Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Podcast: Backpacking in Ghana mit Wiebke Herbert

Afrika ist einfach ein riesiger Kontinent. Bis jetzt war ich leider nur in Südafrika, bin aber definitiv angefixt, mehr zu sehen. Obwohl dir die Armut täglich vor Augen geführt wird, sind es vor allem die Menschen, die so eine Lebensfreude ausstrahlen und dir einfach gute Laune machen. Hinzukommen wunderschöne Landschaften und Abenteuer, die du so schnell nicht vergessen wirst!

Wiebke lebt den Großteil des Jahres in Ghana. Sie kennt das Land und seine Menschen in- und auswendig und hat eine NGO gegründet, mit der sie die Menschen vor Ort unterstützt. Ihre persönlichen Geschichten teilt sie auf ihrem Blog Sonnenstrahlenmomente. In dieser 19. Off The Path Podcast Folge erfährst du unter anderem die schönsten Ecken von Ghana, wie du dort reist und wie dich in der NGO nützlich machen kannst.

Erfahre in dieser Episode über Backpacking in Ghana:

  • Welche Highlights du in Ghana gesehen haben solltest
  • Wie du in Ghana von A nach B kommst
  • Ob Ghana ein sicheres Reiseland ist
  • Wo du in Ghana tolle Abenteuer erleben kannst
  • Wie Wiebke mit ihrer NGO den Menschen vor Ort hilft
  • Wie du dich in der NGO engagieren und helfen kannst

 Shownotes über Backpacking in Ghana:

Die komplette Folge zum Nachlesen:

Sebastian: Herzlich Willkommen zu einer neuen Off the Path Podcast Folge! Heute spreche ich mit der Wiebke und mit Wiebke spreche ich über ein super cooles Thema, nämlich Backpacking in Ghana. Wiebke lebt die meiste Zeit des Jahres in Ghana und die andere Hälfte in Deutschland und deswegen ist sie die absolute Expertin für dieses Land. Schön, dass du Zeit gefunden hast, Wiebke, herzlich Willkommen!

Wiebke: Danke und danke auch für die Einladung!

Sebastian: Ja, sehr gerne! Wo treibst du dich denn heute rum? Bist du in Ghana?

Wiebke: Nee, gerade in Mannheim.

Sebastian: Mannheim, dort ist quasi dein zweites Zuhause.

Wiebke: Richtig, ja.

Sebastian: Zweites Zuhause oder erstes Zuhause?

Wiebke: Mittlerweile eigentlich das zweite, weil ich bin die meiste Zeit wirklich in Ghana und fühle mich da auch mehr zu Hause als jetzt in Mannheim, auch wenn man hier aufgewachsen ist.

Sebastian: Wie bist du auf die Idee gekommen damals nach Ghana zu reisen und wann war das erste Mal?

Wiebke: Das erste Mal war ich dort 2008 von der Uni aus und musste ins englischsprachige Ausland. Und weil Afrika schon immer ganz oben auf meiner Reise-Bucketlist stand und das Land auch sehr sicher ist, wurde das dann Ghana. Sehr simpel eigentlich.

Sebastian: Und dann hast du dich unsterblich in das Land verliebt und bist immer jedes Mal zurück oder wie kommt es, dass du nach so langer Zeit immer noch dort bist?

Wiebke: Ja, das ging eigentlich relativ schnell. Klar, es ist natürlich ganz, ganz anders als hier die deutsche Kultur. Man kann das auch nicht vergleichen. Du steigst aus dem Flugzeug aus und bist in einer ganz anderen Welt. Aber ich habe mich dort sehr schnell eingelebt und zurechtgefunden und dann auch direkt viele Einheimische kennengelernt. So kam das dann, dass ich eigentlich jedes Jahr mindestens einmal wieder dort war.

Sebastian: Und die Einheimischen waren so nett, dass du dich direkt in einen von denen verliebt hast?

Wiebke: Nein.

Sebastian: Dein Mann ist – wie nennt man das – Ghanaese, Ghanese?

Wiebke: Ghanaer.

Sebastian: Ghanaer. Und ihr seid sofort auf der ersten Reise zusammengekommen und deshalb bist du immer wieder dort hingereist oder hat sich das später entwickelt? Also warum bist du immer wieder jedes Jahr dorthin gereist?

