Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Podcast: 1 Jahr auf einer einsamen Insel mit Adrian Hoffmann

Viele träumen davon, einmal im Leben so richtig raus zu sein, auf einer einsamen Insel, abgeschieden von allem, eine gewisse Zeit zu leben: türkises Meer, weiße Sandstrände, Kokosnüsse und tropische Früchte und die komplette Ruhe. Ein echtes Abenteuer eben! Solche Inseln und Aussteiger gibt es tatsächlich, nämlich im Südpazifik.

Adrian hat mit seiner Frau Nina 1 Jahr auf einer einsamen Insel in Tongo gelebt und berichtet in dieser 25. Off The Path Podcast Folge von seinen unglaublichen Erlebnissen dort. Du erfährst unter anderem, wie sie zu dieser abgeschiedenen Insel gekommen sind, warum das Leben dort nicht nur aus Faulenzen bestand und warum sie einige Male Todesängste hatten.

Erfahre in dieser Episode über 1 Jahr auf einer einsamen Insel:

  • Wie Adrian und seine Frau Nina dazu gekommen sind, ein Jahr auf einer einsamen Insel zu leben
  • Wie sie auf die Insel gekommen sind
  • Welche Luxusgegenstände sie mitgebracht haben
  • Wie sie sich ernährt haben
  • Wie ihre Tage auf der Insel aussahen
  • Welche die schlimmsten und welche die schönsten Momente auf der Insel waren
  • Wie es war als Paar auf dieser Insel zu leben

 Shownotes über ein Jahr auf einer einsamen Insel:

Die komplette Folge zum Nachlesen:

Sebastian: Herzlich Willkommen zu einer neuen Off the Path Podcast Folge. Heute freue ich mich, einen ganz besonderen Gast dabei zu haben, der ziemlich viel erlebt hat. Gemeinsam mit seiner Frau Nina hat Adrian ein Jahr auf einer einsamen Insel gelebt im Südpazifik und hat vor kurzem ein Buch darüber veröffentlicht. Darüber sprechen wir jetzt mal ein bisschen genauer, ich habe ein paar Fragen vorbereitet. Adrian, herzlich Willkommen!

Adrian: Vielen Dank für das Interesse, Hallo!

Sebastian: Wie kam es dazu, dass ihr ein Jahr auf einer völlig abgeschiedenen Insel in der Südsee gelandet seid?

Adrian: Das war eigentlich mehr oder weniger Zufall. Wir wollten das machen, irgendwann Mitte 20, was viele schon nach dem Abi machen: Mal ein Jahr durch die Welt reisen und wir haben uns dann für Fiji entschieden und da erstmal für einen längeren Aufenthalt von ein paar Monaten. Da haben wir zunächst auf einer größeren Insel gelebt mit ein paar Dörfern und haben irgendwann einen Auswanderer aus Südafrika kennengelernt, der gesagt hat, da gibt es eine Insel, die könnte euch gefallen. So sind wir zum ersten Mal auf eine einsame Insel gekommen und wollten dort zunächst ein paar Wochen bleiben, da wurden aber gleich ein paar Monate draus. Wir waren eigentlich nachdem wir den Fuß auf die Insel gesetzt haben der Sache verfallen. Nach unserer Rückkehr 2008 in Deutschland haben wir jeden Tag davon geträumt, sowas länger zu machen und haben dann seitdem wir 2008 zurück waren, nur noch auf dieses Ziel hingearbeitet. Wir haben unser Geld nur für dieses Projekt gespart und haben dann geplant, nach Tonga zu gehen, auf eine Insel für ein Jahr.

Sebastian: Und das habt ihr dann wann gemacht?

Adrian: 2010/2011 waren wir für ein gutes Jahr auf der Insel.

Sebastian: Also ihr habt zwei Jahre gearbeitet und Geld gespart, um euch diese Auszeit zu nehmen?

