Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Reisen wir heutzutage wirklich besser?

Kannst du dir vorstellen, ohne dein Smartphone und Google Maps zu reisen, aber stattdessen diverse Landkarten mitzuschleppen? Nicht mal eben nach günstigen Flügen online schauen und dich so für deinen nächsten Trip inspirieren zu können, sondern dafür erstmal zum nächsten Reisebüro laufen zu müssen?

Das Internet und die heutige Technik haben unser Reiseverhalten und auch die Art und Weise wie wir uns für neue Abenteuer inspirieren unheimlich beeinflusst. Vieles ist wesentlich einfacher geworden und größtenteils auch billiger, aber Reisen wir dadurch heutzutage auch wirklich besser? Oder gibt es auch Nachteile, die die neue Technik mit sich bringt?

Wie sieht das Reisen heute im Vergleich zu früher aus? Was hat sich verändert und welche Erfahrungen machen wir heute auf Reisen? Ich bin diesen Fragen mal nachgegangen…

Reisen früher und heute

Wie sich das Reisen dank neuer Technologien verändert hat

Technik auf Reisen

Gerade ich bin ein absoluter Technik-Freak. Mein iPhone ist voll von nützlichen Reise-Apps und in meinem Rucksack schleppe ich mehr Elektronik mit mir rum, als Anziehsachen. Sofern ich auf das eigentliche Gewicht der Sachen schaue. Da wären neben meinem MacBook noch eine große Samsung Kamera, meine kleine Vlogging-Kamera von Sony, die Osmo für stabile Aufnahmen, ein Tablet, ein Kindle, eine Festplatte, externe Tastatur und Maus sowie einige Kabel, Akkus und ein universeller Adapter, um alles immer aufladen zu können. Ach ja, und manchmal habe ich auch noch meine Drohne in einem extra Rucksack dabei.

Ich weiß, dass nicht jeder so viel Elektronik dabei hat, aber die meisten reisen heutzutage zumindest mit einem Smartphone und einer Kamera, nicht selten wird auch der Laptop, das Tablet oder das Kindle eingepackt. Statt dicke Reiseführer mitzuschleppen, werden eBooks runtergeladen und die meisten Bücher gibt es heutzutage schon als Kindle-Version. So sparst du dir die unnötigen Papier-Kilos, wobei die Elektronik vom Gewicht her wahrscheinlich aufs selbe rauskommt.

Dafür kannst du auf deinem Kindle aber nicht nur ein bis ein paar Bücher, sondern so viele wie du willst mitnehmen! Gerade, wenn du vorhast länger zu verreisen, ist das natürlich genial und spart dir nicht nur die Kilos, sondern auch einiges an Platz.

Alles online

Die Buchung und Planung einer Reise

Aber es fängt schon viel früher an: Nicht nur im Gepäck und auf Reisen selbst, alleine schon bei der Planung einer Reise ist die Technik heutzutage gar nicht mehr wegzudenken. Während du früher noch ins Reisebüro gehen und diverse Kataloge durchforsten musstest und deine Reise letztendlich auch im Reisebüro gebucht hast, kannst du diese nun bequem aus dem Bett buchen und musst dafür noch nicht einmal deine Beine bewegen. Außer vielleicht, um den Laptop oder das Tablet zu holen.

Und während früher oftmals gleich die komplette Reise, vom Hin- und Rückflug, über jede Übernachtung bis hin zu jedem einzelnen Ausflug und Transport schon zuhause festgemacht wurde, buchen wir heute größtenteils nur die Flüge und vielleicht die ersten Nächte. Alles andere lässt sich dann bequem regeln, während wir bereits vor Ort und im neuen Land sind. Verrückt, oder?

Nach den besten Flügen schauen wir einfach bei Skyscanner oder Momondo nach, oder lassen uns hier überhaupt erst für den nächsten Trip inspirieren, indem wir das Ziel und das Datum komplett frei lassen. Sobald wir einen passenden Flug gefunden haben, buchen wir diesen dann auf der Seite der Airline selbst. Leute, die länger vor haben zu verreisen, oder auf Weltreise gehen, buchen oftmals sogar nur den Hinflug, ohne genau zu wissen, wie, wann und vor allem von wo sie zurück fliegen werden.

