Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Podcast: Kitesurfen auf Reisen mit Miriam Tymiec

Kitsurfen gilt als neuer Trendsport auf Reisen. Doch das Reisen mit einem Kite ist alles andere als leicht – im wahrsten Sinne des Wortes. An viel mehr Orten auf der Welt kannst du einfacher Kiten als eigentlich Wellenreiten, was wir bereits mit Julian Siewert in Folge 34 besprochen haben.

Alles was du fürs Kiten brauchst, ist das Equipment und etwas Wind. Sollte dieser nicht stark genug sein, nimmst du einfach einen größeren Kite.

Miriam ist Kite-Profi und reist seit Jahren nur noch mit ihrem Kite von Kitespot zu Kitespot um die Welt. Was so geil am Kiten ist, wo du Kiten lernen solltest und worauf du alles achten musst, erfährst du in dieser 42. Off The Path Podcast Folge von ihr!

Erfahre in dieser Episode „Kitesurfen auf Reisen“:

  • Was am Kitesurfen so cool ist
  • Wie fit du zum Kitesurfen sein musst
  • Welche Orte zum Kiten besonders zu empfehlen sind
  • Warum du zum Start in ein Kitesurfcamp gehen solltest
  • Wie so ein Kurs abläuft und wie viel Theorie du lernen musst
  • Ab wann es Sinn macht, mit eigener Ausrüstung zu reisen
  • Wie viel die Kiteausrüstung kostet

Shownotes übers „Kitesurfen auf Reisen“:

Die komplette Folge zum Nachlesen:

Sebastian: Herzlich willkommen zu einer neuen Off The Path Podcast Folge. Heute sprechen wir weniger über eine Destination, sondern vielmehr über einen Sport, den man mehr oder weniger fast überall betreiben kann, auf diesen besagten Reisen. Nicht gerade einfach, was den Transport angeht, aber dafür umso cooler und lustiger, wenn man ihn dann betreiben kann und es gelernt hat. Und zwar geht es um’s Kitesurfen. Heute habe ich einen Gast mit dabei und zwar die Miriam. Herzlich willkommen!

Miriam: Hi, herzlich willkommen! Danke!

Sebastian: Du bist begabte Kitesurferin, du reist ständig mit deinen großen Koffern und Taschen durch die Welt, um den perfekten Ort mit dem richtigen Wind zu finden. Warum Kitesurfen?

Miriam: Gute Frage! Ich habe schon immer viel Sport gemacht, habe immer total viel ausprobiert und bin irgendwie beim Surfen und beim Snowboarden gelandet. Ich habe auch eine Zeit lang Kampfsport gemacht – Taekwondo – und irgendwie habe ich immer wieder neue Sachen ausprobiert und es hat mich auch immer ein bisschen gecatcht, aber nie so langfristig. Vor 5 Jahren bin ich in die Dom. Rep., das war direkt nach meinem Studium, und habe dort einen Kitesurfkurs gemacht. Ich glaube, dass diese Kombination aus totalem Adrenalin, weil man vor allem am Anfang sehr an seine Grenzen geht, dass man sich bewegt, dass man aber auch in der Natur draußen ist, das hat auch etwas Meditatives. Dadurch, dass man sich so darauf fokussieren muss, ist man völlig in diesem Moment, in den Elementen und man muss gucken, wie Die Welle kommt, wie der Wind kommt. Das vereint so viele Aspekte und ich glaube, das ist das, was mich so gepackt hat. Vor allem natürlich das Adrenalin und die Endorphine, weil der Kite so eine Power hat und wenn man erst mal anfängt zu springen, dann bekommt man natürlich richtig Glücksgefühle zu spüren. Ich glaube, das ist eine Kombination aus vielen Aspekten, die mich gepackt hat.

Sebastian: Wie lange hast du damals in der Dom. Rep. gebraucht, um das zu lernen? Hast du es dort richtig gelernt oder hat es dann doch noch ein paar Kurse gebraucht?