Wiebke: Primär war das eigentlich wegen Freunden am Anfang. Ich habe da auch in sozialen Projekten mitgearbeitet und habe dann an der gleichen Schule bei jedem Aufenthalt wieder gearbeitet. Dann erst, vier Jahre nachdem ich das erste Mal dort war, habe ich meinen jetzigen Mann dort kennengelernt. Der Hintergrund war, weil ich das Land und die Menschen so toll fand und so faszinierend, dass ich immer wieder dorthin gereist bin. Aber das Kennenlernen mit meinem Mann kam dann viel, viel später erst.

Sebastian: Soso. Und was sind die Highlights dieser vielen Reisen, die du dorthin betrieben hast, gewesen?

Wiebke: Das größte Highlight für mich sind immer noch die Menschen, weil die so herzlich sind und so hilfsbereit. Egal, was man für ein Problem hat, da kommen direkt zehn Ghanaer, die versuchen dieses Problem irgendwie für dich zu lösen. Und dann gibt es natürlich aber auch noch die ganzen Sehenswürdigkeiten. Ghana ist ja ein Land, das steht jetzt nicht unbedingt bei allen auf der Liste, aber es gibt zum Beispiel den Mole Nationalpark, der ein echtes Highlight ist. Ganz in der Nähe ist dann noch die Larabanga Moschee, eine der ältesten Moscheen überhaupt, was auch sehr beeindruckend war. Und auch die Wasserfälle, die es dort gibt, die sind auch schon jedes Jahr mein Highlight und jedes Jahr zieht es mich da wieder hin.

Sebastian: In diesem Nationalpark kann man wahrscheinlich eine Safari machen oder was gibt es da?

Wiebke: Genau. Das kann man jetzt nicht mit einer Safari in Südafrika vergleichen, aber im Mole Nationalpark kann man auch Elefanten sehen und sämtliche andere Tiere, die so auf dem afrikanischen Kontinent vertreten sind. Es ist auf jeden Fall ein Highlight. Wenn man also die Zeit hat, dann sollte man auf jeden Fall in den Norden reisen. Da ist die Kultur auch nochmal ein bisschen anders. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis.

Sebastian: Okay. Und wie reist du dann vor Ort? Ich bin noch nie in Ghana gewesen, aber ich kenne Afrika ein kleines bisschen. Kleinbusse sind wahrscheinlich an der Tagesordnung, mit dem reisen die Einheimischen oder wie kommt man von A nach B als Einheimischer und Backpacker, also Reisender?

Wiebke: Genau, als Backpacker ist es am Sinnvollsten auch diese Trotros zu nehmen. Das sind – wie du sagst – diese Kleinbusse.

Sebastian: Trotro heißen die?

Wiebke: Genau, ja. Mit denen kommst du super von A nach B. Klar musst du da ein bisschen Zeit einplanen, weil die fahren erst los, wenn sie voll sind. Und dann dauert das auch gerne mal ein paar Stunden. Aber wenn man das weiß, dann kann man sich darauf einstellen und dann ist es auch echt in Ordnung. Man bekommt dann auch ein Gefühl dafür, wie die Einheimischen reisen. Das ist auch sehr praktisch mit dem Trotro. Du kannst damit einfach überall im ganzen Land hinfahren.

Sebastian: Irgendwelche anderen Möglichkeiten des Reisens? Kann man in Ghana fliegen? Gibt es mehrere Flughäfen oder gibt es nur einen in der Hauptstadt?

Wiebke: Der größte Flughafen ist in der Hauptstadt. Du kannst aber auch nach Kumasi fliegen, in den Norden. Das ist die zweitgrößte Stadt in Ghana. Und dann gibt es nochmal einen kleineren Flughafen, aber ich würde davon abraten, da mit einer ghanaischen Maschine hinzufliegen. Ghanasi geht noch, aber alles andere würde ich vermeiden.

Sebastian: Du meinst, das ist eher unsicher?

Wiebke: Genau, ja.

Sebastian: Okay, also wenn wir nach Ghana reisen, dann sind alle mit dem Kleinbus unterwegs, mit Trotros. Wie sind denn zum Beispiel die Unterkünfte? Wo schläft man dort? Gibt es Hostels, sind das alles Hotels oder sind das eher Gasthäuser? Also B&Bs, Homestays, wo man dort übernachtet?