Das beste Hotel findet sich schnell und einfach über Buchungsportale wie booking.com, expedia.de oder agoda.com, die es dir auch ermöglichen, direkt vor Ort Unterkünfte zu buchen, teilweise noch für den selben Tag. Das Beste dabei: so kommst du oftmals an richtig gute Preise ran und profitierst von hohen Last-Minute-Rabatten.

Los geht’s: Die eigentliche Reise

Früher hast du deine Flugtickets und Hotelvouchers entweder direkt im Reisebüro bekommen, oder sie wurden dir per Post zugeschickt. Du hast wahrscheinlich vorher nochmals auf der Webseite des Flughafens, oder ganz früher im Teletext nachgeschaut, ob Verspätungen vorliegen und dein Flieger auch wirklich pünktlich abfliegt. Mit dem Ticket und diversen Buchungsbestätigungen ging es dann zum Flughafen, und dort angekommen hieß es erstmal Schlange stehen und warten, um ein zu checken und das Gepäck aufzugeben. Mindestens zwei, noch besser drei Stunden vor Abflug solltest du am Flughafen sein, um für alles auch wirklich genügend Zeit zu haben und den Flieger am Ende nicht zu verpassen.

Und heute? Heute bekommst du deine Tickets und Buchungsbestätigungen einfach als PDF per E-Mail zugeschickt, checkst rund einen Tag vor Abflug online ein und wählst dabei auch gleich deinen Sitzplatz. Apps wie TripIt benachrichtigen dich automatisch, falls dein Flieger Verspätung hat oder von einem anderen Gate als geplant abgeht. Am Flughafen musst du dann nur noch anstehen, um dein Gepäck abzugeben, oder du bist wie Line und ich nur mit Handgepäck unterwegs und kannst so gleich zur Sicherheitskontrolle, ohne vorher zum Schalter gehen zu müssen.

Sowohl bei der Sicherheitskontrolle als auch am Gate zeigst du einfach nur das eTicket auf deinem Smartphone vor und kommst dank des digitalen Codes ganz ohne Papierkram durch. Statt 2-3 Stunden vorher am Flughafen zu sein, kriegst du deinen Flieger heute sogar noch, wenn du nur 45 Minuten vor Ablauf am Flughafen ankommst, sofern du mit Handgepäck reist oder der Schalter zur Gepäckabgabe leer ist. Ziemlich easy alles und dank des gesparten Papiers noch dazu viel besser für die Umwelt!

Im Flieger

Kannst du dir vorstellen, im Flugzeug zu sitzen, während die Passagiere in den Reihen hinter dir alle genüsslich an ihren Zigaretten ziehen? Ich auch nicht! Und das, obwohl ich als Kind richtig viel zwischen Spanien und Deutschland hin und her geflogen bin und es zu dieser Zeit noch völlig normal war, dass im Flugzeug geraucht wurde. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, in einer fliegenden Rauchwolke zu sitzen und nach Zigarette stinkend aus dem Flieger zu steigen. Krass, wie sich manche Dinge doch ändern!

Aber nicht nur das, auch sonst war Fliegen früher irgendwie ganz anders. Früher haben alle gespannt den Flugbegleitern zugeschaut und zugehört, wenn sie die Sicherheitsregeln erklärt haben. Heute werden die All Blacks, das neuseeländische Rugby Team, und internationale Top-Rugby-Spieler angeheuert, um als Parodie auf den erfolgreichen Film Men in Black die Sicherheitsvorkehrungen in Form eines super witzigen Films zu zeigen. Auch Virgin America, United oder Delta haben ähnlich coole Filme produziert, während Flugbegleiter auf einem Flug von Southwest Airlines eine coole Stand-up Show einlegten. Alles, um die Aufmerksamkeit der Passagiere zu bekommen. Alles muss heutzutage eben entertainen.

Während es früher selbstverständlich war, dass du selbst auf einem kurzen Flug Getränke und Snacks bekommst, wundert sich heute keiner mehr über die teuren Preise mancher Airlines wie Ryanair oder EasyJet, die für eine Dose Cola gerne mal an die 3€ berechnen. Du hast richtig Hunger? Dann hol dir doch einfach dieses super leckere, frische, italienische Ciabatta-Sandwich für schlappe 7€!