Miriam: Ja, ich würde erst einmal empfehlen nicht in die Dom. Rep. zu gehen, um es zu lernen, weil das Revier nicht das Einfachste ist. Es ist tiefes Wasser, es ist welliges Wasser, man kann nicht stehen. Ich habe einen Anfängerkurs gemacht und der geht meistens drei Tage. Den würde ich auch auf jeden Fall empfehlen und den auch nicht kürzer zu machen. Ich hatte Privatunterricht, was einem sehr hilft, weil man es viel schneller lernt. Ich hatte da auch einen kleinen Unfall, weil ich nicht so einen guten Lehrer hatte. Ich war insgesamt drei Wochen dort und dann hatte ich noch ungefähr 10 Tage Zeit. Das war auch super, weil in der Dom. Rep. gibt es Supervisor, die passen dann auf einen auf und holen dich dann immer wieder aus dem Wasser raus und die laufen mit dir dann den Strand hoch oder fahren dir den Kite hoch. Und das ist ganz gut, wenn du weißt, dass da noch jemand auf dich aufpasst. Ich habe tatsächlich nur drei Tage Unterricht gehabt, aber dann noch fast eine Woche diesen Supervisor, der dann jeden Tag noch mit mir mitgegangen ist, auf mich aufgepasst hat. Und das habe ich damals auch gebraucht. Alleine hätte ich mich nicht sofort rein getraut. Das ist aber immer total unterschiedlich. Manche Leute brauchen mehr Unterricht, manche weniger. Die drei Tage wird es aber auf jeden Fall mindestens brauchen.

Sebastian: Wir haben zum Beispiel letztes Jahr in Südtirol gelernt.

Miriam: Echt? Wo denn?

Sebastian: Da waren wir am Reschensee. Das war richtig cool. Das ist kein Stehrevier, was jetzt für den Anfang vielleicht nicht so gut ist, sondern wir mussten in den tiefen See. Aber das Gute war, das es Süßwasser ist. Am Anfang schluckt man ja schon seine paar Liter Wasser beim Kitesurfen, aber das hat man dann gerne getrunken.

Miriam:  Nee, gerne getrunken habe ich es nicht und mir kam das Wasser echt überall raus. Wenn du dich dann abends bückst, dann kommt echt schon das Wasser aus der Nase heraus. Es ist schon fordernd.

Sebastian:  Nee, was ich meine ist, das war ja auf dem Reschensee und weil das Süßwasser ist, war das einfacher, weil man da kein Salzwasser trinken musste, sondern eben Süßwasser trinken musste.

Miriam: Ah, ja.

Sebastian:  Aber ja, das ist super fordernd. Zum Thema Lehrer in der Dom. Rep., das war wahrscheinlich ein englischsprechender Lehrer mit spanischem Akzent?

Miriam:  Ja, er konnte aber leider kaum englisch sprechen. Das war aber eine Ausnahme. Es gibt da auch super Lehrer, die perfekt englisch sprechen und zum Teil auch deutsch. Das damals war ein spanischsprechender Lehrer, der mit dominikanischem Akzent gesprochen hat, was auch nicht ganz einfach zu verstehen ist, selbst wenn man spanisch spricht. Er konnte ein paar englische Wortfetzen und hat die aber sehr spanisch ausgesprochen. Es war ein bisschen schwer zu verstehen. Wenn man sich einen Kitelehrer holt, dann würde ich auf jeden Fall darauf achten, dass man sich einen holt, den man gut verstehen kann. Wenn man sicher englisch spricht, dann ist englisch gut. Wenn man einen deutschen Lehrer bevorzugt, dann sollte man sich ein Revier suchen, wo man deutsche Lehrer findet.

Sebastian: Am besten ist es aber schon, wenn man einen Muttersprachler hat, also jemanden der deutsch spricht? Wir waren zum Beispiel vor zwei Wochen in Marokko, in Dakhla, um wieder richtig zu lernen. Wir waren eine Woche in so einem Camp, und das war richtig scheiße.