Adrian: Genau, um uns die zu finanzieren, ja. Beim ersten Mal hatte ich einfach eine Sabbatzeit genommen. Ich bin Redakteur einer Tageszeitung. Beim zweiten Mal, als wir nach Tonga sind, hatte ich den Job gekündigt. Da haben wir wirklich alles hinter uns gelassen. Nina ist Grundschullehrerin, sie hatte aber nur einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt zu dem Zeitpunkt, das hat also ganz gut gepasst.

Sebastian: Okay und diese Insel, die liegt in Tonga?

Adrian: Genau. Tonga hat etwa 180 Inseln, glaube ich, ich bin mir da gerade im Moment nicht sicher. Da sind wir hin und haben uns vor Ort eine Insel gesucht. Wir haben ein paar Monate gebraucht, bis wir die passende gefunden haben. Wir haben danach geschaut, dass sie möglichst abgeschieden war und haben auf der Hauptinsel rumgefragt, sind in irgendwelche Hinterhofbüros gegangen und haben recherchiert, auf welche Insel wir vielleicht könnten. Wir waren im Ministry of Lands und da haben wir schließlich den entscheidenden Tipp bekommen, dass es da eine ganz entfernte Insel gibt mit einer kleinen Hütte. Der konnte uns dann aber auch nicht sagen, wie wir an die Eigentümer kommen und deshalb hat es nochmal einen Monat gedauert, bis wir die Eigentümer ausfindig gemacht haben, die nämlich in den USA leben. Die hatten wir dann über E-Mail kontaktiert und die waren hocherfreut, dass jemand freiwillig auf ihre Insel will, dort Zeit verbringen will und sich um die Insel kümmern möchte und um die Hütte, die da steht.

Sebastian: Unglaublich! Also ihr habt dann diese Eigentümer in den USA ausfindig gemacht, denen eine E-Mail geschrieben und gesagt “Hey, hör mal, Mr. XY, wir würden gerne auf deine Insel, wo sowieso seit Jahren niemand ist. Ist das erlaubt?” Und musstet ihr dafür irgendwie Miete zahlen oder hat er einfach gesagt “Cool! Klar natürlich, das fällt mir sowieso nicht auf und es ist schön, wenn da jemand ist und aufpasst.”  

Adrian: Nö, das war denen gerade recht. Wir waren dann sozusagen die Inselsitter, die Insel-Hausmeister. Wir haben uns darum gekümmert, dass da eben nichts verwahrlost. Also in der Regel kommen die einmal im Jahr für eine Woche und jedes Mal, wenn sie kommen, ist alles überwuchert und es kann auch sein, dass aus der Hütte irgendwas gestohlen wurde von irgendwelchen Fischern. Die waren einfach begeistert, dass da jemand dauerhaft sein will und hatten so die Chance, dass ihre Insel mal gepflegt ist nach so langer Zeit. Die haben sich richtig gefreut. Es hat auch eine Weile gedauert, bis sie sich gemeldet hatten aus den USA, nochmal zwei Wochen. Und wir hatten gedacht, es klappt wahrscheinlich eh nicht. Wir waren da schon skeptisch und umso mehr erfreut, dass es funktioniert hat und die so begeisterungsfähig dafür waren. Wir sind auch heute noch in Kontakt, können jederzeit dorthin und sind jetzt da auch miteingestiegen. Also, wenn jemand Interesse hat, gerne melden.

Sebastian: Sehr cool! Also seid ihr jetzt quasi Insel-Vermittler, Insel-Housesitting-Vermittler?

Adrian: Sozusagen, ja. Wir haben die Überlegung, dass wir uns das weiter erhalten wollen. Wir sind ein bisschen zivilisationsuntauglich geworden im Anschluss und wir wollen uns immer diesen Exitplan erhalten, dass wir mal zwei, drei Monate im Jahr auf die Insel können, um das zu erleben, was wir damals hatten. Für uns wäre es jetzt mittlerweile auch wie aus Eigentümersicht schön, wenn wir jemanden finden würden, der da ab und zu gerne längere Zeit verbringt, damit die Insel in Schuss gehalten wird. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass das ganz nützlich sein kann.