Du möchtest mehr Beinfreiheit und in der Exit-Row sitzen? Kein Problem! Zahl einfach 30€ mehr und der Sitz gehört dir. Und ich dachte, es ist Pflicht, das mindestens eine Person in dieser Reihe sitzt, um im Falle eines Notfalls die Tür aufzumachen. Aber nun gut, dieser Fall ist natürlich sehr unwahrscheinlich (so wird es schließlich auch immer in den Sicherheitsvideos und von den Flugbegleitern betont) und jeder Euro mehr ein zusätzlicher Gewinn für die Airline.

Immerhin: es wird bei der Landung nicht mehr geklatscht. Außer natürlich, du sitz in einem Flieger der TUI auf dem Weg nach Mallorca.

Endlich angekommen!

Yeah! Neues Land, neuer Stempel! Von wegen. Immer weniger Länder nutzen heutzutage noch Stempel und statt bunten Blättern im Reisepass findest du heutzutage höchstens noch die Heftklammer vom Tacker und einen Fetzen Papier von deiner einstigen Einreisekarte. Irgendwie echt schade, oder nicht? Ich freue mich jedenfalls immer über Stempel und bin kein Fan davon, dass diese mehr und mehr aus der Mode geraten. Ich frage mich auch, warum das eigentlich so ist?

Kontakt mit Freunden und Familie

Früher haben viele ihre Freunde und Verwandte noch direkt nach der Landung vom Flughafen aus angerufen, sich in mittlerweile vom Aussterben bedrohte Telefonzellen gestellt, oder sich spätestens zuhause gemeldet, wenn sie im Hotel angekommen waren und das Zimmer eigene Telefon vor sich hatten.

Heute holst du dir direkt eine lokale Sim-Karte oder bekommst wie in Bangkok gleich eine beim Ausstieg aus dem Flieger in die Hand gedrückt und geschenkt, bereits mit Datenvolumen aufgeladen – versteht sich. Die Leute zuhause bekommen schnell eine WhatsApp-Nachricht, dass es dir gut geht, und später rufst du vielleicht noch kurz über Skype an oder schreibst eine etwas längere E-Mail.

Taxi wird per App bestellt

Früher musstest du an den meisten Flughäfen und Bahnhöfen Schlange stehen, bis du endlich in ein freies Taxi springen konntest, heute bestellst du es dir einfach bequem vor. Apps wie MyTaxi, aber auch neue Sharing-Unternehmen wie Uber sind einfach genial! Du gibst deinen Standort und dein Ziel ein, schon nimmt ein Taxi- oder Uber-Fahrer deine Buchung an und holt dich binnen weniger Minuten ab. Der Preis steht bereits vorher fest, du zahlst bequem mit dem Handy, kein Bargel und keine Kreditkarte notwendig, und die Fahrt ist komplett sicher, da alle Daten aufgenommen werden.

Der Weg mit den Öffentlichen ist leicht zu finden

Du willst auf Reisen lieber sparen? Gar kein Problem! Google Maps zeigt dir, wie du am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B kommst. Kein langes Karten studieren mehr, kein Verfahren, kein unendliches Durchfragen bei Einheimischen. Einfach den Anweisungen von Google Maps folgen, und schon weißt du, wie du mit den Öffentlichen am besten weiterkommst.

Das Hotel weiss bereits, wer du bist

Als Line und ich für eine Woche in Sydney waren, haben wir im ADGE Apartment Hotel in Surrey Hills gewohnt, ein richtig cooles Apartment-Komplex mit Rezeption und Concierge-Service. Beim Check-in haben uns die beiden Concierges eine Karte der Gegend gegeben, in der sie coole Cafés und Restaurants eingetragen haben, die uns gefallen könnten. Sie haben nämlich vorher unsere Instagram-Accounts durchstöbert und gesehen, dass wir Speciality Coffee lieben und gerne Burger sowie echte, italienische Pizza essen. Und die Läden waren allesamt richtig cool und wirklich genau das, was uns gefällt!

Warum nur ein Zimmer, wenn du auch ein richtiges Zuhause haben kannst?

