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Podcast: Backpacking im Iran mit Ben Strasser

Ben Strasser - Benumdiewelt.de

Der Iran ist für mich ein Land, das ich unglaublich spannend finde, aber auch noch nicht so richtig einschätzen kann. Frauen, die sich immer komplett verhüllen müssen, eine Sittenpolizei, die darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden und ein religiöser Führer, der die Menschen beherrscht. Vor Ort sieht es aber ganz anders aus, denn die Einheimischen sind unglaublich offen und interessiert an der Welt außerhalb des Irans und werden dich mit offenen Armen empfangen – definitiv ein unglaublich spannendes Reiseland!

Ben macht auf seinen Reisen alles mit und entführt dich auf seinem Blog Ben um die Welt in fremde Ländern wie zum Beispiel in den Iran, den er schon zweimal bereist hat. In dieser 22. Off The Path Podcast-Folge erfährst du von ihm unter anderem wie der Iran als Reiseland wirklich ist, wie günstig der Iran ist und welche Abenteuer du dort erleben kannst.

Erfahre in dieser Episode über Backpacking im Iran:

  • Ob du für den Iran ein Visum brauchst
  • Ob du dich im Land frei bewegen kannst
  • Welche Highlights du nicht verpassen solltest
  • Welche Unterkünfte es im Iran gibt und wie verbreitet Couchsurfing ist
  • Wie die Menschen im Iran sind
  • Wie das Preisniveau im Iran ist
  • Wie du im Iran bezahlst
  • Welche Abenteuer du im Iran erleben kannst
  • Wie es mit dem Thema Sicherheit im Iran aussieht
  • Ob du als Frau allein durch den Iran reisen kannst
  • Welche emotionalen Momente Ben bei der Organisation des ersten internationalen Marathons im Iran erlebt hat

 Shownotes über Backpacking im Iran:

Die komplette Folge zum Nachlesen:

Sebastian: Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcast-Folge. Heute habe ich ein super interessantes Thema für euch und zwar spreche ich mit Ben vom Reiseblog “Ben um die Welt” über ein Land, ganz weit weg von uns, also von Deutschland. Und zwar geht es um den Iran. Das ist ein Land, was mich sehr interessiert. Ich habe mal das Buch “Couchsurfing im Iran” gelesen und seitdem möchte ich unbedingt hin. Deshalb freut es mich sehr, dass Ben heute Zeit gehabt hat. Ben ist Reiseblogger, Weltreisender und Eventmanager. Was er im Iran genau gemacht hat, erzählt er uns gleich. Jetzt haben wir ihn aber an der Strippe aus dem Krankenhaus. Ben, was hast du gemacht?

Ben: Hi Sebastian! Erstmal schön, dass ich da sein kann. Ich bin gerade frisch von 7,5 Monaten Ausland zurück und es ging dann mehr oder weniger relativ straight ins Krankenhaus, All Inclusive Urlaub machen, da ich eine Entzündung an der Hand hatte. Aber es ist alles fein und ist quasi schon fast wieder weg.

Sebastian:  Du hattest ja im Vorgespräch schon erwähnt, dass es kein Mitbringsel aus dem Iran ist, sondern irgendetwas, was du dir in Deutschland eingefangen hast. Also, falls jetzt irgendwer denkt “Ist ja klar, dass man, wenn man im Iran unterwegs ist, irgendetwas mitbringt”… Das ist nicht so gewesen. Iran war eine tolle Zeit?

Ben: Iran war definitiv super. Es war dieses Mal schon mein zweites Mal. Ich war 2014 das erste Mal im Iran und bin jetzt 2016 Ende März ein zweites Mal zurückgegangen.

Sebastian: Cool! Der Iran ist jetzt nicht gerade das klassische Backpackerland. Die meisten machen ja den Banana Pancake Trail, also Thailand, Cambodia, Laos, Vietnam. Seit Neuestem Myanmar. Also, da gehört der Iran auf keinen Fall dazu. Wie bist du darauf gekommen? Du bist ja jetzt das zweite Mal dort gewesen.

