du brauchst Filter

Es gibt auch noch Handfilter aus Baumwolle. Diese kannst du einfach mit einem Draht über eine Tasse hängen und später ausspülen. Das ist besonders toll wegen des geringen Gewichts und du brauchst keine Einwegfilter. Aber leider hast du dann einen nassen Baumwolllappen dabei und das willst du sicher nicht.

AeroPress – Die Jakobsweg-Variante

Die AeroPress ist eine absolute Wunderwaffe für guten Kaffee – leider mit einem kleinen Nachteil: Das Material ist Segen und Fluch zugleich. Extrem robust und leicht, aber eben leider Kunstoff. In diesem Fall wirst du aber merken, dass die Abstriche in der Haptik durch das Ergebnis in der Tasse vertretbar sind.

Die AeroPress ist gerade wegen ihrer Vielseitigkeit so interessant. Deswegen gibt es auch verschiedene Techniken und unzählige Variationsmöglichkeiten. Allein über die AeroPress und all die Zurbereitungsmethoden könnte ich mehrere Artikel schreiben. Du kannst sogar Cold Brew in ihr machen. Aber ich gebe dir einfach meine Standard-Anleitung und von der kannst du in alle Richtungen weiter testen.

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AeroPress – Inverted Technique

  • Zuerst musst du den Brühzylinder und Presskolben ineinander stecken. Nur ein kleines Stück, damit die Dichtung greift
  • Umdrehen und nicht wundern – die Zahlen stehen jetzt auf dem Kopf
  • Jetzt füllst du 15 bis 22 Gramm Kaffeepulver ein. Der Mahlgrad sollte etwas feiner als beim Handfilter, aber gröber als für Espresso sein
  • Jetzt kannst du den Papierfilter in den Filterhalter stecken und am besten kurz abspülen
  • Mit Wasser auffüllen. Bei der Temperatur kannst du viel probieren. Zwischen 70°C und 95°C solltest du zu interessanten Ergebnissen kommen
  • Du darfst jetzt wenige Sekunden umrühren
  • Anschließend kannst du den Kaffee weitere 30 Sekunden ziehen lassen. Jetzt lösen sich die tollen Aromen aus dem Kaffee
  • Nun kannst du den Filterhalter mit Filter aufschrauben und festdrehen
  • Deine Tasse drüber halten und schnell umdrehen
  • Jetzt kannst du den Kolben nach unten drücken. Dafür ist ein guter Druck von Nöten, das hört aber kurz vor dem Erreichen des Kaffeepulvers auf. Du willst das Mahlgut schließlich nicht “ausquetschen”
  • 11. Zum Reinigen kannst du einfach den Filterhalter abschrauben und den Filter samt Kaffeepuck in einen Mülleimer feuern und die AeroPress kurz abspülen

 

Vorteile:

  • leicht zu transportieren
  • leichte Reinigung
  • toller Kaffee
  • unzerstörbar

Nachteile:

  • (du brauchst Filter)
  • nur kleine Kaffeemengen

Tipp: Es gibt einen neuen Adapter von Fellow, Prismo genannt. Dies ist ein Filter aus Metall, der nicht nur für mehr Crema sorgt, sondern auch dafür, dass die Umwelt geschont wird und du nur noch einen einzigen Filter mit auf deine Reisen nehmen musst. Damit wird die AeroPress zu deinem ultimativen Kaffeemacher auf Reisen!

Cowboy Kaffee – Die Notlösung

Kaffee kochen für die Puristen unter den Puristen. Eigentlich ist Cowboy Kaffee nur richtig echt auf einem Lagerfeuer zubereitet, aber die Methode funktioniert auch für jeden Gasherd. Im Grunde kochst du einfach Wasser auf. Warte wieder bis es bei 96°C ist und rühre dann in den Topf oder die Kanne das Kaffeepulver. Jetzt wartest du bis das Kaffeepulver abgesunken ist. Blöderweise funktioniert das bei altem Kaffee besser, weil dieser kein CO2 mehr verliert.

Beim Einschenken machst du möglichst wenig Wirbel, damit sich das abgesetzte Kaffeepulver nicht wieder auf den Weg in die Tasse macht – das funktioniert wirklich sehr gut! Oft wird aber das Kaffeepulver zusammen mit dem Wasser aufgekocht und dann bekommst du einen bitteren und überextrahierten Kaffee.

Warum kein Espressokocher?