Hotels haben immer mehr gute Gründe, sich durch besonderen Service oder andere, coole Annehmlichkeiten abzuheben. Denn immer mehr Menschen buchen keine Hotelzimmer mehr, sondern gleich ganze Wohnungen. Das Zauberwort hier ist AirBnB! Wenn wir länger als drei Nächte an einem Ort sind, holen Line und ich uns meistens ein Apartment auf AirBnB.

Um ehrlich zu sein, schaue ich oftmals schon gar nicht mehr nach Hotels an einem Ort, sondern direkt bei AirBnB, was es so für coole Wohnungen gibt. Und wir haben schon in echt fetten Apartments wie zum Beispiel in Kapstadt, aber auch in einer richtig coolen Villa in Canggu auf Bali gelebt.

Der Vorteil eines Apartments liegt schließlich klar auf der Hand: du kannst dir dein eigenes Essen zubereiten und oftmals sogar Wäsche waschen. So kannst du dir auf Reisen eine Menge Geld sparen! Und wenn du mit mehreren unterwegs bist, kannst du dir gleich ein ganzes Haus mieten und so wird es für jeden einzelnen für euch nochmals günstiger.

Außerdem sind viele Hotelzimmer super unpersönlich und kalt – ich wohne viel lieber in einem richtigen Zuhause!

Coole Cafés und Restaurants sind nur einen #Hashtag entfernt

Du bist auf der Suche nach einem gemütlichen Café oder einem richtig guten Steak? Frag einfach die Community! Früher musstest du dich oftmals auf die Empfehlungen der Hotelmitarbeiter oder des Reiseführers verlassen und hast nicht immer das passende Restaurant oder Café gefunden, oder du bist einfach durch die Gegend geirrt, bis du zufällig an einem coolen Ort vorbeigekommen bist.

Ich nutze schon seit einigen Jahren Foursquare, um nach guten Restaurants zu suchen, oder lasse mich dank diverser Hashtags auf Instagram inspirieren. Zwar kannst du auch auf TripAdvisor schauen, aber ich mag diese Plattform ehrlich gesagt nicht, weil hier nur Touristen Empfehlungen abgeben. Auf Foursquare sind es oftmals Einheimische und du landest so eher in authentischen Restaurants, die nicht überteuert sind.

Heute ist also also dank der Technik und der Online Community viel einfacher passende und gute Restaurants und Cafés zu finden, in denen du auch wirklich unter Einheimischen und nicht unter Touristen isst!

Überall fette Kameras und Selfie-Sticks!

It’s selfie time! Yihaaa! Mal ehrlich: Wann fing dieser Unsinn an und wann hat er ein Ende? Nicht nur die Selfie-Sticks werden überall auf der Welt aus dem Rucksack gekramt, auch fette Kameras. Früher konnten sich die wenigsten solche Kameras leisten und nur Profis sind mit riesen Objektiven durch die Gegend gelaufen. Heute gehört solches Fotoequipment hingegen zur Standardausstattung eines jeden Reisenden. Und wenn es keine Spiegelreflexkamera ist, dann ist es zumindest das neueste Kompaktkamera-Model. Oder das iPhone. Oder – ganz schlimm – das iPad.

Reisemomente

Was bedeuten all diese Veränderungen für unsere Reiseerfahrung?

All diese technischen Entwicklungen sind wirklich praktisch, haben das Reisen einfacher und auch ein wenig sicherer gemacht. Doch wie sieht es mit unserer eigentlichen Reiseerfahrung aus? Reisen wir nun auch wirklich besser? Ich bin mir nicht so sicher, gerade wenn ich mir mein eigenes Reiseverhalten als Reiseblogger anschaue.

Neues Land und doch nicht fremd

Manchmal frage ich mich, ob wir beim Reisen wirklich noch Neues erleben, ob es wirklich noch Überraschungen gibt. Früher war jede Reise eine Reise ins Unbekannte, eine Reise ins Abenteuer. Du hast vielleicht vorher ein wenig im Reiseführer vom Land gelesen, kennst Geschichten und Erzählungen deiner Bekannten oder Bilder aus dem Fernsehen.

Aber sonst weißt du nichts. Du kommst voller Spannung im Land an, saugst alles mit deinen Augen auf, beobachtest. Alles ist neu, alles ist unbekannt, alles ist spannend.