Ben: Genau. 2014 war quasi die erste Überlegung mal dorthin zu gehen. Das kam mehr oder weniger aus einer Trennungsphase aus einer langen Beziehung heraus, wo ich gesagt habe, ich möchte mal irgendwo anders hin, wo nicht so viel los ist und wo man Facebook & Co. eher nicht präsent hat und wollte mich einfach ein bisschen ausklinken. Ich hatte mich dann mit Freunden unterhalten, die aus dem Iran sind und ich glaube zwei Wochen später hatte ich dann den Flug gebucht und das Visum beantragt. Das ging dann alles relativ schnell.

Sebastian:  Und wie war das damals? Also zum Beispiel, Visum hast du gerade angesprochen. War das 2014 schwer?

Ben: Nee, nicht wirklich. Ich habe damals beim Konsulat angerufen und da hieß es, ich müsse mich in Frankfurt an ein Reisebüro wenden, das die ganzen Visaangelegenheiten für den Iran regelt. Dann bin ich mit meinem Reisepass in dieses Reisebüro, habe den dort abgegeben, habe einen Antrag ausgefüllt und ich glaube eine Woche später hatte ich meinen Reisepass wieder in der Hand. Das hatte damals 100,00 € gekostet. Heute ist es so, dass du als Deutscher beispielsweise auch ein Visum On Arrival bekommst. Sprich, ich bin dieses Jahr aus Dubai reingeflogen, in Schiras im Süden gelandet, hatte ein paar Sachen ausgefüllt, 60,00 € bezahlt und hatte das Visum dann direkt im Pass.

Sebastian: Krass! Also ziemlich easy. Einwohner aus anderen Ländern, genauer aus den USA, ich glaube die dürfen sich nicht frei bewegen im Iran, oder? Oder ist das in Afghanistan so gewesen?

Ben: Nein, das ist teilweise auch im Iran so für amerikanische Staatsangehörige, dass die dann eine komplette Tour buchen müssen und dass da immer ein Guide mit dabei sein muss. Offiziell ist das so, aber man trifft auch immer mal wieder Reisende ohne Tour oder ohne Guide.

Sebastian: Und für Deutsche ist das aber nicht so. Also Deutsche dürfen sich im Land frei bewegen?

Ben: Genau, so schaut’s aus. Du musst nur bei der Einreise in deinem Visumsantrag eine ungefähre Route festlegen oder angeben und die Unterkünfte, in denen du bist, aber das muss man auch, wenn man nach Thailand fliegt, dass man sein erstes Hostel oder sonstwas einträgt. Aber da war dann keine große Kontrolle, die danach noch folgte.

Sebastian: Cool! Das ist ja in den meisten Ländern so. Dadurch, dass die meisten wirklich Backpacken und nicht einfach nur Urlaub an einem Ort machen oder in einem Hotel oder Ressort, wird das ja überall nicht wirklich gecheckt. Wie lange warst du denn jetzt beim zweiten Mal dort?

Ben: Das erste Mal waren es 10 Tage, beim zweiten Mal waren es jetzt knapp 3 Wochen.

Sebastian: Okay, cool. Also für alle, die jetzt gerade zuhören und diese Geräusche rund um Ben, dadurch dass er gerade im Krankenhaus ist, kommen Leute rein und raus. Nicht irritieren lassen. Ich mache mal direkt weiter: Du warst drei Wochen dort?

Ben: Genau.

Sebastian: Cool! Du hast ja vorher auch erzählt, du bist Eventmanager und hast dort den allerersten internationalen Marathon in der Geschichte des Landes organisiert. Das ist ja eigentlich was total Krasses. Wahrscheinlich auch ein Meilenstein für das Land, wo die Sicherheitsvorkehrungen für internationale Marathonläufer jetzt nicht so hoch sind, wie in anderen Ländern vielleicht – so stelle ich es mir zumindest vor, ich weiß ja nicht wie das so ist, aber – sehe ich das so richtig? Ist meine Vorstellung richtig oder ist das falsch? Wie war das dort?