Wiebke: Das gibt es in Ghana alles. Die meisten Backpacker übernachten in diesen Guesthouses und in den Hostels. Gerade auch bei den Sehenswürdigkeiten, die mittlerweile immer touristischer werden, sind die sehr im Kommen. Und es gibt eins, das liegt bei Cape Coast, das ist wirklich super. Ich würde jedem empfehlen, der in Ghana ist: Geh dahin. Das ganze heißt Han’s Cottage Botel. Das ist wirklich eins der besten Hostels dort überhaupt.

Sebastian: Und das ist in Cape Coast?

Wiebke: Genau.

Sebastian: Okay. Und was kann man da in Cape Coast in der Umgebung machen oder warum würde man da zum Beispiel hinreisen?

Wiebke: Direkt in Cape Coast gibt es die Sklavenburgen, weil Ghana war damals britische Kolonie und dann auch von den Portugiesen besetzt. Das heißt, wenn man sich für Geschichte interessiert, ist man hier richtig, bei den Sklavenburgen mit Cape Coast Castle und direkt in der Nähe Elmina Castle. Und es gibt den Regenwald, der da direkt ist, den Kakum Nationalpark mit dem Canopy Walkway. Da kannst du im Regenwald über 45 Meter hohe Brücken laufen. Das ist mit einer der längsten Brücken weltweit, die es überhaupt gibt, die man in so einem Regenwald findet. Das sind schon so zwei Highlights, die man dort machen kann. Von diesem Hostel aus kommst du super leicht zu diesen Sklavenburgen oder in den Regenwald.

Sebastian: Aber das muss man auch alles mit einem entsprechenden Trotro machen?

Wiebke: Genau, ja.

Sebastian: Oder werden diese Touren auch von diesem Hostel zum Beispiel organisiert?

Wiebke: Es gibt auch Touren, die da organisiert werden, aber die meisten, die ich kenne, die machen das auf eigene Faust. Das geht da schon relativ gut mittlerweile.

Sebastian: Das Thema Sicherheit: Du bist als Frau alleine unterwegs gewesen, hast schnell Locals kennengelernt. Aber wie ist dieses Thema Sicherheit in Ghana? Ich weiß zum Beispiel in Südafrika wirst du als Frau alleine nachts nicht rumrennen. Auch als Mann habe ich mich nie wirklich sehr wohl gefühlt in den meisten Gegenden in Kapstadt oder Johannesburg. Wie ist das in Ghana?

Wiebke: In Ghana ist das ein bisschen anders. Da kannst du, gerade auch als Frau, alleine fast überall hingehen. Ich war auch schon nachts alleine unterwegs. Man sollte aber vermeiden, dann noch mit dem Trotro zu fahren. Das würde ich keinem raten, dann lieber das Taxi nehmen und ein bisschen mehr bezahlen. Es gibt in Accra, in der Hauptstadt, einen Stadtteil, da würde ich auch sagen: Das lasst ihr lieber bleiben. Das ist Jamestown. Da ist es tagsüber auch kein Problem, aber abends ist es nicht zu empfehlen, wenn man da dann alleine unterwegs ist. Ansonsten ist Ghana eins der sichersten afrikanischen Länder.

Sebastian: Und mit dem Taxi meinst du ist es sicher? Ich kenne Länder, sagen wir mal Nicaragua, da kannst du in Managua nachts eigentlich gar nichts machen. Da kannst du nicht mit dem Taxi fahren, da kannst du nicht mit einem Trotro oder einem Kleinbus fahren. Dort herrscht schon sehr viel Kriminalität und man muss auch vor Taxifahren zum Beispiel Angst haben. Das ist zum Beispiel in Ghana jetzt nicht der Fall, meinst du?

Wiebke: Nee, ist mir da auch noch nie passiert. Ich fühle mich da immer, auch in den Taxis nachts, schon sehr sicher.

Sebastian: Und als weiße, blonde Frau muss man keine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, wenn man dort unterwegs ist oder ist das als Frau alleine schwer?