Sebastian: Okay, cool! Also dann lass uns mal über diese Erfahrung sprechen, die ihr dort gemacht habt. Ihr wart am Arsch der Welt, auf einer einsamen Insel, mit einer kleinen Hütte und ihr hattet aber euren Hund mit dabei?

Adrian: Ja. Der war wichtig für uns. Das ist ein Familienmitglied, den haben wir aus Deutschland mit eingeflogen. Das war etwas kompliziert und auch nicht ganz billig, aber uns war es das Wert.

Sebastian: Ja. Also, ihr hattet den Kontakt, ihr durftet auf diese Insel. Wie seid ihr dann dahin gekommen? Habt ihr euch dann ein Boot gechartert? Seid ihr dort mit einem Wasserflugzeug hingeflogen oder seid ihr mit einem Fischerboot hingefahren?

Adrian: Es gibt leider kein Wasserflugzeug in Tonga. Es gibt auch leider keinen Helikopter da. Wir sind mit einem größeren Fischerboot, kleine Fähre maximal einen Tag lang, eine Nacht durch auf eine bewohnte Insel gefahren, von der Hauptinsel aus. Und von dort aus sind wir mit einem Fischer weiter auf eine weitere bewohnte Insel und von dort aus wiederum weiter auf die einsame Insel. Also insgesamt waren wir dann nochmal gut zwei Tage unterwegs. Man muss natürlich auch Glück haben, dass das Wetter gerade stimmt, sonst funktioniert das alles nicht. Man muss da sehr flexibel sein. Zwei Wochen auf der Insel ist fast nicht realisierbar, weil man einfach damit rechnen muss, dass das Wetter mal nicht stimmt.

Sebastian: Ja, wenn das Wetter mal nicht stimmt, da habt ihr ja auch einiges mitgemacht, darüber sprechen wir gleich nochmal, aber habt ihr irgendwelche Luxusgegenstände mitgenommen?

Adrian: Nutella.

Sebastian: Nutella!?

Adrian: Nutella war der Luxus schlechthin, ja. Und eingeschweißter Käse. Das waren unsere Luxusgegenstände, aber ansonsten haben wir recht praktisch geplant. Wir haben viel Dosenfutter dabei gehabt, für die erste Zeit, weil zunächst wuchs mal nichts im Garten. Und wir haben Säcke Reis und Bücher mitgebracht. Wir waren sehr praktisch orientiert und haben Werkzeug mitgenommen, Macheten, Samen für den Garten.

Sebastian: Cool! Wie habt ihr euch denn dort ernährt? Jetzt hast du erzählt, dass ihr Dosenfutter mitgenommen habt und Samen. Also ihr habt einen Garten angebaut. Bis so ein Garten entsprechend wächst, dass man davon leben kann, dauert es ein Weilchen. Wie hat das da funktioniert?

Adrian: Ja eben, das hat eine Weile gedauert. Zunächst mal war es weit entfernt von Selbstversorgung, aber wir hatten schon das Ziel etwas autarker zu leben nach einer Weile. Deshalb haben wir ein recht großes Angebot an Samen mitgenommen, um auch eine Vielfalt im Garten zu haben. Was recht schnell ging, waren Kürbisse und Gurken und so. Tomaten hatten wir auch, Chinakohl, alles mögliche, Auberginen. Auf der Insel selbst gab es endlos viele Papayas, Bananen und Kokosnüsse und dann auch noch irgendwelche Wurzeln, wie Taro. Damit konnten wir uns auch gut versorgen die erste Zeit. Die erste Zeit hatten wir eben das, was auf der Insel schon wuchs. Aber man muss da immer schnell sein, weil die Flughunde kommen gerne zuerst. Man muss die Früchte relativ früh ernten.

Sebastian: Ja, weil die einfach alles wegklauen, ne? Sobald die Früchte reif sind, müssen sie sofort abgehangen werden?

Adrian: So süß und schnuckelig die sind, aber ja, die Papayas wollten wir uns nicht nehmen lassen.