Ben: Ich muss sagen, als ich 2014 das erste Mal da war, ich habe mich absolut sicher gefühlt. Es gab für mich keinen Moment, in dem ich dachte “Oh Gott, jetzt passiert gleich was” oder jetzt fühlst du dich unsicher. Also das vorne weg für die allgemeine Sicherheit. Wenn man es jetzt den Marathon betrachtet, da waren Läufer aus 25 Nationen dabei. Da war die Sicherheit natürlich noch ein bisschen höher. Da wurden Straßen abgesperrt und man hat genau geschaut, dass genug Polizei da ist, dass eben nichts passiert, dass man allem vorweggreift und jegliche Gefahren irgendwie ausblendet. Aber an und für sich kann ich für mich sagen, dass der Iran ein super sicheres Land zum Reisen ist und ich da keine großen Unterschiede sehe zu Thailand oder Myanmar oder sonstigen Ländern, die beim Backpacken eher im Fokus sind.

Sebastian: Ja. Du hast beim ersten Mal wahrscheinlich ein bisschen mehr gesehen als beim zweiten Mal, weil alles noch neu war und du dich wahrscheinlich dann beim zweiten Mal mehr auf diesen Marathon konzentriert hast, aber was sind denn so die Highlights oder was ist das Besondere für dich im Iran gewesen? Also ich zum Beispiel, ich kenne mich da unglaublich wenig aus. Ich habe mich auch sehr, sehr wenig mit diesem Land befasst. Ich habe das Buch “Couchsurfing im Iran” gelesen, was mich total fasziniert hat, aber kennen tue ich am Ende doch nichts. Was waren deine Highlights?

Ben: Ich muss sagen, die Highlights im Iran kann ich gar nicht mit Städten oder mit Plätzen beschreiben. Es waren eher die Begegnungen mit den Menschen, weil die Iraner ein unglaublich gastfreundschaftliches Volk sind. Ich habe noch nie im Leben auf meinen ganzen Reisen so eine Gastfreundschaft gespürt wie im Iran. Von daher war das 2014 mein Highlight und war jetzt auch 2016 wieder mit das Highlight, ganz klar. Einfach diese Begegnungen mit den Menschen. Aber klar, wenn man in den Iran fliegt, möchte man sich auch etwas anschauen. Dann hast du in Isfahan einen wunderbaren Imam-Platz, ein riesen großer Platz, auf dem sich bei Sonnenuntergang das komplette Leben der Stadt abspielt und gepicknickt wird bis tief in die Nacht. Da gibt es super geniale, schöne Brücken. In Schiras hast du Persepolis, die alte Königsstätte. Du hast einen unglaublich schönen Garten – den Eram-Garden, das ist ein botanischer Garten. Du hast in Yazd, eine Wüstenstadt, einen Fort, einen Feuertempel, du hast eine geniale Altstadt, du hast einen Haufen Museen, du hast die Berge, du kannst um Teheran Skifahren gehen beispielsweise. Das wissen viele gar nicht. Von Oktober bis April, wenn das Wetter mitspielt. Der Iran hat unglaublich viel zu bieten.

Sebastian: Du hast gesagt, dass die Einheimischen dein Highlight waren. Hast du auch meistens bei denen übernachtet oder in Hotels? Also waren das meistens Homestays oder Hotels?

Ben: Ich glaube ich habe in der Tat einmal im Hotel übernachtet. Das war 2014 und ansonsten wächst da auch die Anzahl der Homestays, der Hostels und auch ganz offiziell Verbotenes. Du hast ja das Buch gelesen von Stephan. Dann weißt du, dass Couchsurfing da ein riesengroßes Thema ist. Ich habe hauptsächlich Couchsurfing gemacht. So bin ich dann auch nochmal mehr mit den Leuten in Kontakt gekommen.

Sebastian: Also hast du auch Couchsurfing im Iran gemacht?

Ben: Genau.

Sebastian: Sehr cool. Das heißt, die sind total offen dafür, ne?

Ben: Absolut. Wenn du da einen öffentlichen Request schreibst, du bist jetzt irgendwie in Teheran nächste Woche, dann möchte ich wetten, dass du mindestens 20 Antworten mit Leuten bekommt, die dich hosten wollen, die dir Teheran zeigen wollen, die sich auf einen Kaffee mit dir treffen wollen. Also das ist sehr, sehr, sehr stark angenommen im Iran.

