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Und dann denkst du dir so: Warum bin ich eigentlich nach Aarhus gezogen?

Im September 2012 bin ich nach Aarhus gezogen, weil ich das erste Jahr meines Masters hier absolvieren sollte. Cool, dachte ich. Dänemark ist bestimmt ganz nett. Heute denke ich: Cool, jetzt sind mir auch noch meine Füße abgefroren und meine Hände sind auch schon blau, vor Kälte! Ungelogen, Winter in Aarhus ist hart.

Winter in Aarhus

Winter in Aarhus

Schon am Tag meiner Rückkehr aus Berlin wurde ich mit einem heftigen Schneesturm begrüßt und habe mich so direkt wieder neu in dieses kleine Städtchen verliert. In meinem letzten Post hat man vielleicht eine kleine Wehmut gegenüber meiner Abfahrt aus Berlin gemerkt. Ich habe Aarhus eine Chance gegeben und dachte, hey, endlich sehe ich die Leute in der Uni wieder und kann den Geruch der Zimtschnecken wieder 24/7 genießen. ABER: Leute, die mich kennen wissen, dass ich eventuell nicht der geborene Schneemensch bin und so ein paar Grad mehr doch bevorzuge. Normalerweise überlebe ich solche Winter auch, aber hier, in Aarhus, ist es schon eine Herausforderung meiner Kreativität.

Herausforderung Nummer Eins: Was zieht man denn so an?

Na klar haben die praktischen Dänen die perfekten Klamotten für dieses Wetter. Schneeboots in allen Formen und Größen sind gerade total angesagt. Ich dagegen überwintere mit meinen, immerhin ganz gut aussehenden, Wannabe-Winterboots, die beim kleinsten Schneehügel schon den Geist aufgeben. Aus einem Paar Handschuhe sind bereits zwei geworden und das ‚schnell’ mal ausziehen wird zum 5-Minuten-Akt. Der H&M Mantel gibt auch fast den Geist auf und dank meines fast einjährigen Aufenthalts besitze ich mehr Tops als alles andere. Super.

Herausforderung Nummer Zwei: Wie kommt man denn von A nach B?

Biking?

Biking?

Ok, ich gebe zu, dass das Kleidungsproblem im Vergleich zu dem des Transportes eine Kleinigkeit ist. Das Fahrrad ist der beste Freund aller Dänen, und vor allem derer, die in Aarhus leben. Es gibt zwar den ein oder anderen Bus, allerdings fahren diese unter der  Woche nur noch bis zu einer bestimmten Uhrzeit, die es nicht zulässt, mal ein gemütliches Feierabend-Bier in einer Bar zu trinken. Ich wagte vor ein paar Tagen den ersten Versuch mit dem Fahrrad in die Innenstadt zu fahren. Diese endete in einer 30-minütigen Fahrt (es dauert normalerweise 15 Minuten) und einigen belustigten Blicken der erfahrenen Schnee-Fahrradfahrer in Aarhus. Es kann noch so kalt sein: es gibt immer ein paar Überlebende, die den Berg in Aarhus mit dem Fahrrad erklimmen. Verrückt.

Herausforderung Nummer Drei: Wie überlebt man den Winter in Aarhus?

Ja, ok. Das hat schon was, wenn man herausschaut und alles weiß ist. Erst vor kurzem traf ich meinen Mitbewohner in der Küche. Er schaute beeindruckt aus dem Fenster und fragte mich nur: „Schön, oder?“ Bei schön meinte er die vom Schnee bedeckte Landschaft unseres Hofes. Bäume, Straßen, Autos, Wäscheleinen, alles weiß, aber nach drei Wochen kann auch mal gut sein. Weder meine Kleidung noch mein fahrbarer Untersatz und schon gar nicht das öffentliche Verkehrssystem lassen einen Meckerdeutschen, wie mich, den Winter in Aarhus überstehen. Nein, es ist nicht toll, wenn man um 10 aufwacht und es um 16 Uhr bereits stockdunkel ist. Es ist auch nicht überragend, wenn man aus Versehen den Bus verpasst und 10 Minuten in der eisigen Kälte, durchtrieben von netten Winden der Ostsee und der Luftfeuchtigkeit in Aarhus, auf den nächsten Bus warten muss. Dazu kommt, dass Aarhus mehr und mehr verlassen wirkt. Bis auf den täglichen Weg zur Arbeit oder zur Uni, nehmen die Leute in Aarhus selten einen weiteren Weg nach draußen auf sich. So kann es mal passieren, dass man um 20 Uhr am Abend durch leer Straßen läuft und keine einzige Menschenseele trifft.

In meiner ersten Woche in der Uni, wurden wir schon auf folgendes vorbereitet: Aarhus hat 15 Monate. Das heißt, man hat die normalen 12 Monate eines Jahres und dann gibt es da noch: November, November, November. In anderen Worten: ab November an gibt es für drei Monate die volle Ladung Kälte, Regen, Schnee, Hagel und alles andere, was nicht ansatzweise zu einer guten Laune führt.

Winter in Aarhus

Winter in Aarhus

Ich verkriech mich jetzt wieder ins Bett und warte auf… Sommer?

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