Verreisen und Freundschaften: Zwischen Abschied und Neubeginn, und wie du beides unter einen Hut bringst!

Sonnenuntergang - Freundschaft

Du packst deinen Rucksack und leerst ihn wenig später in einem völlig anderen Land wieder aus. Du schließt die Tür zu deinem vertrauten Zuhause und findest dich ein paar Stunden später in deinem neuen Zuhause auf Zeit wieder; manchmal in einem nicht wirklich komfortablen Hostel, mal in einem gemütlichen Apartment mit Meerblick oder auch in einem wunderschönen Hotel mit super gemütlichen Betten. Du verabschiedest dich von deinen Freunden und deiner Familie und ziehst wenig später schon mit fremden, anderen Reisenden durch ein neues Land. Und dann, nach ein paar Wochen oder Monaten, heißt es den Schalter wieder umlegen und alles in umgekehrter Reihenfolge abspielen. Hört sich so einfach an, ist aber oftmals der schwierigste Teils des Reisens überhaupt! 

Denn Verreisen bedeutet Veränderung – Veränderung deines Umfelds, deiner Beziehung zu dir selbst, aber auch deiner Beziehung zu Anderen. Wie sehr du dich veränderst oder verändert hast, merkst du oft erst, wenn du wieder in dein gewohntes Umfeld zurückkommst und dich mit deinen Freunden und deiner Familie austauschst.

Vor und nach einer Reise treffen zwei Welten aufeinander: Abschied und Neubeginn.

Von vertrauten Menschen musst du dich verabschieden, knüpfst aber auf Reisen neue, wertvolle Kontakte. Von diesen musst du dich dann irgendwann aber auch wieder verabschieden, vielleicht gerade dann, wenn es besonders schwer fällt, weil ihr eine richtig gute Zeit zusammen hattet. Dafür wirst du von deinen „alten“ Freunden zuhause sehnsüchtig erwartet. Es gibt viel aufzuholen und noch mehr zu erzählen.

Verreisen bedeutet also ein permanentes Verschieben, oder besser ein ständiges Kommen und Gehen von Freundschaften. Einige sind ein wenig oberflächlich, einige gewachsen und tief. Bei manchen Freunden weißt du, du kannst sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, sie sind immer für dich da, und du kannst komplett offen und ehrlich mit ihnen reden. Genau diese Freunde werden dir beim Verreisen, egal wo du bist, beistehen und für dich da sein. Welche dir wichtig sind, musst du wissen, aber eins ist sicher: Du musst diese Freundschaften pflegen, auch auf Reisen, sonst kann eine Lücke entstehen, die nur schwer wieder zu schließen ist.

Verreisen und Freundschaften: Der Unterschied zwischen Freundschaften zuhause und auf Reisen!

Langjährige Freundschaften zuhause

Freundschaften, die du zuhause geknüpft und über Jahre aufgebaut hast, sind meist intensiv und tiefgründig. Vielleicht hast du noch Freunde aus dem Sandkasten oder der Schule, die dich nun schon fast ein Leben lang begleiten, deine Höhen und Tiefen miterlebt, dich aufgebaut haben und in schwierigen Zeiten für dich da waren. Neue Freundschaften können diese Verbundenheit verständlicherweise schon allein aufgrund des Zeitfaktors nicht erreichen.

Deine Freunde zuhause kennen dich und deine Macken sehr gut und wissen, wie sie damit umgehen müssen. Du kannst dich bei ihnen komplett so geben, wie du bist, und musst dich nicht zusammenreißen oder verstellen, wenn es dir nicht gut geht.

Diese Freundschaften auf Reisen zu pflegen ist definitiv eine Herausforderung für beide Seiten und stellt eure Freundschaft auf eine Probe. Hier zeigt sich, wer ehrliches Interesse an dir hat, auch wenn du tausende Kilometer entfernt bist, wer merkt, dass es dir nicht gut geht, immer mal wieder nachfragt und wer für dich da ist. Wer sich die Zeit nimmt dir zu schreiben oder mit dir zu telefonieren, auch wenn er beruflich oder privat viel zu tun hat, wer nicht nur in seiner eigenen Welt lebt, sondern in wessen Gedanken du auch über tausende Kilometer Entfernung bist.