Sebastian: Das ist echt cool! Das hast du ja sonst in vielen Ländern eigentlich nicht so. Warum meinst du ist das so? Weil die sich einfach mit anderen Kulturen auseinandersetzen wollen? Weil die einfach offen dafür sind? Woher kommt das meinst du? Oder vielleicht aus deinen Unterhaltungen?

Ben: Es ist ganz klar mit die Regulierung, die im Iran stattfindet. Das ist ein Land, das von einem religiösen Führer regiert wird und das Land schottet sich ab gegenüber dem Westen, was wir auch die ganze Zeit aus den Medien transportiert bekommen. Und die Iraner an sich haben aber einen unglaublichen Wissensdurst. Wenn man mit ihnen spricht, wird immer die Frage aufkommen “Was denkst du über den Iran? Was hast du vorher gedacht? Was denkst du jetzt?” Die sind unglaublich westorientiert und sprechen dich an. Nicht weil sie dir was verkaufen wollen, sondern weil sie englisch mit dir sprechen wollen, weil sie was über dein Land und über dich erfahren wollen. Da ist einfach diese Offenheit und ich glaube auch dadurch, dass das von offizieller Seite so reguliert ist, ist dann der Wille noch größer, was darüber zu erfahren. Das ist ja immer so. Was verboten ist, wird interessanter.

Sebastian: Ja, natürlich, immer. Und was antwortest du dann meistens so, wenn die fragen “Was denkst du über den Iran? Also was dachtest du vorher und wie denkst du jetzt?” Was hat sich in deiner Denkweise durch deine Reise dorthin verändert?

Ben: Am Anfang war es so – diese Frage beantworte ich jetzt immer noch gleich, weil wenn wir uns in Deutschland aufhalten und wir sehen das über den Iran in den Medien, dann ist es meistens etwas Negatives – dass das Land irgendwo mit Nuklearwaffen, mit Terrorismus zu tun hat und von daher bin ich damals hingereist, um zu schauen, ist es wirklich so? Ist da wirklich alles so schlimm? Kann ich mir nicht vorstellen. Und dann wirst du mit dieser Gastfreundschaft konfrontiert, mit diesen offenen, wissbegierigen Menschen und dann siehst du, dass das mediale Bild eigentlich mit der Realität ziemlich wenig zu tun hat, bis gar nichts. Weil es auch so ist – ich möchte mal sagen, dass 99% der Menschen, die ich getroffen habe, vertreten andere Ansichten als vielleicht von der Regierung gerne gesehen wären. Da wird eben eher in den Westen geschaut und von daher trägt diese Offenheit der Iraner selbst unglaublich dazu bei, dass man eben das Bild, das man durch die Medien vermittelt bekommt, ändert.

Sebastian: Das ist ja auch normal. Die Massenmedien oder die Medien, die wir in Deutschland haben, die berichten nur – es gibt in der PR einen Spruch: “What bleeds that leads” – und das ist das, was in den Medien gecovert wird. Das, was in der Bild-Zeitung auf der ersten Seite ist, was in den Nachrichten die ganze Zeit läuft. Aber viele andere Themen, die auch genauso wichtig und noch wichtiger sind, werden gar nicht erwähnt. Und was du gerade erwähnt hast, spiegelt auch das, was den Islam eigentlich ausmacht, wider und das, was ein IS gerne der Welt zeigen möchte, nicht ist. Also es hat ja nichts mit dem Islam zu tun zum Beispiel, ne? Während viele glauben, alle Muslime sind Terroristen, weil ein paar Affen Angst und Schrecken verbreiten.

Ben: Richtig.

Sebastian: Es ist schön, dass du das auch so siehst oder dass du sagst, wie das dort ist. Das ist auf jeden Fall etwas sehr Positives. Wie ist das denn auf deinen Reisen so? Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie teuer oder günstig der Iran ist. Muss ich viel Geld mitnehmen, wenig Geld mitnehmen? Wie bezahle ich dort ATMs? Gibt es solche Sachen? Also ich weiß natürlich, dass es das gibt, aber das sind einfach solche Fragen, die man sich, wenn man in ein so komplett fremdes Land kommt und mit dem man eben so wenig Verbindung hat, einfach stellt.