Sebastian: Kleine Biester können sie auch sein. Wie waren die Tage für euch? Ich meine, so ein Jahr auf einer einsamen Insel stellt man sich jetzt vielleicht im ersten Moment ziemlich entspannt vor auf der Hängematte chillen und aufs weite offene Meer schauen. Ich habe aber ein paar Interviews von euch gelesen – ich habe leider das Buch von euch noch nicht gelesen – wo ihr gesagt habt, dass das weit gefehlt von der Realität ist und war. Wie waren eure Tage?

Adrian: Wir sind die Sache recht strebig angegangen. Wir wollten uns zunächst mal einen gemütlichen Inselalltag ermöglichen, dadurch dass wir ein bisschen arbeiten, nämlich den Garten bauen. Der Garten war uns ganz arg wichtig, da haben wir die ersten Wochen damit verbracht. Und auch Wege mussten wir natürlich erstmal schlagen, was auch großer Aufwand ist. Fischen wollte ich ja auch noch, also es war echt jede Menge zu tun. Deshalb, Freizeit haben wir uns dann am Abend gegönnt und sind vielleicht ab und zu mal um die Insel gelaufen, aber wir haben wirklich anfangs viel gearbeitet und es wurde uns gleich wieder zunichtegemacht durch den ersten Zyklon. Deshalb konnten wir dann direkt nochmal von vorne anfangen zu arbeiten.

Sebastian: Ihr hattet also quasi die erste Arbeit in die Insel und in eure Hütte investiert und dann kam der erste Zyklon und hat dann alles wieder kaputtgemacht, weshalb ihr von vorne angefangen habt, oder wie war das?

Adrian: Ja, die halbe Insel war danach verwüstet.

Sebastian: Wie kann man sich das vorstellen, so einen Zyklon? Ich meine, wenn man in so einem Zyklon ist, der ist ja schon ziemlich… ich weiß nicht, was sind das für Windstärken? Wieviele km/h hat sowas?

Adrian: Weiß ich gerade gar nicht.

Sebastian: Aber es ist ziemlich krass?

Adrian: Ja, also die Palmen haben sich gebogen und Bäume sind vor unseren Augen einfach umgeknickt wie Streichhölzer. Und dann sind noch Wellen von der Seite gekommen und unterm Haus durchgespült, haben Korallenblöcke ins Innere getragen. Es war wirklich dann in der Hochphase des Cyclones sehr beängstigend. Am Anfang fanden wir es noch spannend, aber das hat sich dann doch schnell gelegt. Der hat wirklich die halbe Insel kaputt gemacht.

Sebastian: Aber da hat man doch schon fast ein bisschen Todesangst oder?

Adrian: Ja, ich will das nicht überstrapazieren, aber als dann die Wellen so groß von der Seite gekommen sind, hatten wir immer die Befürchtung, dass noch mehr Wellen kommen können und noch höhere und dann hätten uns die Wellen unter Umständen mitgerissen. Vorm Wind hatten wir zunächst weniger Angst, aber als dann die Bäume umgekracht sind, ja. Doch, wir hatten Todesangst. Wir hatten uns auch überlegt, uns im Haus festzubinden mit einem Seil. Weil wir einfach schlicht und einfach keine Idee hatten, was wir machen sollten, wenn uns das Dach überm Kopf weggeflogen wäre. Glücklicherweise ist es ganz gut gebaut gewesen und sie haben extra einen Cyclone-Schutzmetalle dort am Dach eingebaut, weshalb wir verschont blieben. Aber sonst könnte ich wetten, wäre das Dach auch weg gewesen.

Sebastian: Unglaublich! Gehört das zur schlimmsten Zeit auf der Insel?