Jetzt fragst du dich: warum nicht eine sportliche Bialetti? Die sind ja auch irgendwie ein Campingplatz-Klassiker und sehen cool aus. Die Dinger haben aber einige generelle und viele spezielle Nachteile, wenn es um das Verreisen geht.

Zu den generellen Nachteilen: Der Kaffee wird in ihnen sehr heiß. Das kann gerade bei guten Kaffeebohnen die Komplexität des Ergebnisses verbrennen. Außerdem brauchst du immer eine Herdplatte oder Feuerstelle. Ein Wasserkocher ist nicht genug. Die Dinger werden todesheiß. Das ist schlecht für volle Küchen, aber auch zum flotten Einpacken. Gerade die Edelstahl-Varianten stehen Brandeisen in nichts nach. Die Reinigung ist außerdem sehr aufwendig. Du brauchst am besten fließendes Wasser. Es gibt Teile und ein Schraubgewinde. Darunter ist auch eine Gummidichtung, die den Geist aufgeben kann.

French Press – Ja, aber…

Die Kaffeepresse ist ein weiterer der puristischen Klassiker. Du kennst die Kannen mit dem Stempel sicher auch. Sie sind relativ günstig und bringen einen kräftigen Kaffee mit vollem Körper hervor. Gerade bei Reisen zu zweit oder dritt haben die Liter-Varianten ein gutes Volumen.

Aber ich würde dir trotzdem von der French Press auf Reisen abraten und das hat mehrere Gründe: Die French Press hat keine idealen Packmaße. Die Glasvarianten sind generell zu fragil für Reisen, die French Press aus Edelstahl ist zwar eine Möglichkeit, aber bedarf intensiver Pflege. Der Kaffeesatz wird beim Pressen des Stempels am Boden der Kanne verdichtet. Das bedeutet in der Praxis, dass du viel Wasser für die Reinigung brauchst, was gerade in einigen Camping-Setups echt nervig sein kann. Kennst du das „wer holt Wasser“ auch?

Aber das ist noch nicht alles: Der Stempel besteht aus drei Teilen und muss nach jedem Gebrauch zerlegt und gründlich gereinigt werden. Sonst schmeckt dein Kaffee ganz schnell nach Komposthaufen. Deswegen sollte die French Press auch immer knochentrocken weggepackt werden.

Reisewarnung vor Kaffeepressen in Unterkünften!

In allen möglichen Zielen des Rucksacktourismus und gerade dort, wo in Küchen viele Menschen zusammenkommen, gibt es die French Press. Die solltest du immer mit extremer Vorsicht genießen. Zwei Sachen klappen nämlich selten: Das auseinander Schrauben des Stempels und das trocken Wegpacken. Das Ergebnis ist ein muffiger Geruch und kein guter Kaffee in der Tasse. Klar, du wirst nicht dran sterben und ich glaube auch ansonsten, dass das ungefährlich ist – doch hier geht es nicht ums Überleben, sondern um richtig guten Kaffee. Deine Nase ist dein bester Freund. Einfach rein riechen. Ordentlicher Muff ist übrigens leider auch durch penibles Putzen kaum wieder weg zu bekommen.

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Guter Kaffee auf Reisen, gute Laune

Das wars auch schon. Je mehr schwarzen und hochwertigen Kaffee du trinkst, desto mehr wirst du auch die Unterschiede schmecken. Kaffee steht da in seiner Komplexität dem Wein in keinem Punkt nach. Und was gibt es tolleres als Kaffeebohnen direkt in den jeweiligen Anbauregionen kennen zu lernen?

Kaffees aus Äthiopien mit ihrer Frische und prickelnden Säure, Kaffees aus Sumatra, die dir schwer und würzig auf der Zunge liegen und Kaffees aus Lateinamerika, die nicht nur nach Schokolade, sondern auch nach Nüssen und Honig schmecken. Also tu mir den Gefallen, trinke viel und bewusst Kaffee!

Über den Gastautor Arne:

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Arne hat Coffeeness 2008 gestartet und mittlerweile handelt es sich um den größten Kaffee-Blog im deutschsprachigen Raum.  In der Zukunft möchte er Kaffeeliebhaber auf der ganzen Welt erreichen und deshalb arbeitet er mit Hochdruck an der Übersetzung ins Spanische und Englische. Im Jahr 2017 war Coffeeness sogar als „Food- & Wein-Blog des Jahres“ bei den Goldenen Bloggern nominiert.

Arnes Home-Base ist Malta, aber er reist auch sechs Monate im Jahr um die Welt – natürlich immer mit gutem Kaffee im Gepäck.

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