Ben: Du nimmst auf jeden Fall viel Geld mit, da du im Iran keinerlei Möglichkeiten hast mit einer VISA Card oder mit einer MasterCard oder sonst was, Geld abzuheben. Die haben ATMs, die aber lediglich für Iraner mit iranischen Bankkarten funktionieren. Sprich: Wir als Europäer oder Westler können mit unseren Kreditkarten dort nichts anfangen. Vielleicht findest du irgendwo einen Teppichhändler, der ein Kartengerät über Dubai geschaltet hat. Dann hast du eine Möglichkeit, aber ansonsten ist es da so, dass eben das Bargeld zählt. Ansonsten nichts. Für einen Flug, du kommst von Deutschland – je nachdem ob du einen Zwischenstopp nimmst oder nicht – ab 200,00 € ungefähr in den Iran und zurück, was jetzt nicht allzu teuer ist. Ich habe damals 2014, als ich 10 Tage unterwegs war, 360,00 € gebraucht. Flug und Visum waren da nicht dabei. Aber alles, was Unterkunft, Transport, Souvenirs, Touren, Essen angeht, das war quasi bei 10 Tagen mit 360,00 € abgedeckt. Es ist auch heute noch so. Das Preisniveau da unten ist für uns ein relativ gutes. Wenn du in Teheran beispielsweise mit der Metro fährst, dann zahlst du 0,30 € oder 0,40 € und du kannst quasi durch ganz Teheran fahren. Der öffentliche Transport ist da auch sehr günstig. Du fährst mit Bussen über mehrere 100 km und zahlst deine 7,00 € oder 8,00 €, bekommst dann noch was zu Essen und was zu Trinken im Bus. Das Preisniveau ist deutlich, deutlich günstiger als irgendwo in der Türkei oder in Australien. Von daher kann man da auch einen Low Budget Urlaub machen.

Sebastian: Bei 360,00 € kannst du ungefähr noch einschätzen, wie die Aufteilung damals war? Also wie viel hat eine Mahlzeit abends gekostet? Wie viel hat ein Hotel/Hostel/Guesthouse gekostet?

Ben: Ich glaube die teuerste Übernachtung damals waren 15,00 € oder 20,00 € in einem Hotel. Da hatte ich ein Einzelzimmer. Das hatte ich mir einmal genommen, nachdem ich eine kleine Radtour durch die Wüste gemacht hatte. Ansonsten bist du mit Hostels auch so um die 6,00 € bis 10,00 € mit dabei. Du kannst super günstig essen gehen. Für 3,00 € oder 4,00 € bist du da schon satt. Dann wie gesagt ,der Transport ist nicht allzu teuer. Dann kam noch Essen dazu, Transport vielleicht auch noch mal so 100,00 € und ansonsten Souvenirs und irgendwelche Touren, die ich dann mal gemacht hatte.

Sebastian: Cool! Weil du die Touren angesprochen hast und die Radtour in der Wüste: Was sind denn so die coolsten Abenteuer, die man machen kann?

Ben: Wie vorhin gesagt, man kann Skifahren gehen im Iran. Du kannst Canyoning machen. Du kannst Rafting gehen. Also, was man auch in anderen Ländern machen kann. Du hast einen Haufen kulturelle, wertvolle Städte, die du dir anschaust, Museen oder alte Dörfer, in denen keiner mehr wohnt. Oder du nimmst dir einfach mal, wie wir es damals gemacht hatten, ein Fahrrad und fährst einfach los und schaust, was passiert und landest danach in irgendeiner kleinen Oase in der Wüste mit zwei Hirten, die kein englisch sprechen und die dann Tee und Obst und Joghurt holen und wo du dich dann unterhältst zwei Stunden lang, obwohl du dich eigentlich gar nicht verstehst.

Sebastian: Cool! Das hört sich sehr cool an! Die Hirten haben kein englisch gesprochen, aber die meisten Leute in der Großstadt tun das oder wie unterhält man sich meistens?

Ben: Es sprechen richtig, richtig viele Leute im Iran englisch, muss man sagen. Gerade in den größeren Städten, in denen auch die Wirtschaft boomt oder eben dann auch der Tourismus vor Ort stark vertreten ist. Ansonsten ist es Fasi. Ich habe dann immer geschaut, dass ich so ein paar kleine Brocken Fasi rausbringe. Aber gerade der Iran hat mir gezeigt, dass eben auch unglaublich viel Kommunikation mit Händen und Füßen geht. Da ist das Thema nonverbale Kommunikation auch noch mal ganz großes.