Adrian: Ja. Das war eines der schlimmen Erlebnisse, aber wir hatten noch weitere. Also, was uns am krassesten in Erinnerung geblieben ist, ist die Ankunft von 40 Fischern, die ein Camp errichten wollten bei uns. Das waren Tongaer und Chinesen – die sind eines Tages plötzlich am Horizont erschienen, da haben wir erst ein Fleckchen gesehen, dann sind die angekommen, so fünf, sechs Boote voll bemannt und haben uns dann verkündet, sie wollten jetzt ein paar Monate hier bleiben, direkt neben uns das Wasser nutzen am Haus. Sie haben dann auch relativ schnell angefangen Alkohol zu trinken, schon in der Mittagssonne. Die waren gar nicht gesprächsbereit und haben sich wenig dafür interessiert, dass das mit uns nicht so ganz zu vereinbaren ist. Wir haben dann die Abreise geplant. Nina hatte wirklich Angst, weil 40 Männer auf der Insel und sie die einzige Frau. Das war kein schönes Gefühl und sie waren recht neugierig. Wir haben dann mit der Machete neben dem Bett geschlafen. Glücklicherweise war der Hund ein bisschen angespannt. Vor dem haben sie ein bisschen Bammel gehabt die Fischer. Das war schlecht, wir können da ja auch nicht mit einem Besitzanspruch auftreten. Also, das sind ja immer noch die Inseln der Tongaer und wenn die da fischen, was will man da groß machen. Aber wir haben dann die Abreise geplant, weil wir einfach ganz realistisch gesehen haben, dass das nicht funktioniert mit uns und hatten dann letztlich Glück, weil wir den deutschen Generalkonsul erreichen konnten, der für uns die Navy verständigt hat. Der hat nämlich herausgefunden, dass diese See Guerilla Camps, so wie es gedacht und geplant war von denen, illegal waren und so kam es zum surrealsten Moment in der Inselzeit überhaupt, als plötzlich am Arsch der Welt in der blauen Lagune das große Militärschiff ankam, dann 10 Soldaten auf den Strand gekommen sind aus ihren kleinen Booten mit Uzis in den Händen. Das kann ich bis heute nicht vergessen, weil normalerweise war ich Mantas gewöhnt und Delfine und vielleicht mal einen Wal vorm Riff, aber Soldaten mit Uzis, in der prallen Sonne der blauen Lagune – nee, also ein unglaubliches Bild.

Sebastian: Und dann haben die die mitgenommen oder was ist dann passiert?

Adrian: Die sind schon vorher abgehauen, die wurden natürlich vorgewarnt. Tonga ist klein und jeder kennt jeden.

Sebastian: Aber das ist ja total verrückt. Ich meine, das ist eine total krasse Geschichte. Neben dem, dass ihr quasi diesen Zyklon überlebt habt. Aber ich finde auch – wie du sagtest – 40 Männer und eine Frau, die auch noch von ganz weit weg kommt, also sehr exotisch ist und wenn die alle mittags schon anfangen zu trinken, dann kann das schnell ungemütlich und auch gefährlich sein. Deswegen kann ich das sehr gut verstehen, dass man da entsprechende Maßnahmen treffen muss und sich dann vielleicht auch entscheidet abzureisen.

Adrian: Ich sage ja nicht, dass das böse Kerle sind oder so, aber man kann sich denken, was passieren kann, wenn es denen mal langweilig wird und nachdem die auch mich schon gefragt haben, ob ich nicht mal ein Tongan Girl ausprobieren will, das hat der Nina wenig gefallen.

Sebastian: Ja, krass. Ja better safe than sorry. Ne? Also… Besser Vorsichtsmaßnahmen einleiten. Krass!

Adrian: Das haben wir dann auch nie wirklich losgekriegt, obwohl die Navi kam, aber wir haben immer in dieser Unsicherheit gelebt, dass vielleicht nochmal so ein Camp aufschlagen könnten. Wobei die einheimischen Fischer, wenn sie gekommen sind, immer recht handsam waren, weil die Navi hat auch bei ihnen Eindruck hinterlassen.

Sebastian: Ja, also ihr hattet da regelmäßig Besuch auf der Insel gehabt?