Miriam: Echt?

Sebastian: Ja, weil die Lehrer waren Marokkaner, die keine Lehrer waren. Weil sie dort in Dakhla aufgewachsen sind und sind sie natürlich mit dem Kitesurfen aufgewachsen. Die haben aber noch nie gelernt, jemandem etwas beizubringen oder es entsprechend richtig zu erklären. Dann haben die auch noch schlechtes Englisch gesprochen und haben sich auch immer widersprochen und wenn ich dann nichts verstehe, dann bin ich so schnell frustriert, wenn ich dann irgendwas nicht hinbekomme. Weil ich bekomme doch sonst irgendwie alles hin. Und das war sehr, sehr schlecht und auch sehr schlecht organisiert und entsprechend habe ich in den 7 Tagen so gut wie nichts gelernt.

Miriam: Oh je, okay!

Sebastian:  Deshalb meine Frage: Ist es dann nicht besser, wenn man zum Beispiel – das haben wir ja auch gemacht – zum Strand in Südtirol an den Reschensee fährt? Die Südtiroler sprechen deutsch oder man lernt oben in Laboe in Kiel bei Deutschen und wenn man dann erst später auf die Reviere außerhalb Deutschlands geht?

Miriam: Es ist natürlich immer besser es auf deutsch zu machen. Wenn man aber fließend englisch spricht finde ich, ist das auch kein Problem. Wenn es einem leichter fällt das in deutschsprachigen Ländern zu machen, dann würde ich das bevorzugen. Dann kannst du irgendwann, wenn du selbstständig bist, erst rumreisen. Es gibt aber zum Beispiel  in Ägypten mittlerweile ganz viele deutschsprachige Lehrer. In immer mehr Ländern kann man einfach mal die Kiteschule anschreiben und fragen, ob sie einen deutschsprachigen Lehrer haben. Da gibt es auch schon viele. Das sollte aber schon ein gut ausgebildeter Lehrer sein. Ich würde immer darauf achten, dass der eine IKO oder eine VDGS Lizenz hat, damit so etwas wie bei euch nicht passiert, weil die sollten schon eine Ausbildung durchlaufen haben und wissen, wie man unterrichtet.

Sebastian: Ja super. Gibt es denn sowas wie eine Plattform, wo man so etwas herausfinden kann, wie gut eine Kiteschule oder ein Kitecamp ist oder nicht?

Miriam: Ja, das ist schwierig. Eins was ich auf jeden Fall empfehlen kann, ist die Kitesurfer Gruppe Deutschland, das ist eine Facebook Gruppe. Es gibt auch Kitesurf Foren, da muss ich noch mal gucken, wie die heißen. Ich weiß nicht, ob du das irgendwie in die Shownotes  packen willst.

Sebastian: Genau, das kannst du mir dann nach dem Gespräch per E-Mail senden und dann packe ich die alle in die Shownotes.

Miriam: Ich habe jetzt ein paar Foren, aber ich finde diese Facebook Gruppe Kitesurfer Deutschland sehr gut und es gibt auch zum Beispiel Gruppen speziell für Mädels, das ist einfach die beste, weil die super schnell antworten und du bekommst ziemlich viele Meinungen. Sie können den meisten sagen, worauf du achten solltest und ob speziell die Schule gut ist. Was ich aber auch auf jeden Fall empfehlen kann ist, dir einfach die Spots raus zu suchen wo guter Wind ist und gute Bedingungen und dann selbst hinzufahren und dir einfach mal einen Tag Zeit zu nehmen. Schau dir mal fünf Schulen an, frag die Leute vor Ort und andere Kitesurfer, was die davon halten oder welche Schule sie am besten finden. Wenn man es im Internet bucht, dann sitzt man eben dort und wie bei euch und kann man nichts mehr daran ändern.