Heute ist das ganz anders: du hast dir bereits vor deiner Reise diverse Webseiten angeschaut, Blogbeiträge gelesen, alle Bilder des Hotels oder deines AirBnB Apartments dreimal angesehen und warst vielleicht auch schon mit Google Street View im Viertel deiner Unterkunft spazieren. Du weißt genau, wo sich das nächste Café befindet, wo du einen leckeren Burger bekommst und wie viel dieser kosten wird.

Du kommst an und du weißt gleich, wie der Haase läuft, wo du hin musst, wie die Straße und wie dein Badezimmer aussieht. Auch für dich ist alles neu, aber eben nicht mehr unbekannt, nicht mehr ganz so spannend. Denn du hast alles bereits online gesehen.

Ist das nicht irgendwie schade? Klar, es ist toll, dass wir bereits vorher alles checken können und so nicht unnötige Zeit mit Suchen verschwenden oder gar verzweifelt sind, weil wir nicht wissen, wie wir vor Ort klar kommen sollen. Aber killt das nicht auch die Spannung, das Abenteuer, das früher immer Teil der Reise in ein neues Land war? Wo bleibt das Neue, wo die Überraschung, wo die Spannung?

Sind wir wirklich weg von zuhause?

Früher warst du wirklich weg, du warst auf Reisen und kaum zu erreichen. Am Flughafen oder Bahnhof wurde sich noch richtig verabschiedet, es wurde alles Gute gewünscht und es fließen auch öfters mal die Tränen. Bei deiner Ankunft wurdest du von der ganzen Familien und deinen Freunden, einem richtigen Empfangskomitee begrüßt. Die Freude war groß, dich wieder und lebendig zu sehen. Mit größter Spannung wurden deine Geschichten erwartet und jeder hat sich über deine Erfahrungsberichte gefreut.

Heute nimmst du deine Familie und Freunde quasi mit auf Reisen. Dank WhatsApp, Skype, Facebook, Instagram, YouTube und Co. bleibst du ständig in Kontakt mit ihnen, schreibst Nachrichten oder siehst sie sogar regelmäßig über Videotelefonie. E-Mails werden ebenfalls von unterwegs beantwortet und Facebook hält den Freundeskreis immer up to date.

Bei deiner Abreise wird sich nicht großartig verabschiedet, ihr habt schließlich schon den den nächsten Skype-Call ausgemacht, lest und seht euch sowieso alle paar Tage. Bei deiner Rückkehr sind alle Geschichten bereits bekannt, viel zu erzählen hast du nicht wirklich. Und deine besten Bilder haben alle längst auf Instagram gesehen.

Natürlich ist es toll, dass wir auch auf Reisen immer Kontakt mit den Zuhausgebliebenen halten können, aber macht nicht auch das Einiges am Reisen kaputt? Sind wir wirklich noch weg von zuhause? Wo bleibt hier die Spannung, wo die Zeit für sich selbst, die Ein- oder Zweisamkeit? Wo ist die Freude geblieben, wenn sich nach einer längeren Zeit wieder gesehen wird?

Leben wir weniger im Moment?

Eben weil wir andauernd unser Smartphone und die Kamera dabei haben, habe ich manchmal das Gefühl, dass wir weniger wahrnehmen. Und gerade ich bin ein gutes, oder besser ganz schlechtes Beispiel dafür: ständig wird das Handy gezückt, um mal hier eine Nachricht nach Hause zu schreiben, um nach einem coolen Café mit Wifi in der Nähe zu suchen, um einen Post auf Facebook zu veröffentlichen oder ein Kommentar zu beantworten, um das neueste Instagram zu teilen, um, um, um.

Dann muss natürlich jeder Moment mit der Kamera festgehalten werden. Sei es mit der des iPhones oder eben mit der großen Kamera. Hier ein Bild vom Essen, da ein Bild von der genialen Aussicht. Auch die Giraffen-Mama, die mit ihrem Baby durch die Savanne streift, muss natürlich die ganze Zeit gefilmt und zwischendurch fotografiert werden, um auch ja ein cooles Bild für später zu haben. Für später.