Adrian: Regelmäßig würde ich nicht sagen, aber so alle paar Wochen konnte es mal sein, dass ein Fischer kam. Um die Insel herum sind auch weitere unbewohnte Inseln und auf einer hatten sie ein paar Schweine und die mussten sie mal füttern. Die haben ja kein rotes Fleisch auf den Inseln und deshalb haben sie da so eine einsame Insel verwendet, um da ein paar Schweine anzusiedeln.

Sebastian: Krass, okay, jetzt haben wir also über die schlimmsten Momente gesprochen. Was waren denn so die schönsten?

Adrian: Die schönsten? Da würde ich gar nicht solche exotischen, seltenen Momente herausgreifen, sondern für mich war es einfach und auch für die Nina, für uns war jeder Abend schön am Lagerfeuer, wenn wir die Flughunde beobachten konnten, wie sie über unsere Köpfe hinweg auf die Nachbarinseln geflogen sind. Oder wenn wir einfach mit der Machete durch die Insel gezogen sind und unsere Früchte kontrolliert haben. Das waren die kleinen Dinge, die für uns die schönsten Momente waren, die uns in Erinnerung geblieben sind. Natürlich auch die Ankunft der Wale oder wenn mal nach Monaten ein paar Segler auftauchten und man nach Monaten mal wieder ein bisschen Gesellschaft hat und Spaß an Gesprächen, sowas sind auch tolle Erlebnisse. Irgendwann kommt man natürlich schon an den Punkt, da vermisst man die Freunde und Familie daheim. Ab und zu haben wir die über Satellitentelefon angerufen, aber nie wirklich lange miteinander gesprochen. Und gerade an Geburtstagen oder an Weihnachten, wird es dann doch ein bisschen einsam.

Sebastian: Ja, weil man das Gewohnte natürlich ein bisschen vermisst. Aber ein Satellitentelefon habt ihr auch dabei gehabt, wie ich gerade höre. Das braucht man natürlich auch. So habt ihr wahrscheinlich auch den Generalkonsul erreicht und ihn einfach angerufen?

Adrian: Ja, genau. Das war sehr wichtig für uns, das Telefon dabei zu haben. Sonst wären wir wirklich abgeschnitten gewesen und hätten auch die Seeleute letztlich nichts machen können.

Sebastian: Ja, also das braucht man dann schon. Trotz der ganzen Abgeschiedenheit, die man sich so wünscht, ein bisschen Verbindung, die braucht man dann doch.  

Adrian: Ja, auch wenn wir jetzt einen Notfall gehabt hätten. Ich hatte ja nochmal ein Problem. Ich hatte so eine Eiterentzündung und wir wussten nicht, ob das Antibiotika, das wir dabei hatten, dafür ausreicht. Wenn das nicht abgeklungen wäre, dann wären wir genauso aufgeschmissen gewesen. Dann hätte ich ja irgendwie eine Möglichkeit haben müssen, einen Fischer anzurufen, dass ich doch irgendwie zur Fähre gelange und dann auf die Hauptinsel. Deshalb war das schon sehr wichtig. Ohne wäre es doch verantwortungslos.

Sebastian: Hattet ihr denn auf der Insel Strom oder wie habt ihr denn dieses Telefon zum Beispiel am Leben gehalten? Das braucht ja auch irgendwie einen Akku.

Adrian: Wir haben uns einen Solarkoffer mitgenommen. Ein Solarpanel und Batterie und haben wirklich nur das Nötigste an den Strom gehangen. Wir haben das Telefon damit aufgeladen und ich habe dann noch den Laptop benutzt, weil ich ab und zu mal was geschrieben habe. Ich hatte eine Kolumne für Tageszeitungen geschrieben, alle paar Monate.