Sebastian: Etwas, was wir in Deutschland eigentlich nicht so großartig haben.

Ben: Nee, nicht so wirklich. Da guckst du mal irgendwie in der Straßenbahn jemanden an und zwinkerst dir zu oder in einer Bar, aber dort geht da doch relativ viel ohne Worte und man versteht sich.

Sebastian: Das finde ich immer am Coolsten! Ich habe auch auf meinen vielen, vielen Reisen schon oft ganz viele Hände und ganz viele Füße benutzt, um durchzukommen und es ist eigentlich immer die beste Art und Weise oder es sind immer die Momente, die am meisten in Erinnerung bleiben.

Ben: Genau.

Sebastian: Okay, lass uns langsam zum Schluss dieser Folge kommen, Ben. Wie schaut es denn – mal ganz explizit – mit dem Thema Sicherheit aus? Du hast gesagt, dass als du dort warst Bomben, Terrorismus, Extremismus nicht so ist, wie es dargestellt wird.  

Ben: Nein, auf keinen Fall. Ich habe da weder einen Bombenalarm oder sonst was mitbekommen. Im Prinzip musst du einfach ein bisschen aufpassen, wie du dich auf der Straße verhältst, weil sie ihre Sittenpolizei haben. Gerade das Thema Verhalten gegenüber Frauen oder Kleiderordnung für Frauen. Aber ansonsten würde ich für mich sagen: Das Land war nicht gefährlicher oder ungefährlicher als ein anderes auf der Welt. Ich kann auch in Deutschland abends auf die Straße gehen und mich kann einer blöd anmachen. Das kann mir im Iran genauso passieren. Aber ich würde jetzt nicht sagen wollen und sage auch nicht, dass da irgendeine große spürbare Gefahr war bei diesen beiden Malen im Iran.

Sebastian: Ja, was macht denn diese Sittenpolizei? Wofür ist die denn zum Beispiel da?

Ben: Die sind sehr gerne in den Städten unterwegs und kontrollieren die Kleiderordnung der Frauen, ob sie eine Hijab tragen, ob bis auf Hände, Füße und Gesicht alles bedeckt ist, dass keine eng anliegenden Kleidungsstücke getragen werden, ob der Po bedeckt ist. Das ist eben leider, leider so ein großes Thema im Iran, die Kleidung der Frau. Das ist so das größte Thema, dass eben Frauen, die nicht entsprechend angezogen sind, dann auch gerne mal mitgenommen werden zur nächsten Polizeiwache und dann im besten Fall einfach nur neue Klamotten gebracht bekommen müssen und dann wieder raus können.

Sebastian: Und im schlimmsten Fall?  

Ben: Ja, da soll es auch schon Peitschenhiebe gegeben haben, was absolut nicht vertretbar ist in meinen Augen. Und wer dieses Gesetz der Scharia für gut heißt, ich glaube, da müssen wir nicht drüber sprechen.

Sebastian: Nee. Wie sehen das denn die Locals, also die Frauen, mit denen du dich unterhalten hast. Ich weiß zum Beispiel von Stephan, also von “Couchsurfing im Iran”, die sind ja auch alle sehr offen gewesen in dem Buch, wie sehen die Frauen das? Wollen sie sich so kleiden? Würden sie sich lieber anders kleiden? Du warst ja jetzt auch vor Ort und kannst nochmal einen Live-Bericht darüber geben?

Ben: Also für die Frauen, die ich kennengelernt habe, kann ich sagen: Die haben da definitiv keinen Bock drauf. Die tragen das Hijab ein bisschen alibimäßig, sodass es eigentlich schon wieder vom Kopf weg ist. Die haben auch enge Kleidungsstücke getragen. Da war auch immer mal mehr zu sehen, als Hände, Füße und Gesicht. Die waren auch stark geschminkt und man hat eben auch dort diese Offenheit zu dem westlichen Lebensstil – sage ich mal – gespürt und dass man da eigentlich gar keine Lust drauf hat. Dann kam es auch vor, dass ich dann auf offener Straße von Frauen umarmt wurde oder mir die Hand gegeben wurde, was wiederum für die Frauen auch wieder zu einem Problem werden kann.

