Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Willkommen in der inspirierenden Stadt der Welt. Willkommen in Istanbul.

Photo von masterlu

Ich kam spät in der Nacht am Atatürk Airport an. Müde, aber glücklich – 400 EUR mehr in der Tasche, da der Flug am Nachmittag überbucht war und ich mir so noch ein Mittagessen bei Omi gesichert hatte – sah ich das Schild: Welcome to the most inspiring City of the World. Welcome to Istanbul. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, was damit gemeint war.

Am nächsten Morgen, sagen wir lieber Nachmittag, wachte ich bei einem Freund (Can) zu Hause auf, der mich die ersten Tage bei sich aufgenommen hatte. Glücklicherweise war ich in der Nacht nicht gezwungen gewesen ein Taxi in ein Hostel nach Sultanahmet zunehmen, sondern konnte mich darüber amüsieren, wie Can den Taxifahrer auf Türkisch zu seiner Wohnung durch die vielen, vielen Ö und Ü auf den Straßenschilden in den Nordwesten von Istanbul lotste. In keinem Wort hatte ich je so viele Ö und Ü gesehen wie in gürültülü oder görüşürüz, richtig lustig.

Ich wollte erstmal mit dem Bus nach Taksim, das größte von den vielen Zentren auf der europäischen Seite von Istanbul und von dort ein bisschen mit der Erkundungstour starten, ehe ich mich abends mit Can traf. Leichter gesagt als getan. Zwei Hände voll von Bauarbeitern auf der benachbarten Baustelle versuchten mich zur nächstgelegenen Bushaltestelle zu losten. Keine Chance ohne eine einziges Wort Türkisch – Merhaba zählt ja nun wirklich nicht! Eine Busfahrkarte zu kaufen war mit Bargeld schlicht unmöglich und als der Busfahrer anfing lauter und lauter zu schreien, erbarmte sich ein hübscher Fahrgast, meine Fahrt mit seiner Karte für mich zu zahlen. Ich musste auch so eine IstanbulCard besorgen. Dazu gibt’s zu einem späteren Zeitpunkt einen Blogentry, wie man in Istanbul von A nach B kommt.

Die Fahrt nach Taksim (gott…ähm…Allah Sei Dank ohne Umsteigen) dauerte um die 2 Stündchen. Wie sich herausstellen sollte: Peanuts für Istanbul. Meine erste Anlaufstelle in einer riesigen Masse aus Tauben, Menschen, Autos und Geräuschen war: Starbucks. Irgendwas, was ich kenne und wo es 100%ig einen Kaffee gibt zum Wachwerden. First Lesson: Während einer Busfahrt im Sommer in Istanbul sitzt man irgendwo, wo es schattig ist und ein Lüftchen weht, nirgendwo sonst. Second Lesson: Wenn du kein Wort der Sprache verstehst (gilt nicht nur für Türkisch), lächeln und mit den besten Fertigkeiten, die uns Activity gelehrt hat, versuchen, deutlich zu machen, was du willst.

Nach 4 Tagen war das erste Gefühl von Überforderung überstanden. Ich hatte mich an das Tempo, die Geräusche und die Massen gewöhnt. Ich war ein gefürchteter Taubenjäger, hatte die Stadt aus verschiedenen Winkeln von ein paar Rooftop Bars gesehen (Alter, bei so einem Ausblick war selbst ich sprachlos), hatte das Bier gekostet und war ein paar Meter über den teilweise katastrophalen Straßenbelag gelaufen. So stand ich am Abend meines vierten Tages in Istanbul, mit 2 Taschen (ich war auf dem Weg zum Busbahnhof, um nach Thessaloniki zu fahren) am Sultanahmet Square. Gerade hatte ich mir ein Acma und ein Wässerchen von dem einen Straßenverkäufer gekauft, der unermüdlich versuchte, mich zu überzeugen, dass seine Simits und Co. viel besser wären als die von den anderen 9858623784 Kerlen. Ich suchte einen freien Platz zum Sitzen, aussichtslos. Es war das Ende des Ramadan, das große Zuckerfest. Dort, wo sich normalerweise die Touristen die Klinke in die Hand geben, saßen viele Familien zusammen, unterhielten sich und waren in froher Erwartung auf den Sonnenuntergang, um endlich die Essenschlacht zu beginnen.

Ich erinnere mich an diesen Moment sehr gut: Da waren Kinder, die nicht locker ließen, ihren Müttern, Tanten und Schwestern Süßigkeiten abzuluchsen. Da saß ein alter Mann auf seinem Höckerchen (das hoffentlich nicht gleich zusammenbricht) mit einer Tasse Cay in der Hand und diesem Untertellerchen, das man wirklich überall sieht. Da war ein Pärchen, ungefähr so alt wie ich, wahrscheinlich Touristen, die sich darüber stritten, was denn jetzt die Blaue Moschee und/oder die Sulanahmet Camii ist (beides genau das gleiche). Und dann war da noch diese Lücke zwischen den Häusern, durch die man den Bosporus sehen konnte und zwischen den großen Öltankern die Fähren kreuzen sah.

Plötzlich ging die Sonne unter, die Lichter gingen an, der Muezzin (Mama sollte ihn später liebevoll „Jammerlappen“ nennen) sang und ich stürzte mich auf’s Essen. Maassallah, Istanbul. Ich strahlte über beide Ohren, wie das türkische Honigkuchenpferd. Dieses Strahlen, wenn man genau weiß, dass das erst der erste von vielen großartigen Momenten war.

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