Wiebke: Ich würde sagen, da muss man einfach auf das eigene Gefühl hören und abwägen. Was kann ich da machen? Was kann ich da nicht machen? Ich würde hier nicht unbedingt im Minirock und nachts auf der Straße rumlaufen, aber grundsätzlich kannst du dich auch so verhalten, wie du es in Deutschland auch machen würdest als Frau.

Sebastian: Welcher Religion gehören die meisten Ghanaer an.

Wiebke: Die meisten sind Christen.

Sebastian: Christen, okay.

Wiebke: Genau.

Sebastian: Das ist wirklich interessant, weil das wirklich so komplett anders ist, von diesen meisten Ländern, die ich in Afrika zum Beispiel kenne. Wie sieht es denn zum Beispiel mit der Armut vor Ort aus? Ich meine, in Südafrika war dieser Kontrast zwischen Arm und Reich so unglaublich krass und auch oftmals sehr bedrückend. Hast du das in Ghana auch?

Wiebke: Ja, auf jeden Fall. Du siehst da auch: An der einen Ecke stehen diese super tollen Villen und nebendran liegen die Leute auf der Straße. Das ist da schon auch sehr extrem. Damit muss man rechnen. Wenn man nach Ghana geht, dann findet man das auch, ja.

Sebastian: Jetzt bist du oft dort und hast eine eigene NGO gegründet. Worauf konzentrierst du dich da? Behandelst du auch diese Themen Armut oder Bildung? Warum zieht es dich immer wieder rüber?

Wiebke: Ghana hat wirklich ein relativ großes Potential. Und wenn da auch von der Regierung mehr gemacht werden würde, dann würde das Land sich natürlich auch selbst helfen können. Deshalb sind wir gerade mit der NGO, die wir gegründet haben – mit Amebii Ghana -, da auch sehr dahinter, dass wir die Bildung für die Kinder in den Vordergrund stellen, weil wie du gerade gesagt hat mit der Armut, viele können sich die Schulbildung nicht leisten. Da setzen wir an und helfen so der Bevölkerung, sich selbst zu helfen.

Sebastian: Wie lange machst du das schon?

Wiebke: Seit 2013.

Sebastian: Und, läuft?

Wiebke: Läuft, ja.

Sebastian: Ihr finanziert euch durch Spenden oder wie macht ihr das?

Wiebke: Genau, das finanziert sich eigentlich alles durch Spenden und durch Kronkorken. Wir haben da eine Aktion ins Leben gerufen “Kronkorken helfen” und alleine mit dem Erlös, den wir von den Kronkorken, die bei uns abgegeben werden, können wir dort Kinder krankenversichern. Ohne diese Versicherungen werden in Ghana leider die Kinder nicht behandelt.

Sebastian: Apropos Krankenversicherung. Da sprichst du nämlich ein ganz wichtiges Thema an. Als Vorbereitung zu diesem Gespräch habe ich mich ein bisschen informiert und in Ghana besteht zum Beispiel auch ein sehr hohes Malaria Risiko.

Wiebke: Ja.

Sebastian: Ist das so? Das stimmt. Wie gehst du damit um? Oder wie sollten Reisende damit umgehen? Ist Profilaxe ein Thema? Sollte man sich vorher entsprechend die Tabletten holen?

Wiebke: Das muss jeder selbst entscheiden. Ich habe bei den ersten zwei Aufenthalten auch immer Malaria Profilaxe genommen, danach aber nie wieder, hatte auch noch nie Malaria. Wenn du dich einsprühst und darauf achtest, was man auch immer so hört – Einsprühen und lange Kleidung abends – dann ist es auch völlig in Ordnung. Ich kenne auch welche, die es dann schon hatten, aber es gibt auch da gute Krankenhäuser. Wenn du direkt ins Krankenhaus gehst, ist es auch kein Problem. Klar, gibt es das dort, aber ich selber hatte es noch nie und mache mich da auch nicht verrückt, dass ich es kriegen könnte.

Sebastian: Wie wirkt sich das aus, diese Malaria? Ich habe es zum Beispiel noch nie gehabt, zum Glück! Ich dachte, ich hätte es einmal gehabt, aber was sind die Symptome?

Wiebke: Ich hatte es ja auch noch nie, aber viele sagen, dass es wie eine schwere Grippe ist. Mein Mann hat es schon öfter gehabt, aber bei den Ghanaern ist es auch nochmal ein bisschen anders.