Sebastian: Ja. Es ist unglaublich, wenn man sich Bilder vom Iran anschaut von vor vielen, vielen Jahren, dann kann man sehen, wie offen die damals waren bevor ein geistlicher, also ein religiöser Führer an die Macht gekommen ist, der diese ganze Scharia usw. eingeführt hat. Aber früher war der Iran ein unglaublich modernes und offenes Land.

Ben: Ja, richtig. Das war damals vor der Revolution und dann kam ja Khomeini aus dem französischen Exil zurück und dann ist alles wieder ein bisschen in eine andere Richtung gegangen. Leider muss man sagen.

Sebastian: Ja, so ist es leider. Wir können daran nichts ändern, aber wir können die Sichtweise auf den Iran ein bisschen ändern, dass ein paar mehr Zuhörer hoffentlich demnächst dahin reisen. Aber für alle Frauen, die zuhören, wie ist das als Ausländerin? Muss man sich dann dort auch entsprechend verhüllen? Worauf sollte man als Frau besonders achten? Und ist es für Frauen alleine im Iran auch sicher?

Ben: Ich möchte sagen Ja. Du hattest vorhin direkt am Anfang das Buch vom Stephan Orth angesprochen “Couchsurfing im Iran”. Das habe ich auch gelesen, bevor ich damals weg bin. Ich würde aber an der Stelle gerne das Buch “They would rock” von Helena Henneken noch reinwerfen. Sie ist nämlich als Frau alleine durch den Iran gereist und hat da eine unglaublich geniale Zeit gehabt. Das Buch war damals auch Inspiration für mich, dorthin zu gehen. Als Frau musst du dich auch verhüllen, als Touristin. Da gibt es keine Ausnahmen, sprich: Du brauchst ein Kopftuch. Du musst den Hintern bedecken. Viele tragen Tschador, das ist ein Tuch mit dem du viel verhüllen kannst. Du musst dich da schon ein bisschen anpassen, aber wie gesagt, ich habe nicht nur das Buch von Helena gelesen. Ich habe auch genügend alleinreisende Frauen getroffen, die im Iran unterwegs waren.

Sebastian: Sehr schön! Wenn man als Frau alleine in den Iran reist, sollte man sowas natürlich schon tragen, bevor man in Deutschland in den Flieger steigt bzw. sich im Flieger umziehen.  

Ben: Genau. Da merkt man, die Leute steigen unverhüllt in den Flieger. Aber sobald der Landeanflug dann auf Teheran oder sonstwas startet, ist dann reges Treiben im Flieger und dann wird sich verhüllt. Ich hatte beim ersten Mal, als ich hingeflogen bin, eine Zwischenlandung in Kiev in der Ukraine und da saß eine Frau mit ihren zwei Kindern vor mir, die hatte vorher noch einen Rock an und ein Top und war da “unauffällig”. Dann habe ich gepennt und bin dann kurz vor Teheran wach geworden und auf einmal war sie komplett verhüllt mit Kopftuch und langen Klamotten. Und dann denkst du “Okay, jetzt sind wir wohl gleich da”. Diese Anpassung muss leider sein.

Sebastian: Krass! Aber ja, das ist auf jeden Fall gut zu wissen für alle Frauen, die dorthin reisen wollen. Die Bücher werden wir auf jeden Fall in den Shownotes verlinken und jetzt noch eine letzte Frage zu deinem Marathon, den du organisiert hast. Wie war es? Hat sich das gelohnt? War es erfolgreich? Kam es gut an bei den Einheimischen?