Ich weiß, ich bin da absolut nicht anders, aber muss das wirklich sein? Können wir nicht einfach mal im Hier und Jetzt, im Moment leben und das Leben einfach genießen, wie es ist. Muss jeder Moment mit der Kamera festgehalten werden, muss jede Erfahrung auf Social Media geteilt werden?

Früher – habe ich jedenfalls das Gefühl – haben wir weitaus mehr im Hier und Jetzt gelebt, den Augenblick wirklich genossen und uns nicht gestresst, unbedingt ein geniales Bild vom Augenblick schießen zu müssen. Früher haben wir mehr gelebt und dadurch auch mehr erlebt.

Gibt es noch das echte Abenteuer?

Tja, und jetzt bin ich bei einer Frage angekommen, die mich als Abenteuer-Reiseblogger wirklich nachdenklich macht: Gibt es noch das echte Abenteuer? Ich meine, selbst mitten im Australischen Outback, mitten im Nichts, wo weit und breit keine Menschenseele war, hatten Line und ich bei unserem letzten Roadtrip durch den Westen Australiens noch 3G. In manchen kleinen Ortschaften mitten in der Pampa sogar 4G.

Wirklich einsam waren wir also nicht, konnten immer noch mit unseren Freunden zuhause hin und her schreiben, konnten immer noch Google Maps aufrufen und uns absolut nicht verfahren. Und selbst wenn du mal keinen Empfang hast, kannst du dir Karten speichern und offline abrufen. Du siehst ein komisches Tier und weißt nicht, ob es vielleicht eine giftige Spinne ist? Google einfach oder frage in einer Facebook-Gruppe nach und schon hast du die Antwort. Wo bleibt da das Abenteuer?

Reisen heute

Das Abenteuer lebt weiter, auch heute noch!

Ich glaube, das Abenteuer ist heute ein anderes. Es besteht darin, dass du heutzutage super flexibel reisen kannst. Dass du eben nicht die komplette Reise bereits zuhause vorplanst und alles buchst. Dass du vor Ort entscheiden kannst, wo du morgen hinfährst und was du erleben möchtest. Statt, wie eigentlich gedacht, nach Vietnam weiter zu fliegen, kannst du einfach spontan nach Laos fliegen, weil du von anderen Backpackern gehört hast, dass es in Laos noch viel cooler ist und sich weniger Reisende in das Land verirren.

Dank Suchfunktionen wie “Alle-Orte” von Skyscanner kommst du auf die Idee, in Länder zu fliegen, über die du zuvor noch nie nach gedacht hast. Länder wie der Oman, Nepal, oder vielleicht Guatemala. Dank des Internets und Blogs wie Off The Path bekommst du Inspiration für diverse Abenteuer wie eine Segeltour durch die Antarktis oder eine Reitsafari in Südafrika. Ich bin mir sicher, dass du früher keine Tausend Bücher durchwühlt hättest, um von diesen Abenteuern zu erfahren!

Außerdem traust du dich vielleicht eher, solche Abenteuer tatsächlich zu erleben, eben weil du dich bereits vorher über sie informieren konntest und dadurch deine Angst leichter überwinden kannst. Ich bin der Meinung, dass das Abenteuer nie aussterben wird und wir heutzutage sogar viel leichter Abenteuer erleben können, zum einen durch die neu gewonnene Flexibilität, zum anderen dadurch, dass wir überhaupt erst über sie erfahren.

Zum Glück wird es auch immer Länder und Regionen geben, in denen es keinen Empfang, keine Cafés mit Wifi und kein 3G gibt. Sodass selbst ich gezwungen bin, mich auf meine Kenntnisse und Instinkte zu verlassen, und eben nicht auf die Apps meines iPhones. Und wenn alles nichts hilft, kann das Smartphone und der Laptop auch einfach mal zuhause gelassen werden, die Kamera im Rucksack bleiben und der Moment einfach mal so genossen und wahrgenommen werden, wie er ist…

Reisen ist viel einfacher geworden

Jeder ist selbst für sein Tun verantwortlich und letztendlich haben all die Entwicklungen doch auch etwas Gutes: Reisen ist viel einfacher geworden, mit alten sowie neuen Freunden lässt es sich auf Reisen viel besser in Kontakt bleiben, die Familie zuhause macht sich weniger Sorgen und kann deine Abenteuer gleich miterleben, das Essen schmeckt viel besser, weil du dank der Online Community gleich weißt, in welches Restaurant du gehen solltest, dank AirBnB hast du überall auf der Welt ein gemütliches zuhause und das Internet gibt dir immer wieder neue Inspiration für dein nächstes Abenteuer!