Sebastian: Ah, sehr cool. Also so konntet ihr quasi auch ein bisschen was schreiben und arbeiten. Cool. Meine Freundin und ich, wir reisen seit drei Jahren um die Welt. Wir sind 24/7, also jeden Tag, zusammen und da gibt es auch wahrscheinlich, wie in jeder Beziehung, meistens gute Momente, aber es gibt auch krasse Momente. Wenn man die ganze Zeit zusammen ist, dann ist das schon sehr intim und auch sehr anstrengend manchmal. Welche Phasen habt ihr so als Paar durchlebt? Ich meine, für euch war es wahrscheinlich auch etwas Neues, oder? Ihr hattet vorher eure ganz normale Beziehung in Deutschland gehabt, wo ihr euch abends und am Wochenende mehr oder weniger gesehen habt. Tagsüber wurde getrennt gearbeitet. Du hast bei der Zeitung gearbeitet, sie hatte Schule. Auf einmal seid ihr 24/7 zusammen. Wie war das für euch?

Adrian: Ja, wir sind ja eine Jugendliebe. Wir sind jetzt schon seit mehr als 15 Jahren zusammen und wir kannten uns sehr gut und es war eigentlich kurioser Weise so, dass wir uns auf der Insel besser verstanden haben denn je. Wir hatten da kaum Streitigkeiten. Und wenn, dann absolute Kleinigkeiten. Die Insel war zwar klein, aber dann doch wieder recht groß, wenn man sich halt mal nicht sehen kann, dann kann man ja ans andere Ende gehen und verbringt da den Tag. Aber was ich eigentlich sagen will ist, auf der Insel waren so wenig äußere Einflüsse da und wenn, dann hatten wir die gleichen Probleme. Also wenn der Zyklon kommt und den Garten zerstört oder das Seebeutecamp oder sonst was. Durch die fehlenden äußeren Einflüsse hatten wir da einfach eine richtig gute, entspannte Zeit und kaum Streitereien. Ganz anders stellt sich das dann daheim dar. Nach der Rückkehr ging unsere idyllische Ehe von vorher weiter. Wir finden eigentlich eher Entspannung und Frieden auf der Insel und unsere Beziehung hat da eigentlich nur von der Inselzeit profitiert. Obwohl uns viele prophezeit haben “Ihr seid danach nicht mehr zusammen” oder uns dann fragten “Was? Ihr seid immer noch zusammen?” und so.

Sebastian: Es kommt nur einer zurück von der Insel.

Adrian: Oder viele sagen “Ich würde es nicht mal eine Woche mit meiner Frau da aushalten”. Da frage ich mich immer, was sagt das über deine Beziehung aus?

Sebastian: Das wollte ich gerade sagen. Also, wenn du nicht mal eine Woche mit deiner Frau auf einer einsamen Insel verbringen kannst, dann sollte man sich vielleicht Gedanken machen. Was hat euch denn dann dazu bewegt, doch zurückzufliegen? War es einfach so, weil es geplant war oder musstet ihr zurück?

Adrian: Das Visum lief aus, aber das hätten wir leicht verlängern können. Ich wäre auch gerne noch ein bisschen länger geblieben, aber Nina hat mal den treffenden Satz auf der Insel gesagt: “Adrian, wir drehen uns hier im Kreis”. Damit hatte sie recht. Wir wollten ein Kind. Das haben wir jetzt auch. Unsere Tochter ist inzwischen drei Jahre alt. Und Kinderwunsch und einsame Insel, das ist nicht miteinander zu vereinbaren.

Sebastian: Das glaube ich.

Adrian: Wir waren aber jetzt Anfang des Jahres erst nochmal mit unserer Tochter auf der Insel und haben ihr alles gezeigt und sie ist heute noch begeistert davon und berichtet noch, wie schön das war. Also auch ihr gefällt’s und sie ist schon der Sache verfallen. Vielleicht ein bisschen früh. Wir hoffen, dass wir uns das Inselleben weiter erhalten können, wie schon vorhin gesagt. Das ist wirklich wichtig für uns, damit wir so einen Exitplan haben und nicht komplett im System hier ersticken. Das System kann ganz gut sein, wenn wir so weiter arbeiten und die kKleine geht in den Kindergarten, aber wir brauchen unseren Fluchtpunkt.