Ben: Es war der Wahnsinn! Ich bin ja durch Zufall dazugeraten als Volunteer und war dann am Ende doch so ein bisschen der größere Ansprechpartner. Das war in der Organisation ein ziemliches Hin und Her. Wir haben uns im Team oft zusammengesetzt und haben die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Aber an dem Tag an sich, an dem der Marathon stattfand hatten glaube ich alle durchgängig Gänsehaut. Es war ein wahnsinnig emotionaler Tag auch, weil man einfach mal gesehen hat, wie die Leute aus sich herauskommen. Wie die zugejubelt haben, wenn Läufer aus allen anderen Nation ins Ziel eingelaufen sind – die ersten fünf oder sechs Läufer waren Iraner -, aber das war im Endeffekt total egal. Am Ende ist beispielsweise ein Iraner mit der amerikanischen Flagge durchs Ziel gelaufen, weil die Amerikaner nicht am Start sein konnten, weil es da Visumsprobleme gab, weil das Visum zu spät beantragt wurden. Aber dann hat sich ein iranischer Läufer das nicht nehmen lassen, die amerikanische Flagge zu nehmen und damit über die Ziellinie zu laufen, bei einem riesengroßen medialen Aufkommen. Leute haben ihn beschimpft, der Großteil hat gejubelt. Dieser Tag war einfach unglaublich emotional und du hast gesehen “Wow, dieses Land. Das ist wach”. Da kann man hin. Die Leute freuen sich auf Touristen. Es war einfach ein wahnsinnig genialer, genialer Tag!

Sebastian: Das ist schön! Und somit beenden wir diese Folge mit diesen Worten, weil es einfach so perfekt ist. Es freut mich, dass es dir so gut gefallen hat, dass der Iran so offen ist für Reisende und ich danke dir vielmals für deine Zeit, dass du sie dir genommen hast im Krankenhaus, ein paar Tage nach deiner OP. Nochmal vielen, vielen Dank und bis bald!

Ben: Ja, vielen Dank dir für die Möglichkeit ein bisschen was über den Iran zu erzählen. Wenn jemand Fragen hat, meldet euch!

Sebastian: Genau, deinen Blog und alles drum und dran verlinken wir natürlich auch in den Shownotes. Das war es für heute. In diesem Sinne, bis bald, tschüssi!

Ben: Ciao!

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2 Kommentare zu „Podcast: Backpacking im Iran mit Ben Strasser

  1. Alexander Schlütter on

    Hey
    Ich war im März einen monat im Iran unterwegs.
    Zunächst war ich 2 Wochen mit einer Exkursions Gruppe im ganzen Land unterwegs und danach 2 Wochen auf eigene Faust on tour.
    Für mich war die reise etwas besonderes da meine mutter aus dem iran stammt und es mir wichtig war meine kulturellen Wurzeln zu entdecken. Ich spreche selbst jedoch kein Wort Farsi.
    Der Iran wird in den Medien völlig falsch dargestellt. Dies ist ungerecht gegenüber den Menschen die im Iran leben.
    In keinem Land habe ich bisher eine solche ehrliche Gastfreundschafterlebt. Ständig wurde man auf der Straße von Fremden angesprochen. „Welcome to iran“ “ how do u like it ?“ How do u like iranian people?“ Ständig hörten wir diese Worte. Es ging nie darum etwas zu verkaufen, wie man es in vielen gängigen Reiseländern kennt. Im Gegenteil man wurde häufig zum Tee oder gar zum Essen eingeladen. Wenn man jemanden fragte wie man an einen bestimmten Ort käme, wurde man oft bis an diesen Ort gebracht.
    Zwar gab es oft sprachliche Barrieren da besonders in abgelegeneren Orten kaum jemand Englisch sprach. Aber auch diese ließen sich überwinden. Ich habe einige male erlebt, dass jemand einen Freund der Englisch sprach anrief um bei der Kommunikation zu helfen.
    Auch Polizei und Militär waren enorm freundlich und stets behilflich.

    Das land hat unglaublich viel zu bieten. Die Jahrtausende alte Kultur, unbeschreibliche Bauten außergewöhnliche Gastfreundschaft, kostbares Essen und eine atemberaubende vielfältige Landschaft, die von Wüste, Oasen, über Jungle zu alpinen Bergen reicht.

    Ich kann jedem nur empfehlen

    Go Off the Parth. Explore Iran !!

    Antworten
    • Ben on

      Hey Alexander,
      freut mich riesig, dass dir die Reise in den Iran gefallen hat und auch du diese positiven Eindruck bekommen hast. Da hätten wir uns ja auch fast über den Weg laufen können 🙂
      Vielleicht beim nächsten Mal.

      Antworten