Sebastian: Die sind mittlerweile immun dagegen meinst du?

Wiebke: Nee, aber bei denen wirkt sich das nochmal anders aus, weil viele das auch schon von kleinauf mal hatten. Du kannst es dann ja immer wieder kriegen. Deshalb kann man das jetzt nicht so wirklich vergleichen, wenn ein Europäer, der da zum ersten Mal ist, es hat. Dann hast du Schüttelfrost und Übelkeit, aber du kannst eben auch einfach diese Malariatabletten zur Behandlung nehmen und dann ist das eigentlich nach ein paar Tagen wieder okay.

Sebastian: Hattest du irgendwelche Nebenwirkungen bei den ersten beiden Malen, wo du diese Profilaxe genommen hast?

Wiebke: Ja. Ich war eine von denen, die da wirklich massive Nebenwirkungen hatte. Ich hatte dann auch trotz 50er Sonnencreme richtig heftig Sonnenbrand und Halluzinationen und was so alles dazu gehört. Das war für mich dann auch mit ein Grund, wo ich mir dachte, ich bin eigentlich gesund. Dann muss ich nicht noch irgendwelche Malaria Medikamente nehmen, um dann da die Nebenwirkungen zu kriegen. Aber das kann man natürlich auch nicht pauschalisieren.

Sebastian: Nee, natürlich nicht. Das ist von Mensch zu Mensch anders. Aber wie ist das denn? Hast du dann quasi nur so die ersten zwei Tage, weil du nicht drauf klar kommst, diese Halluzinationen oder die ganzen zwei Wochen während der Reise? Wie ist das?

Wiebke: Ich war ja immer länger dort als nur zwei Wochen und habe dann am Anfang auch wirklich vier Monate lang diese Malaria Profilaxe genommen und eigentlich hatte ich das jede Nacht.

Sebastian: Okay, also der Körper gewöhnt sich nicht wirklich an diese Tabletten oder diese Medizin und da hast du dann regelmäßig diese Nebenwirkungen? Interessant, das wusste ich nicht. Ich habe soetwas noch nie genommen, aber gut zu wissen.

Wiebke: Wie gesagt, es muss jeder selbst entscheiden. Ich würde es jetzt auch nicht mehr machen, aber wenn es gerade die erste Reise ist, ist man natürlich auch noch so ein bisschen unsicher und denkt “Ich nehme das jetzt lieber”, wenn das immer empfohlen wird. Aber mittlerweile würde ich es auch nicht mehr machen.

Sebastian: Okay. Ich würde es aber auch jedem Anfänger empfehlen, wenn es hilft. Sorry, das ist so wie wenn man das erste Mal Backpacken geht, da packt man auch zu viel ein. Beim zweiten Mal weißt du es besser.

Wiebke: Genau.

Sebastian: Was gibt es denn noch? Was sollten wir beim Reisen durch Ghana noch so beachten? Wie sieht es zum Beispiel mit den Kosten aus? Ist es ein teures Land, ist es ein günstiges Land?

Wiebke: Eigentlich ist es eher ein teureres Backpacker Land. Zwar kannst du dir natürlich auch dein Essen auf der Straße kaufen, wie es in den afrikanischen Ländern so ist, aber allgemein gehört es schon zu den etwas teureren Backpacker Ländern. Du kannst da auch schon eine Mahlzeit für umgerechnet 4 € bekommen, aber je nachdem, wie weit dann auch die Strecke ist, was du dort machen willst in dem Land und wo du übernachtest, kann es dann auch schon mal teurer werden.

Sebastian: Was heißt teurer denn? Was kostet denn zum Beispiel ein Abendessen im Restaurant?

Wiebke: Wenn du in Accra bist, dann kannst du für ein gutes Abendessen mit 10 € bis 12 € rechnen. Gerade in Osu zum Beispiel, das liegt aber auch da dran, dass sich da sehr viele Touristen aufhalten in diesem Stadtteil, da ist es dann ein bisschen teurer. Wenn du aber ein bisschen außerhalb gehst, dann ist das schon wieder ein bisschen billiger.

Sebastian: Wie schaut es mit Busfahrten aus, Trotros?