Sebastian: Ja, das ist ein sehr guter Tipp. Welche Orte auf der Welt kannst du zum Kiten besonders empfehlen? Vielleicht können wir das sortieren: Einmal für Anfänger, einmal für Leute, die sogar ein bisschen fahren können und dann für Profis. Was bietet sich da an?

Miriam: Ich hätte da lustigerweise auch Dakhla in Marokko gesagt, weil für Anfänger brauchst du am besten Flachwasser, Stehrevier, konstanten Wind, eine hohe Windwahrscheinlichkeit, damit du nicht den ganzen Tag am Strand rum sitzt, weil der Wind wieder weg ist.

Sebastian: Das bietet Dakhla sehr gut, zumindest in unserem Camp. Das war das Spirit Camp, das war einfach nicht gut, aber da gibt es auch noch ein paar andere Camps. Da gibt es sogar ein Camp, das wird von deutschen geführt. Vielleicht sind die besser.

Miriam: Ja, wenn man von Deutschland aus fliegt ist es Marokko; Ägypten ist auch super. Ich war zum Beispiel in Hamata diesen Frühling, und da hast du auch deutsche Lehrer. Die Station wird einem deutschen oder einem Schweizer geführt. Da hast du ein riesiges Stehrevier. Das ist alles super professionell organisiert. Das kann ich auf jeden Fall empfehlen. Das ist ein nettes Kite-Camp. Das sind Wohn______, wo man drin wohnt, wenn man die Low-Budget Version will. Man läuft dann drei Minuten zum Spot und da gibt es eine tolle Atmosphäre und ist perfekt für Anfänger.

Sebastian: Von dem Ort habe ich auch in Dakhla sehr viel gehört, weil viele, die vorher gekitet haben, die haben auch in Hamata gelernt und sind regelmäßig dorthin gereist und haben sehr davon geschwärmt.

Miriam: Ja, das ist echt ein toller Spot. Ich kann ihn auch für Aufsteiger und Fortgeschrittene empfehlen. Weil, wenn man dann ein bisschen besser kiten kann, kann man dort rausfahren. Da gibt es drei kleine Inseln, die darf man zwar nicht betreten, weil es Naturschutzgebiet ist, aber da gibt es ein wunderschönes Korallenriff – es ist auch ein tolles Tauchgebiet dort – und man kitet wie durch einen Swimmingpool und sieht unten die ganzen Riffe. Das sind natürlich auch wunderschöne türkise Farben bei diesen Inseln. Das ist auch für’s Auge ein schöner Spot.  

Sebastian: Sehr cool!

Miriam: Genau. Und das absolute Nonplusultra ist windmäßig Brasilien, weil du da fast 100% Windwahrscheinlichkeit hast, wenn du in den richtigen Monaten dahin fährst. Für Anfänger würde ich aber wieder Stehrevier empfehlen. Da ist Ilha de  ganz gut. Den Ort kann ich dir vielleicht auch noch mal schreiben. Der ist ein bisschen kompliziert auszusprechen. Tatajouba ist auch noch gut. Das sind beides Lagunen. Da hast du perfekte Bedingungen. Soweit ich weiß gibt es bei beiden Spots deutsche Lehrer oder zumindest deutsche Kiteanbieter, die vor Ort sind. Jetzt war ich gerade auch in Lemnos in Griechenland. Das ist auch ein ziemlich cooler Spot. Man hat schönen griechischen flair und die Atmosphäre an diesem Spot ist total cool. Das kennen noch nicht so viele Leute, es ist auch nicht so viel los im Wasser. Es ist aber nichts für sehr leichte Personen. Wenn eine Frau 50 kg wiegt oder Kinder, das ist eher schwierig, weil das ein Starkwindsport ist. Für Normalgewichtige ist es aber total zu empfehlen. Das hat mir auch super gut gefallen. Wenn man sonst weiter weg möchte, könnte man auch nach Zanzibar, nach Paje oder nach Langebaan in die Nähe von Kapstadt. Das sind beides Stehreviere.