Sebastian: Ja und den habt ihr ja ganz klar gefunden. Das hört sich alles total klasse an. Als ihr jetzt zurück auf der Insel wart, habt ihr dann irgendetwas mitgenommen, an das ihr beim ersten Mal nicht gedacht habt?

Adrian: Ja, wir haben vielleicht ein bisschen vorausschauender geplant und haben wirklich uns sehr gut und großzügig mit Lebensmitteln eingedeckt. Schon vorab auch, dass wir eine möglichst große Auswahl haben. Wie schon gesagt, eingeschweißter Käse und so, das war schon wichtig. Ansonsten haben wir jede Menge Macheten und Werkzeug mitgenommen und haben darauf geachtet, dass wir alles haben. Wir wussten ja aus Erfahrung, wenn du was nicht hast, dann hast du ein Problem und das kriegst du nicht so einfach auf die Insel nachgeliefert. Nach einem halben Jahr haben wir nochmal eine Nachschublieferung bekommen. Das war ein Boot, das wir direkt auf die Insel bestellt haben und das war mit Kartons vollgepackt. So ein Nachschub an Lebensmitteln, weil wir es nie wirklich geschafft haben, komplett autark zu leben mit unseren Sachen. Weitgehend, aber trotzdem hatten wir den Punkt erreicht, an dem wir Nachschub brauchten. Neues Mehl und so.

Sebastian: Wie sah denn die Insel aus, als ihr zum zweiten Mal zurückkamt. War wieder ein Zyklon da und hat wieder alles kaputt gemacht oder…?

Adrian: Dieses Jahr?

Sebastian: Ja.

Adrian: Es herrschte da eine große Trockenzeit. Wir waren ziemlich erschrocken, dass wir gar keine Bananen und Papaya mehr finden konnten. Inzwischen waren auch ein paar Schweine auf der Insel. Die Locals haben dort auch Schweine angesiedelt und die haben auch einiges weggefressen, was es so gab. Also von unserer Zeit war kaum noch was übrig, außer ein paar Schilder, die wir an unserem Faden angebracht haben “Banana Trail” und so “Bush Trail” und so. Da hatten wir damals Schilder aufgehängt. Es war schön, die wieder zu sehen. Wir haben das ein bisschen Deutsch-Schwäbisch gestaltet. Schön mit Orientierung und Inselpfaden.

Sebastian: Schön ordentlich.

Adrian: Ordentlich war es leider nicht mehr nach so langer Zeit. Und wie gesagt sehr trocken, das war ein bisschen schade.

Sebastian: Okay, aber die Natur, die kennt da keinen Unterschied. Die macht einfach ihr eigenes Ding und das ist auch gut so.

Adrian: Ein Kajak hatte ich dabei. Damit hatte ich jede Menge Spaß. Ich habe so große Fische gefangen wie nie zuvor und bin da zwischen den Inseln herumgepaddelt. Das war ganz toll. Und auch mal aus der Entfernung auf die eigene Insel zu blicken, das habe ich doch sehr genossen.

Sebastian: Ja, und ihr habt natürlich auch immer eine Kamera dabei gehabt. Diese Bilder sehen total klasse aus. Davon sieht man auch ein paar in eurem Buch. Und diese ganze Geschichte habt ihr natürlich auch nochmal in eurem Buch zusammengeschrieben. Das kann man natürlich nicht in 25 Minuten zusammenfassen, aber ich finde, es hört sich total klasse an, was ihr dort erlebt habt und ich bin schon fast ein bisschen neidisch auf eure Zeit auf dieser einsamen Insel. Das würde mir wahrscheinlich auch sehr gut gefallen.

Adrian: Ja, mach doch den nächsten Stopp da.

Sebastian: Genau, vielleicht kommen wir das nächste Mal einfach nach Tonga.

Adrian, vielen, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast und diese Story mit uns geteilt hast. Das hört sich wirklich klasse an und ich wünsche dir, Nina und eurer Tochter alles Gute für die Zukunft!

Adrian: Vielen Dank! Danke für das Interesse.

Sebastian: Bis bald, tschüss!

Adrian: Bis bald, ciao!

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