Kontakt halten über die Entfernung

Der technische Fortschritt mit Smartphones, Internettelefonie und einfachen Chatapps hat die Kommunikation über Kontinente zwar erleichtert, zum Hörer greifen musst du aber immer noch selbst. Zeitunterschiede und schlechte Verbindungen können einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Nichtsdestotrotz ist es wichtig, den Kontakt aufrecht zu erhalten und die Möglichkeiten hierfür zu nutzen, sobald sich eine Chance bietet. Es ist zwar oft so, dass, wenn du nach Hause kommst, die Bindung immer noch genauso da ist, aber ein kleiner Teil eures Lebens definitiv ungeteilt an euch vorbeigegangen ist. Beim ersten Treffen könntet ihr euch stundenlang unterhalten, aber die Gespräche bleiben manchmal doch etwas oberflächlich, weil ihr auch nicht alles bis ins kleinste Detail erzählen könnt und vielleicht auch schon einiges vergessen habt. Manches geht leider verloren. Und es sind schließlich oft die kleinen Momente und Erlebnisse, die immer wieder zusammenschweißen.

Neu geknüpfte Freundschaften auf Reisen

Freundschaften auf Reisen sind etwas ganz Besonderes. Im Vergleich zu neuen Bekannten daheim, hast du von Anfang an eine gemeinsame Basis, die Leidenschaft fürs Reisen. Gesprächsthemen werden euch erstmal nicht ausgehen, und du spürst sofort eine gewisse Verbundenheit.

Freundschaften mit anderen Reisenden sind oft, wenn die Chemie stimmt, von Anfang an sehr intensiv, vor allem wenn sich dadurch Reisebuddies ergeben und ihr gleich gemeinsame Abenteuer erlebt. Nichts schweißt mehr zusammen als gemeinsame Erlebnisse, die ihr mit Sicherheit euer Leben lang nicht vergessen werdet.

Außerdem wird die gegenseitige Hemmschwelle schnell überwunden. Oft teilt ihr euch schon nach kurzer Zeit ein Bettchen und lernt die Eigenheiten des Anderen schnell kennen. Das kann natürlich Vor- und Nachteile haben und im schlimmsten Fall auch dazu führen, dass du merkst, dass eure Reisestile vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen. Im besten Fall aber findest du auf Reisen Freunde fürs Leben, die du das nächste Mal vielleicht irgendwo anders auf der Welt wieder triffst oder die du sogar auch mal in ihrer Heimat besuchen wirst.

Neugier und Zugehörigkeitsgefühl beim Verreisen

Du wirst vielleicht schon an dir festgestellt haben, dass Reisen deine Neugier weckt. Denn wenn du schon mal einen längeren Weg und die Unsicherheit und das Abenteuer, das ein völlig neues Land mit sich bringt, auf dich genommen hast, solltest du natürlich das Maximale aus deiner Reise herausholen! Du willst etwas erleben und deinem Abenteuerdrang nachgehen, denn nur dafür bist du schließlich in den Flieger gestiegen. Neben dem Land und seinen Menschen, sind aber auch andere Reisende einfach wahnsinnig spannend. Ihr könnt euch über eure Erlebnisse in den verschiedenen Ländern austauschen, aber auch von euren Kulturen und Traditionen zuhause berichten. Selten ist es so einfach, Menschen aus verschiedenen Ländern zu treffen und sie näher kennenzulernen.

Ein ganz anderes Zugehörigkeitsgefühl zu einem Land erreichst du, wenn du Freundschaften mit Einheimischen schließt. Sie ermöglichen es dir, tiefer in das Land einzutauchen und führen dich an Orte, die du sonst nie entdeckt hättest, abseits der bekannten Pfade. Einheimische sind oft ganz besonders bemüht, dir ihr Land, ihre Traditionen und ihre Kultur näherzubringen und das solltest du nutzen!

Wo du diese Kontakte knüpfst, liegt an dir. Manchmal kann schon eine Frage nach dem Weg dazu führen, dass du Nummern austauschst und ihr euch am gleichen Abend gemeinsam in einer Bar wiederfindest. Auch wie viel du über das Land erfährst, liegt in deiner Hand. Stell so viele Fragen wie möglich und zeige dein Interesse. Die Informationen, die du erhältst, werden dich bereichern und du findest sie in keinem Reiseführer!

Die Freundschaft mit einem Einheimischen bedeutet natürlich – genauso wie die mit einem anderen Reisenden – eine Verbindung auf Zeit, zumindest eine physische. Du verbringst eine oft kurze, aber sehr intensive Zeit mit dieser Person und siehst sie vielleicht aufgrund unüberwindbarer Distanzen dein Leben lang nie wieder. Das heißt aber nicht, dass diese Freundschaft enden muss, denn wie bereits erwähnt, gibt es in der heutigen Zeit so viele Möglichkeiten, zumindest ab und zu ein Lebenszeichen zu senden und sich nach dem Anderen zu erkundigen.

Doch wie schaffst du es, einerseits während des Reisens Freundschaften von zuhause und andererseits neu geschlossene Freundschaften auf Reisen zurück in der Heimat aufrecht zu erhalten?