Sebastian: Ja, Langebaar. Da waren wir auch. Das ist richtig schön dort.

Miriam: Genau, das sind für Anfänger glaube ich die Favoriten. Im Endeffekt ist es auch für Aufsteiger super, weil man dort einfach lernen kann. Wenn man die Welle bevorzugt, könnte man zum Beispiel nach Paracuru in Brasilien. Da hat man hinten eine Welle am Riff, vorne bei Low Tie Flachwasser und sonst Trop, also Cubble-Wasser. Brasilien bietet so viele Spots, da kann man zum Beispiel, wenn man fortgeschrittener ist, einen Downwinder machen. Da fliegt man nach Fortaleza und fährt dann komplett die ganze Küste runter über mehrere Tage und fährt von einem Spot zum anderen.

Sebastian: Ja, davon habe ich gehört. Die haben nämlich gerade in Marokko auch die allerersten Downwinder organisiert durch eine Militärzone. Der war super schlecht organisiert, das ging gar nicht, aber die Teilnehmer von diesem Downwinder haben erzählt, dass sie diesen Downwinder in Brasilien gemacht haben und das soll unglaublich gewesen sein, 500 km. Vielleicht weißt du mehr darüber. Es hörte sich total klasse an.

Miriam: Es ist wirklich unglaublich. Ich habe es selber noch nicht gemacht und es steht noch auf meiner Liste, aber man hat wirklich alle Spots, von Flachwasser, Lagunen hin zur Welle und es schaut immer anders aus. Es ist einfach total faszinierend. Ich kann das jedem, der auf einem höheren Level ist, empfehlen.

Sebastian: Ja, für alle die jetzt zuhören und sich fragen, was ein Downwinder ist: Man startet im Norden von Brasilien und reist mit dem Winder die Küste runter. Man muss dann nicht noch einmal hochfahren, weil das auch ein bisschen schwerer ist, richtig?

Miriam: Genau.

Sebastian: Man lässt sich also quasi runter treiben und dann schläft man immer in verschiedenen Camps oder Hotels an der Küste und macht dann am nächsten Tag weiter. Und das soll wohl ein riesengroßes Abenteuer sein. Es muss unglaublich geil sein.

Miriam: Ja, ich werde es auch bald machen.

Sebastian: Das findet einmal im Jahr statt oder wie ist das?

Miriam: Nee, es gibt viele Anbieter. Da muss man einfach mal im Internet gucken. Man kann sich das entweder selber organisieren, dass man sich einen guten Jeepfahrer sucht. Der fährt dann auch neben einem her, falls etwas passieren sollte, dann zieht er einen raus. Oder es gibt dann richtige Gruppen mit mehreren Leuten, die das zusammen machen und das wird in der Windsaison – die von September bis Dezember ungefähr ist – viel angeboten, von vielen Anbietern.

Sebastian: Achso! Okay, cool. Ich dachte, das wäre immer so ein besonderes Event einmal im Jahr, aber okay.

Miriam: Mittlerweile explodiert das. Ich glaube, vor ein paar Jahren war es noch ganz schwierig und dadurch, dass das jeder so cool findet, gibt es da gerade ganz viele Anbieter.  

Sebastian: Ja. Frage: Fitness. Eine Sache, die mich total überrascht hat und ich eigentlich vorher ein bisschen Schiss hatte ist, dass ich nicht fit genug bin zum Kitesurfen, weil es auch so anstrengend auf die Arme ist, weil man die ganze Zeit diesen unglaublichen Kite lenken muss, der unglaublich viel Kraft auf die Arme nimmt, was ja nicht so ist.

Miriam: Ja. Das schaut von außen natürlich immer so aus, aber dadurch dass man das Trapez um sich herum hat, da steckt die meiste Kraft drin. Um so besser man wird, desto mehr lässt man sich vom Trapez ziehen. Am Anfang zieht man doch noch mehr an der Bar. Man braucht ein bisschen mehr Kraft, aber im Endeffekt muss man kein Muskelprotz sein, um das zu machen. Eine Grundfitness sollte da sein, aber ich würde sagen, selbst eine Couchpotato würde das noch schaffen zu lernen.

