Western Wilds

Ein Roadtrip durch Tasmaniens wilden Westen

Eine Woche lang fahren wir mit unserem Camper durch den Westen Tasmaniens und tauchen dabei ab in eine Welt, die wie aus einer vergangenen Zeit zu sein scheint: Dichte Regenwälder, atemberaubende Wasserfälle und eine fast surreale Urlandschaft begrüßen uns im wildesten Teil des wilden Tasmaniens, den Western Wilds.
Dabei begegnen wir nicht nur süßen Tierchen und verlieren uns in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Western Wilds, sondern erleben auch eine Menge Abenteuer – schließlich ist Tasmanien nicht umsonst die Outdoor-Insel Australiens. Ob beim Kajaken auf dem Pieman River, beim Wandern rund um Cradle Mountain oder beim Canyoning: Hier wartet ein unvergessliches Erlebnis nach dem anderen.
Und für die nötige Entspannung zwischendurch sorgt neben unserem gemütlichen Camper auch eine Outdoor-Badewanne mitten in der Natur!

Wanderung zu den Russell Falls im Mount-Field-Nationalpark

Unsere erste Station führt uns von Hobart zum Mount-Field-Nationalpark. Gerade einmal 1,5 Stunden ist dieser von der quirligen Hauptstadt Tasmaniens entfernt und vor allem für seine vielen wunderschönen Wasserfälle bekannt. Die Sonne scheint und dennoch ziehen wir uns eine leichte Jacke an, denn nun geht es durch dichten Regenwald weiter. Links und rechts ragen riesige Farne in die Höhe und wir können uns kaum an den tiefen Grüntönen sattsehen.

Plötzlich springt ein kleines Wallaby direkt vor unseren Füßen über den Weg! Es bleibt kurz stehen und schaut uns direkt an. Es ist eins der niedlichsten Wesen, das wir je vor die Kamera bekommen haben. Und so schnell es gekommen ist, ist es auch schon wieder weg. Zum Glück soll es nicht das letzte dieser kleinen Kängurus sein, das wir auf unseren Abenteuern im Westen Tasmaniens antreffen.

Wir laufen weiter, immer an einem kleinen Bach entlang, und nach 10 Minuten erreichen wir die Russell Falls. Wir sind sprachlos: Einen so schönen Wasserfall haben wir nicht erwartet! Über zwei Stufen stürzen sich die Wassermassen hier ca. 50 Meter in die Tiefe und geben ein gigantisches Bild ab – kein Wunder, dass die Russell Falls als die schönsten Wasserfälle der Insel gelten.

Entspannung pur beim Baden mitten in der Natur

Der nächste Morgen hält eine besondere Überraschung für uns parat: Statt uns wie üblich unter die Dusche zu stellen, entscheiden wir uns für ein heißes Bad. Und zwar mitten in der Natur. Auf dem Left of Field Caravan Park bietet Inhaber Adrian eine Outdoor-Badewanne mit Blick ins Grüne.
Wir entscheiden uns für ein morgendliches Bad zum Sonnenaufgang und hören beim Baden zu, wie die Welt um uns herum langsam aufwacht. Neben der Wanne brennt ein kleines Lagerfeuer und während wir die wohltuende Wärme genießen, trinken wir noch einen frisch zubereiteten Tee – besser kann man einen Tag wohl kaum starten!

Kurvenreiche Fahrt entlang des Lyell Highway

Vom Mount-Field-Nationalpark fahren wir anschließend weiter Richtung Cradle Mountain. Die Strecke von Hobart nach Queenstown ist allgemein bekannt als der Lyell Highway und sehr kurvig – der Spitzname 99 Bends wird uns schnell klar. Wir legen eine kurze Pause am Lake St Clair ein und fahren weiter bis in die frühere Minenstadt.

Kurz vor Queenstown entdecken wir den Iron Blow Lookout: 1883 wurde hier Gold entdeckt und heute zeugt ein riesiges Loch vom Abbau. Neben dem fantastischen Ausblick übers Linda Valley sind hier insbesondere die verschiedenen Farben der Gesteinsschichten beeindruckend: von Beige und Gelb über Kupfer und Orange bis hin zu Rot und dazu der Kontrast des türkisblauen Wassers.

Wandern

im Cradle Mountain-Lake St Clair National Park

Es ist an der Zeit, unsere Wanderschuhe auszupacken. Mit dem Shuttlebus lassen wir uns vom Eingang des Nationalparks bis zum Dove Lake fahren, der letzten Station. Hier starten wir unsere Wanderung mit einem wunderschönen Ausblick auf den berühmten Cradle Mountain, dem Wächter über Tasmaniens Urlandschaft.