Wiebke: Das Trotro ist das billigste Verkehrsmittel, das es da gibt, und da kannst du auch längere Strecken für wirklich nur 2 € umgerechnet mit fahren.

Sebastian: Längere Strecke für 2 €?

Wiebke: Ja.

Sebastian: Okay, das ist ja wirklich sehr günstig. Und sagen wir mal eine Hostel- oder Hotelübernachtung?

Wiebke: Die kriegst du auch schon so für um die 10 €. Manche sind auch ein bisschen billiger, aber da ist dann meistens das Problem, dass dann das Wasser nicht funktioniert und solche Sachen. Da muss man dann gucken, ob es was für einen ist oder legt man eher darauf wert, dass man fließendes Wasser hat oder nicht.

Sebastian: Also für einen ordentlichen, westlichen Standard, wenn man das so nennen kann – sagen wir mal Strom und laufend Wasser und warmes Wasser – muss man 10 € oder 15 € die Nacht bezahlen?

Wiebke: Genau.

Sebastian: Okay. Also würdest du das unterschreiben, dass man so ungefähr 30 € bis 40 € am Tag braucht, um das Land zu erkunden?

Wiebke: Ja.

Sebastian: Sind da Aktivitäten schon mit drin oder nicht?

Wiebke: Doch auch. Das einzige, wo man wirklich aufpassen muss, ist, dass bei ganz vielen, gerade auch beim Kakum Nationalpark, den ich vorhin erwähnt habe, da musst du wenn du kein Afrikaner bist oder wenn du kein Ghanaer bist, mehr bezahlen. Auch in den botanischen Gärten in der Nähe von der Hauptstadt Accra bei Aburi Gardens ist es auch so. Da ist es zum Beispiel so, dass die Einheimischen irgendwie 5 Cedi Eintritt zahlen – Cedi ist die ghanaische Währung – und wenn du da aber als Tourist hinkommst und die sehen, der kommt aus Europa, dann musst du 40 Cedi bezahlen.

Sebastian: Also 35 mehr?

Wiebke: Genau. Die lassen aber mit sich reden, wenn man das denn weiß. Wenn man freundlich bleibt usw. dann gehen die da auch schonmal runter. Wenn man erklärt, was da der Sinn dahinter ist. Das würde in Deutschland ja auch keiner machen, dass die einen den Betrag bezahlen, die anderen den. Das funktioniert schon, aber muss da auch sehr feinfühlig sein.

Sebastian: Was sagt man dann? Wie erklärt man das? Ich würde ja sagen: Ich bin Reisender, ich möchte weniger zahlen. Oder hast du da ein Beispiel, was man sagen könnte?

Wiebke: Viele Backpacker arbeiten da ja auch für irgendwelche gemeinnützigen NGOs – das ist ein Argument, das zieht. Oder wenn du halt in einer größeren Gruppe bist, dann ist es auch oftmals noch einfacher, als wenn du allein bist. Da finden sich ja immer irgendwelche, die da zum gleichen Zeitpunkt auch hin wollen. Wenn ihr dann zusammen als Gruppe reingeht, dann ist es auch nochmal einfacher.

Sebastian: Okay, lass’ uns langsam zum Schluss dieser Folge kommen, aber das ist wirklich sehr, sehr interessant. Wenn ich mir jetzt Ghana auf Google Maps zum Beispiel anschaue, dann hat man da Accra, das ist die Hauptstadt im Süden. Das ist direkt an der Küste. Aber da fällt sofort dieser riesengroße lange See im Landesinneren auf. Was hat es damit auf sich? Was kann man da zum Beispiel machen? Ich würde jetzt schätzen, dass es in der Nähe von einem Nationalpark ist und es da unglaublich viel zu sehen gibt.

Wiebke: Genau, du meinst den Volta-Stausee. Das ist der größte künstlich angelegte Stausee überhaupt auf der Welt. Du kannst da mit dem Kanu fahren, du kannst da sämtliche Touren über den See machen. Es gibt da die verschiedensten Tiere zu sehen. Du siehst da auch Nilpferde, Krokodile. Man kann die auch streicheln. Mittlerweile ist es nicht mehr so wie vorher. Als ich das erste mal da war konnte ich diese Tiere und Krokodile auch problemlos anfassen. Das darf man heute nicht mehr.