Sebastian: Ja, ganz genau. Das ist eine dieser Misconceptions, wo Leute immer denken “Boah, Kitesurfen… das sieht so anstrengend aus, wenn man die ganze Zeit diesen Kite lenken muss”, aber dass die ganze Kraft des Kites im Bauch quasi steckt, das weiß man ja nicht. Deshalb, jeder, der jetzt denkt “Kitesurfen hört sich irgendwie ziemlich interessant an”, der sollte sich nicht von dem Gedanken leiten lassen, dass es auf die Arme anstrengend ist und dass man dafür ein Muskelprotz sein muss. Gibt es eigentlich viel Theorie, die man lernen muss, oder darf man schnell ins Wasser? Wie war das bei dir?

Miriam: Das ist immer dieses Problem: Jeder will sofort ins Wasser, aber man steht eigentlich am ersten Tag erst mal nur mit dem Kite am Strand und lernt den zu fliegen. Bevor du überhaupt ins Wasser kannst, musst du den kontrollieren können, sonst säufst du sofort ab oder crashst und kommst nicht mehr zurück. Meistens läuft der erste Tag so ab: Kite aufbauen, Sicherheitssysteme und Kite Control üben. Wenn du gut bist, kommst du am zweiten Tag schon zum Bodydraggen ins Wasser. Bodydraggen heißt, du wirst einfach von dem Kite durch’s Wasser gezogen, aber nimmst noch nicht dein Brett mit. Da lernst du dann auch besser die Kitekontrolle; probierst aus, wieviel Power der Kite hat; machst Übungen, wie du zum Beispiel für einen Wasserstart den Kite lenken musst oder später dann auch, wie du zu deinem Brett zurückkommst, falls du es mal verlieren solltest beim Wasserstart. Dann gehst du Bodydraggen mit dem Brett und hältst es aber nur in der Hand, machst auch noch nicht Wasserstart. Meistens so am dritten Tag kommst du wirklich auf’s Brett. Das sind Steps, die du durchläufst, aber du sitzt nicht irgendwo drei Tage in einem Zimmer und musst erst mal Theorie lernen.

Sebastian: Deswegen würde es eigentlich auch Sinn machen, eher in ein Camp zu gehen für eine Woche, wie wir es jetzt in Dakhla gemacht haben, damit man wirklich alles lernt. Weil diese einzelnen Steps sind eigentlich echt klein, aber die brauchen unglaublich viel Zeit bis man sich die gemerkt hat. Wenn du jetzt drei Tage Kurs machst, dann stehst du noch nicht. Und wenn du nach drei Tagen noch nicht stehst und dann wieder nach Hause fährst, ist das irgendwie auch nicht so dolle. Also sollte man doch eher eine Woche in einem Kitesurfing Camp buchen.

Miriam: Ja, auf jeden Fall. Das würde ich immer empfehlen, weil wenn man dann nach dem dritten Tag aufhört und vielleicht ist auch einen Tag lang kein Wind, dann ärgert man sich total. Man fällt am Anfang immer so ein kleines Stück zurück bis man wieder anfängt und hat dann wieder mehr Respekt und mehr Angst. Am besten sollte man eine Woche oder gleich zwei Wochen buchen, je nachdem wie windsicher das Gebiet ist, weil du vorhin gesagt hast Laboe. Deutschland ist zum Beispiel ein bisschen unsicherer vom Wind. Da kann man auch mal Pech haben, wenn man dann nur drei Tage hat und dann kommt man vielleicht nur einen Tag auf’s Wasser.