Tatsächlich ist die Landschaft, die wir nun durchstreifen, wie aus einer vergangenen Zeit. Es sieht aus wie eine Art Sumpfgebiet: Karge Bäume ragen aus einer hohen, braun-grünen Graslandschaft empor. Dazwischen erheben sich vereinzelt immer wieder Hügel. Zum Teil geht es über schmale felsige Wege, zum Teil über Holzpfade. Egal, wohin wir gucken, blicken wir in eine surreale Welt.

Und auf einmal blicken wir auf eine kleine Gruppe Wombats. Unbeeindruckt von unserer Gesellschaft grasen die plüschigen Fellknäuel friedlich vor sich hin. Wombats sind übrigens die einzigen Tiere weltweit, die würfelförmigen Kot ausscheiden – warum, ist bis heute ungeklärt. Die Wombats bedeuten aber auch, dass wir uns dem Ziel unserer Wanderung nähern: Nach ca. zwei Stunden erreichen wir den Ronny Creek Car Park, von wo aus uns der Shuttle wieder zurück zu unserem Camper bringt.

Pures Abenteuer beim Canyoning im Dove Canyon

Tag 4 unseres Roadtrips steht an und damit ein ganz besonderes Abenteuer: Wir gehen Canyoning! Nachdem wir unser Equipment ausgehändigt bekommen haben, fahren wir mit einem kleinen Van in den Nationalpark rein. Vom Interpretation Center laufen wir zunächst entlang des Cradle Valley Boardwalks Richtung Dove River. Zum Schluss geht es leicht bergauf und oben angekommen quetschen wir uns in unsere Wetsuits.

Unser Abenteuer beginnt mit Abseilen aus 17 Metern Höhe – schließlich müssen wir irgendwie in diesen Canyon hineinkommen. Unten begrüßt uns eine wunderschöne Schlucht, umgeben von Regenwald. Vor uns liegen sechs Wasserfälle, die es zu meistern gilt. Das absolute Highlight ist die Laundry Chute: Eine 10 Meter hohe natürliche Rutsche, die uns aus einer Höhle, The Pit genannt, in einen großen offenen Pool schießt – ein unvergessliches Erlebnis!
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Kajaken auf dem Pieman River bei Corinna

Vom Cradle Mountain-Lake St Clair National Park fahren wir weiter in den Westen, nach Corinna. Rund zwei Stunden sind wir mit unserem Camper unterwegs und fahren die letzten Kilometer durch dichten Regenwald. In Corinna angekommen, erwartet uns der Pieman River, der sich breit und seelenruhig durch Tasmaniens Tarkine schlängelt. Weder Fernsehen noch Radio oder Handyempfang gibt es hier, dafür die wunderbare Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Western Wilds.

Wir mieten uns Kajaks und paddeln los. Kaum auf dem Wasser, überträgt sich die Ruhe dieses abgelegenen Ortes auf uns. Wir sind ganz allein, um uns nichts als die Geräusche des Regenwalds. Mit jedem Paddelzug dringen wir tiefer in ihn hinein, und mit jedem Paddelzug scheint die Landschaft wilder zu werden: Sattes Grün ragt ins dunkle, gemächlich vor sich hin fließende Flusswasser hinein – auch hier scheint es, als würden wir in eine fast vergessene Welt reisen.

Straßenabenteuer auf der Western Explorer Road

Der nächste Tag führt uns entlang der Western Explorer Road von Corinna Richtung Norden. Kaum ein anderes Auto begegnet uns auf der rund 100 Kilometer langen Strecke. Ein Schild warnt, dass hier die nächsten Stunden nicht mit Handyempfang zu rechnen ist – und da ist es wieder: dieses Kribbeln bei uns im Bauch, das Kribbeln, das jedes Abenteuer mit sich bringt.

Fast drei Stunden brauchen wir für den Weg, der uns durch ganz unterschiedliche Landschaften führt: Zunächst durchqueren wir eine hügelige Landschaft, die uns immer wieder grandiose Aussichten beschert, in der Ferne thronen riesige Berge, später fahren wir durch eine Art Savannenlandschaft und dann wiederum durch meterhohe Eukalyptuswälder.

So schön ist das Ende der Welt

Unser Straßenabenteuer ist noch nicht zu Ende: Durch sattes Grün folgen wir dem Tarkine Drive bis zur Trowutta Arch. Ein letztes Mal ziehen wir unsere Wanderschuhe an und laufen immer tiefer in den Regenwald hinein. 10 Minuten später eröffnet sich uns ein gigantisches Bild: Der natürliche Bogen entstand bei einem Zusammenbruch, bei dem sich auch zwei Krater bildeten.

Später fahren wir weiter bis nach Arthur River. Es geht durch eine Dünenlandschaft, neben uns das Meer. Hier und da folgen wir Schildern zu kleinen einsamen Buchten, bis wir das Schild mit der Aufschrift „The Edge of The World“ erreichen. Hier ist der Ozean rau und wild, Wellen brechen im Sekundentakt und auch diesmal sind wir sprachlos. Sprachlos von der Schönheit und Einsamkeit der Western Wilds.