Zeit nehmen

Freunden auch trotz räumlicher Distanz Zeit zu schenken, ist die Grundvorraussetzung, dass Freundschaften bestehen bleiben. Wenn du dazu nicht bereit bist, solltest du dir überlegen, wie wichtig dir deine Freunde zuhause sind. Natürlich hast du auf Reisen wenig Zeit und bist oft mit anderen Dingen und vor allem mit dir selbst beschäftigt, aber mit etwas Kreativität kannst du fast jeden Tag ein wenig Zeit für deine Freunde zuhause schaffen. Dies gilt in gleicher Weise mit Freundschaften, die du auf Reisen geschlossen hast, und nun von zuhause aufrecht hältst. Auch wenig Zeit ist dabei besser als gar keine.

Kontinuierliches Kontakt Halten

Je nachdem, wie viel du rumreist oder wie viel Zeit du an einem Ort verbringst, ist es entweder einfacher oder schwieriger Kontakt mit Freunden zuhause zu halten. Dank Facebook, Instagram und Co. sehen die Daheimgebliebenen zwar immer, wo du dich gerade aufhältst und was du gerade Tolles erlebst, aber das reicht auf Dauer nicht. Denn sind wir mal ehrlich, wie viele echte, dicke Freunde sind unter deinen Facebook-Freunden? Die Posts sind doch eher oberflächlich und für die Allgemeinheit gedacht.

Eine kurze Chat Nachricht mit einem individuellen Bild für den besten Freund hilft schon eher, die Freundschaft mit dem Daheimgebliebenen zu erhalten. Der Nachteil von Hin- und Herchaten ist aber einfach, dass du nicht wirklich viel schreiben oder ins Detail gehen kannst. Eine längere Nachricht abzutippen kostet Zeit und die nehmen wir uns oft nicht. Eine gute Alternative sind Sprachnachrichten, die du über WhatsApp verschicken kannst. So lässt sich schnell viel erzählen, und dein Freund kann wieder in Form einer Sprachnachricht antworten.

Noch besser ist natürlich Telefonieren. Wenn du gutes WLAN hast, nimm dein Handy in die Hand und ruf über Facetime zuhause an. Macht einen Termin aus und los geht’s! Per Telefon kannst du mal etwas weiter ausholen, deine Gefühle und kleine Anekdoten am Rande erzählen. Und von deinem Gegenüber wirst du mehr erfahren als in einem simplen Chat.

Gleiches gilt für Freundschaften, die du beim Verreisen geschlossen hast. Bleib dran und melde dich – nicht nur zum Geburtstag!

Aufmerksam bleiben

Braucht es wirklich Facebook, um an den Geburtstag eines guten Freundes erinnert zu werden? Bitte nicht! Wo sind nur die Zeiten, in denen man entweder einen Geburtstagskalender hatte oder sich die wichtigsten Daten im Kopf gemerkt hat? Lang, lang ist’s her. Um sicherzugehen und niemanden zu vergessen, solltest du dir die wichtigsten Termine und Geburtstage in deinem Handy speichern.

Hinzu kommen andere Termine und Tage, die im Leben deiner Freunde eine wichtige Rolle spielen. Sei es ein Vorstellungsgespräch, ein wichtiger beruflicher Termin, die Hochzeit oder gar der Geburtstermin des Babies. Wenn du etwas im Gespräch oder Chat erfahren hast, merke es dir oder setz dir eine Erinnerung ins Handy und frag nach oder wünsch davor „viel Glück“. Damit zeigst du Interesse und dass du nun nicht nur in deiner neuen Reisewelt lebst.

Egoismus ablegen

Wenn du dich lange nicht gemeldet hast, warte nicht darauf, dass dies deine Freunde von zuhause tun, sondern spring über deinen Schatten und melde dich selbst bei ihnen! Lass sie wissen, dass sie dir immer noch wichtig sind und du einfach nur sehr beschäftigt warst. Solche Phasen der längeren Funkstille sind grundsätzlich nicht schlimm und zeugen auch nicht automatisch von Desinteresse, aber lass deine Freunde wissen, warum du dich nicht gemeldet hast, und sie werden es dir verzeihen.

Aber trotzdem: Du bist losgezogen und hast deine Freunde zurückgelassen. Du bist es, der viel Neues, Schönes erlebt und neue Freundschaften schließt. Natürlich sollte auch von deinen Freunden zuhause Interesse da sein, deine Abenteuer zu verfolgen und wissen zu wollen, wie es dir geht. Wie das in allen Beziehungen eben ist, sie bestehen aus Geben und Nehmen, und das sollten beide Seiten auch trotz großer räumlicher Distanz nicht vergessen.