Sebastian: Ja, das ist bei uns genau dasselbe. Wir haben auf dem Reschensee in Südtirol angefangen mit zwei Tagen. Dann haben wir drei Tage nichts gemacht, dann haben wir wieder einen Tag in Laboe drangehängt. Da frischst du eigentlich nur alles auf, was du in Südtirol gelernt hast. Dann haben wir drei Monate nichts gemacht. Dann haben wir irgendwo in Tarifa zwei Tage drangehängt, aber so kommt man nicht zum Fahren. Und jetzt haben wir mittlerweile glaube ich eineinhalb Wochen Kitesurf-Unterricht gehabt, aber bisher sind wir nur 20 Meter gefahren, weil wir immer wieder alles auffrischen müssen und irgendwie nichts hinbekommen. Deshalb ist es glaube ich schon ganz gut, wenn man an einem Stück mit einer richtigen Schule, mit einem richtigen Lehrer durchpowert.

Miriam:Ja, auf jeden Fall.

Sebastian: Ab wann macht es denn Sinn und wann hast du deine allererste Ausrüstung gekauft und wie lange hast du gemietet?

Miriam: Ich würde das Kitesurfen erst mal ein bisschen ausprobieren und am Anfang auch noch leihen und wirklich schauen, ob es einem wirklich Spaß macht und ob es das wert ist, das zu investieren, weil es ist nicht ganz günstig.

Sebastian: Das ist einer der teuersten Sportarten, oder?

Miriam: Ja, das ist schon ziemlich teuer. Ich habe damals für eine Kiteschule gearbeitet und habe über die die Kites günstiger bekommen und habe mir deswegen relativ schnell mein eigenes Equipment gekauft. Ich würde sagen, wenn man wirklich überzeugt davon ist, dass man es weiter machen möchte und auch längere Zeit am Stück, also nicht nur für ein Wochenende, sondern wirklich sagt, man möchte drei bis vier Wochen im Jahr kiten, dann würde ich mir ein eigenes Equipment kaufen und würde auch gucken, ob es jetzt wirklich das Neueste sein muss oder ob es auch etwas Gebrauchtes sein kann. Bei einem Brett zum Beispiel kann man locker auch ein gebrauchtes kaufen. Es macht dann Sinn, wenn man wirklich viel auf dem Wasser ist und sich auch sicher ist, dass man viel auf dem Wasser ist und den Sport auch wirklich weitermachen möchte.

Sebastian: Denn man muss sagen: Was kostet so ein Kite? Oder was kostet eine normale Ausrüstung? Man braucht eigentlich immer, wenn es geht, zwei Kites oder?

Miriam: Ja. Ich bin auch mit einem gestartet, aber wenn es geht, dann sind natürlich zwei Kites besser. Dann brauchst du das Brett, das Trapez, die Bar, eine Pumpe. Es kommt auch auf die Kitemarken an, aber von guten Kites kostet allein schon der Kite um die 1.500 Euro. Dann kommt noch die Bar und so und dann bist du locker bei 4.000 Euro. Es gibt Starter Packages von kleineren Kitefirmen, da kannst du schon etwas für 1.500 Euro finden.Wenn man jetzt an einem Stück und an einem Spot lernt und eine bestimmte Kitemarke hat, dann würde ich mir auch die Kite-Marke holen, weil du weißt, du kommst mit dem Equipment zurecht und kannst es handeln. Es hat auch jeder ein anderes Sicherheitssystem. Sonst kann ich auch empfehlen, dass man einfach mal auf ein Kite Festival geht und unterschiedliche Kites ausprobiert und sich da wirklich gut beraten lässt oder in einen Surfshop geht und die mal fragt. Surfshop Kiel zum Beispiel ist super. Dass man die einfach mal fragt “Hey, was würde für mich als Anfänger passen?” usw.

Sebastian: Ja. Dann gibt es eine weitere Sache, die man beachten muss: Zum Beispiel einer der Teilnehmer vom Downwinder in Marokko, der hat glaube ich 600 Dollar pro Strecke für Übergepäck bezahlt, um sein ganzes Kitegepäck von den USA nach Marokko zu bringen. Das sind natürlich auch solche Sachen. Ich habe mal von einem Trick gehört. Vielleicht kannst du uns sagen, ob das stimmt: Wenn man Golftaschen nimmt und dort sein Kiteequipment reinpackt, dann ist das bei vielen Airlines kostenlos. Stimmt das?