Sebastian: Das sollte man vielleicht auch nicht machen, ne?

Wiebke: Genau. Das ist vielleicht ein bisschen lebensmüde. Ich würde es nicht empfehlen. Bitte nicht nachmachen! Da sind auch immer Guides dabei, die da auch wirklich aufpassen, dass das auch wirklich alles zum Wohl der Tiere geschieht. Du kannst da so viel machen. Du kannst da auch Bungeespringen und sämtliche Adrenalin-Sachen machen. Das ist schon sehr abenteuerlich um diesen See herum.

Sebastian: Das ist quasi das Zentrum der Adrenalin-Junkies?

Wiebke: Ja, könnte man so sagen.

Sebastian: Wenn ich nach Ghana reise, müsste ich mich rund um diesen Stausee aufhalten. Gibt es da irgendein Zentrum, von wo aus es immer losgeht? Hohoe sehe ich zum Beispiel auf der Karte.

Wiebke: Ja, gerade für dich ist das auch ein guter Hotspot, wenn du sagst Adrenalin-Junkie, weil du da auch Paragliden und alles mögliche machen kannst. Und das ist eigentlich auch ein guter Ausgangspunkt. Wenn du da in der Umgebung auch Sachen machen möchtest, dann würde ich empfehlen: Geht nach Hohoe und da habt ihr wirklich den besten Ausgangspunkt.

Sebastian: Perfekt! Und wenn ich ein bisschen Adrenalin und Abenteuer will, dann gehe ich nach Hohoe, wie wir gerade gehört haben. Und wenn ich aber auch etwas gemeinnütziges machen möchte und zum Beispiel für deine NGO arbeiten möchte, dann kann man dich einfach über deine Webseite anschreiben? Geht das überhaupt? Oder wie geht man da vor?

Wiebke: Genau, kann man machen. Einfach uns anschreiben. Wir hatten da auch schon ein paar Leute, die uns unterstützt haben. Wir haben in Vororten von der Hauptstadt Projekte und auch direkt in Cape Coast. Wir haben mittlerweile auch noch eins im Norden. Das heißt, man kann es auch verbinden, wenn man sagt, man möchte in den Mole Nationalpark, an Larabanga noch vorbei und dann kann man uns da kontaktieren und sich auch gerne mal bei uns anschauen, was wir da auf die Beine stellen.

Sebastian: Sehr, sehr cool. Muss man dann diese Freiwilligenarbeit bei euch bezahlen oder ist das kostenlos wie ein Austausch der Arbeit? Wie läuft das bei euch.

Wiebke: Wir haben gesagt, wer uns da unterstützt, der kann uns auch gerne freiwillig einen Betrag zukommen lassen. Da sagen wir natürlich nicht nein, weil sich eben alle Projekte auch durch diese Spenden finanzieren. Das ist aber kein Muss. Wenn also jemand sagt “Ich bin sowieso da und würde jetzt gerne mal ne Woche bei dem Kindergarten, den ihr da gebaut habt oder der Schule reinschauen und mithelfen”, dann ist da jeder herzlich Willkommen.

Sebastian: Cool! Wie sieht diese Arbeit aus? Also, was gibt es da für Jobs, die man da machen kann? Lehrer sein zum Beispiel, oder?

Wiebke: Genau, oder auch bei diesen Krankenversicherungen kann man mithelfen. Da brauchen wir immer Leute, die dann auch da zum Ministerium gehen und diese Krankenversicherungen für die Kinder beantragen. Auch beim Bau kann man mithelfen. Die Möglichkeiten sind da sehr vielfältig bei uns.

Sebastian: Das hört sich super an! Herzlichen Dank, Wiebke, dass du dabei warst. Danke für diese ganzen Informationen, die du mit uns geteilt hast.

Wiebke: Danke dir!

Sebastian: Hoffentlich ist Ghana jetzt auf der Reisekarte von vielen anderen da draußen, die euch vielleicht bald besuchen kommen.

Wiebke: Ja, das würde mich freuen.

Sebastian: Super, herzlichen Dank, dass du dabei warst. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag in Mannheim.

Wiebke: Gerne, dir auch, danke!

Sebastian: Tschüss!

Wiebke: Bis dann, tschüss!

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