Was meinst du, reisen wir heutzutage besser als früher? Kann es noch echte Abenteuer geben?

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4 Kommentare zu „Reisen wir heutzutage wirklich besser?

  1. Marco on

    Zugegeben, mir geht es wie Sebastian, doch eines möchte ich auf keiner Reise missen. Den direkten Kontakt zu Fremden. Wenn ich nur stur den Anweisungen von Google Maps folge finde ich zwar problemlos meine Sehenswürdigkeit, doch wieso nicht versuchen, den Weg dahin selber zu finden? Bei Einheimischen nach den Weg fragen? Sich verlaufen und etwas entdecken was man sonst nie gesehen hätte?
    Mal ein Abenteuer wagen? Und wenn gar nichts mehr geht, dann hilft Google Maps weiter…

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  2. York on

    Heute hab ich mein Abendessen direkt am Strand eingenommen. Die flut kam und Tisch und Stuhl nebs meine Beine wurden zuweilen etwas überflutet, aber spass machte so ein Dinner in den Fluten allemal. Ein paar Meter weiter ein echnesische Familie (8 Leute, darunter 2 Männer). alle sassen vor leergeräumten Tellern, aber keine sprach. Jede Frau hatte sich irgendwohin abgewandt und starrte auf ihr smartphone. Niemand hatte einen blick für die Wellen, für den Sonnenuntergang, für den kuopferfarbenen Mond, der bald aufzog. Niemand prostete sich zu, niemand sprach. Ob wir besser oder schlechter reisen liegt komplett bei uns. Wir entscheiden, welchen Raum die Technik einnimmt und ob wir gedankenverloren uns von ihr beherrschen lassen oder mehr in der Gegenwart und der jeweiligen Umgebung leben. Ich trinke noch meinen Cocktail und mach mich auf den Weg zur Unterkunft, bevor es nun Nacht wird. Ohne google maps.

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  3. Globetreter on

    Wenn Du nur noch mit der Dokumentation Deiner Reise beschäftigt bist bleibt Dir kein Raum für das tatsächliche Reiserlebnis. Erst wenn Du Dich von all diesen Dingen befreien kannst und Dir das nicht mehr wichtig ist offenbart sich die Gelegenheit des Erlebens. Situationen bestehen, Momente erfahren, Fremden Menschen vertrauen zu müssen. Das Gefühl zu haben mal alleine zu sein. Zu erfahren das Du nie alleine gelassen wirst, weil Dir andere helfen (eben ohne die Vernetzung und Technik). Zu erkennen das der Mensch zum Leben all den SchnickSchnack nicht braucht. Dann hat sich eine Reise gelohnt. Und wenn Du dann noch erkennst in welchem priviligiertem Land wir leben dürfen dann noch besser. Es ist nicht wichtig, das andere sehen was Du schon erlebt hast, wo Du schon gwesen bist und was Du schon tolles erlebt hast. Das ist alles Konsum. Reisekonsum. Bist selber ein Tourist, willst Dich aber nicht so nennen! Aber ich meine in Deinem Text den einen oder anderen Zweifel erkannt zu haben. Versuchs mal ohne und Du brauchst keinen Rucksack mit zig
    Kilo Technik mehr durch die Weltgeschichte zu schleppen.

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  4. Weltentdeckerin on

    Hallo Sebastian,

    Ich finde es am schönsten so einfach wie möglich zu Reisen. Mit Einfach meine ich eher ursprünglich. Einfach natürlich Reisen, mit den Einheimischen zusammen Essen, auf der Matratze am Boden schlafen. Reisen als Lebensgefühl- nicht um möglich viel Sehenswürdigkeiten zu sehen. Reisen entschleunigen, weniger Fliegen, mehr zu Fuß gehen. Möglichst viele Menschen kennen lernen und verrückte Abenteuer bestreiten, sich verlaufen, den Sternenhimmel sehen, möglichst viele Erfahrungen machen und das Leben spüren.

    Viele Grüße, Anja

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