Miriam: Es kommt immer darauf an. Ich muss auch sagen, man schaut ja nicht aus, wie der klassische Golfer und die fragen schon auch oft nach und gucken auch öfter mal rein. Dann hat man Pech gehabt. Bei mir selbst hat es nicht funktioniert, aber ich kenne Leute, bei denen es funktioniert hat. Man kann es auf jeden Fall probieren. Man muss wirklich gucken bevor man einen Flug bucht – ich fliege jetzt zum Beispiel auch von der Dom. Rep. nochmal zurück nach Deutschland und dann wieder in die USA, weil die Flüge mit diesen amerikanischen Airlines sind echt krass, also die Gebühren für das Sportgepäck.

Sebastian: Also ist es für dich günstiger von der Dom. Rep. nach Deutschland zu fliegen und dann von Deutschland in die USA, als von der Dom. Rep. in die USA?

Miriam: Ja, in meinem Fall war es günstiger wegen den Airlines und auch von der Reisezeit hat sich das mehr gelohnt. Aber es kommt auch immer auf die Airline an. Man muss einfach gucken. Was ich zum Beispiel super empfehlen kann ist Air Berlin. Wenn man sich da diese Servicekarte holt – die kostet 120 Euro im Jahr – dann bekommt man immer 23 kg Sportgepäck noch dazu. Da fliege ich jetzt auch öfter zum Beispiel in die Dom. Rep. oder auch in Europa, weil ich dann weiß, ich zahle das einmal im Jahr und habe das frei. Bei arabischen Airlines wie Ethiad und Qatar muss man auch immer gucken, weil sie zum Teil auch 10 kg Sportgepäck frei haben, egal was für ein Sportgepäck das ist. Es ist leider viel Recherche nötig. Da gibt es aber auch einen Blog, der heißt bluebirdKiTE und die haben von allen Airlines alle Gepäckgebühren aufgeschrieben für Kitesurfer.

Sebastian: Oh, das ist natürlich sehr hilfreich, den verlinken wir. Super! Viele Informationen, da hat man wieder viel gelernt. Es ist schon – wenn man viel reist und viel unterwegs ist – ein echt cooler Sport für Reisende.

Miriam: Auf jeden Fall. Für mich ist es so, ich lerne natürlich auch die Orte ganz anders kennen. Man lernt durch’s Kitesurfen Lifestyle Leute kennen und auch mehr Locals und das verbindet. Da ist sofort eine Ebene auf der man in die Kultur eintauchen kann. Es ist sicherlich ein schwereres Reisen mit 30 kg Sportgepäck, aber dadurch reist man auch etwas langsamer und ist nicht jede Woche an einem anderen Spot und lernt dadurch auch den Ort besser kennen an dem man ist.

Sebastian: Ja, das stimmt, sehr schön! Miriam, vielen, vielen Dank für deine Zeit und für deinen ganzen Input und deinen Antworten. Das hat uns sehr viel geholfen. Ich bin auch die ganze Zeit mit dem Thema Kitesurfen beschäftigt. Wie weit wollen wir das in Zukunft noch machen oder nicht? Und ich glaube, wir wollen es mehr machen. Das hat schon sehr viel Spaß gemacht. Es ist, wie du sagst, ein richtig cooler Sport und dieses Adrenalin, das man dann verspürt, wenn man auf diesem Brett steht. Es ist richtig cool!

Miriam: Ja, schön, das freut mich. Ich kann es auch nur weiter empfehlen und vielleicht sieht man sich ja auch mal irgendwo auf dem Wasser.

Sebastian: Genau! Herzlichen Dank!

Miriam: Ja, dir auch.

Sebastian: Tschüß!

Miriam: Ciao!

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