Treffen organisieren

Dieser Punkt bezieht sich natürlich nur auf Freundschaften, die du auf Reisen geschlossen hast, mit Leuten, die aus allen möglichen Ländern kommen. Am Ende eurer gemeinsamen Zeit verabschiedet ihr euch, bleibt vielleicht noch ein paar Wochen oder Monate in Kontakt, und dann verläuft es sich. Das muss nicht sein!

Wenn dir diese Freunde wirklich wichtig sind, organisiere eine weitere gemeinsame Reise oder lade sie zu dir nach Hause ein, gleich mit einem konkreten Terminvorschlag. Je nachdem, wo ihr herkommt, reicht auch nur ein verlängertes Wochenende. Ihr könnt in Erinnerungen schwelgen, aber auch Neues zusammen erleben. Wie das nämlich oft so ist, sind meistens alle begeistert und sofort dabei, wenn nur mal einer die Initiative erreicht.

Vernachlässige deine Freunde zuhause auf Reisen nicht, aber genieße auch neu geknüpfte Freundschaften!

Dass sich Freundschaften verändern ist schon immer so gewesen, aber dass sie oft nur von kurzer Dauer sind und nicht mehr so intensiv aufgebaut werden können, ist leider ein Nebeneffekt, wenn du viel auf Reisen bist. Hier entscheidet sich oft, ob eine Freundschaft Potential für eine wirklich lange, tiefe Verbindung hat.

Freundschaft ist und bleibt aber dennoch etwas sehr Wertvolles, das nach der Familie und dem Partner zu den wichtigsten Ankern des Lebens gehört. Und genau deswegen lohnt es sich, alte Freundschaften nicht aufzugeben und auslaufen zu lassen. Gleichzeitig solltest du aber auch die Neugier und das Interesse an neuen Freundschaften auf Reisen nicht verlieren! Beide Formen der Freundschaft bereichern dein Leben und sind es wert aufgebaut und konstant gepflegt zu werden.

Wie hältst du es auf Reisen mit Freundschaften? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Sebastian Canaves
Sebastian Canaves - Reise
Dir gefällt unser Beitrag?

4 Kommentare

  1. Meine Erfahrung zum Thema: Loslassen. Wenn man sich auf Reisen so sehr verändert oder so sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist, dass man zu Hause nicht mehr richtig dazugehört, muss man das eben so hinnehmen. Es ist hart, aber die tollen Reiseerfahrungen bringen einen auch durch diese schwere Phase. Gilt auch für Bekanntschaften von den Reisen selbst. Trotz sozialer Medien sind mir zwei drei tiefe Freundschaften, egal wo auf dem Globus, wichtiger, als regelmäßige oberflächliche Updates.

    1. Auf jeden Fall! Man braucht im Leben nicht viele Freunde, sondern ein paar, auf die man sich einfach 100%ig verlassen kann. Oberflächlichkeiten haben in Freundschaften nichts zu suchen. Heutzutage sehen das aber leider immer weniger Menschen so.

  2. Augen auf bei der Auswahl der Freunde, denn Qualität, nicht Quantität zählt. Mein ganzes Leben lang habe ich mich sehr schwer getan Freundschaften zu schließen. Aber die, die ich schloss sind mir viel wert (und das ist gerade mal eine Handvoll). Meine Freunde sind mein Rückhalt und meine Inspiration. Sie sagen mir schonungslos und ehrlich ihre Meinung – auch wenn mir die nicht immer schmeckt.
    Sie bringen mich zum Nachdenken. Sie erwarten nichts und geben viel. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. Egal wo ich bin, sie sind für mich da. Tag und Nacht. Ich lache mit ihnen, sie trocknen meine Tränen, wir führen tiefgründige Gespräche und wir wissen, dass wir uns alles anvertrauen könnten. Ohne Angst haben zu müssen, dass es irgendwann die Runde macht.
    Freundschaft ist ein Geben und Nehmen. Es geht nicht darum, dass man sich ständig sieht, schreibt, miteinander telefoniert. Freundschaften halten auch Pausen aus. Kein „das-letzte-Mal-habe-ich-mich-gemeldet-jetzt-bist-du-dran“. Wer Bedarf hat, sucht den Kontakt, egal ob viermal hintereinander oder 2 Monate gar nicht. Freunde sind Alles – besser wie Verwandte oder Partner. Freunde sucht man sich selbst.

    1. Das sehe ich genauso. Man braucht nicht viele Freunde, aber wenn man sich auf die Handvoll verlassen kann und sich so geben kann, wie man sich gerade fühlt, ist das Gold wert. Solche Freundschaften überstehen auch nahezu jede Distanz bzw. Reise. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.