Mach jeden Tag zu deinem Abenteuer!

Podcast: Im Zug durch China mit Manuel Losso

Auch wenn China laut, dreckig, voller Menschen und einfach so ganz anders als Europa ist, hat das Land einiges zu bieten. Ein besonderes Abenteuer ist die Reise mit Bus und Bahn, um so die unterschiedlichen Landschaften vorbeiziehen zu sehen und Einheimische authentisch zu erleben – auch wenn die Kommunikation schwierig ist!

Manuel hat sich in China ins Abenteuer gestürzt und unter anderem darüber auf seinem Blog Into the World berichtet. Wie seine Reise genau ablief, was vier Wochen Reisen durch China kosten und wie du 36 Stunden Zugfahrt überstehst, hörst du in dieser 41. Off The Path Podcast Folge von ihm.

Erfahre in dieser Episode „Im Zug durch China“:

  • Warum eine Zugfahrt von Peking nach Hong Kong abenteuerlich ist
  • Wo du Tickets kaufen kannst
  • Was du bei der Beantragung des Visums beachten musst
  • Wie du dich in China verständigst
  • Welche Reiseführer dir bei der Organisation helfen
  • Wie viel eine 4-wöchige Reise durch China kostet
  • Welche Spezialitäten es in China gibt

Shownotes über „Im Zug durch China“:

Die komplette Folge zum Nachlesen:
Sebastian: Herzlich willkommen zu einer neuen Off The Path Podcast Folge! Heute sprechen wir über China. Ich habe Manuel zu Gast, der sitzt gerade in Thailand auf Koh Chang und ist vor kurzem von Peking nach Hong Kong mit dem Zug gereist. Er wird uns heute erzählen, wie das so war, was er dort erlebt hat und worauf man achten sollte, wenn man das nachmachen möchte. Er hat bestimmt viel gelernt und ich bin gespannt. Manuel, herzlich willkommen!
Manuel: Hallo, ich grüße dich!
Sebastian: Du sitzt jetzt gerade auf Koh Chang, das ist richtig?
Manuel: Genau, ich sitze gerade in Thailand, habe einen Bungalow auf Koh Chang, schaue schön in den Dschungel rein und freue mich darüber, ein bisschen über China zu reden.
Sebastian: Sehr schön. Wann warst du dort?
Manuel: Ich war 2014 das erste Mal dort, also schon vor zwei Jahren und habe das Ganze letztes Jahr noch einmal für Freunde von mir geplant. Die haben das nochmal mitgemacht und gesagt, es hat sich nichts verändert. Es war genauso, wie ich es damals erlebt habe. Es ist immer noch sehr cool und sehr abenteuerlich.
Sebastian: Sehr cool! Also, du bist damals von Peking bis nach Hong Kong gereist. Das ist eigentlich eine Schnellfahrstrecke, ne? Also, man kann da auch in einem Zug schnell durchfahren, aber das hast du nicht gemacht. Wie viele Kilometer hast Du damals zurückgelegt?
Manuel: Man kann das an der Küste entlang machen, bei Shanghai. Da sind diese Highspeed Trains, die dort mit 300 Sachen durch die Pampa fahren und das kann man insgesamt, glaube ich, in drei oder vier Tagen schaffen. Wir haben es aber durch’s Landesinnere gemacht – ich rede von wir, weil ich das damals mit einer guten Freundin zusammen gemacht habe. Wir haben insgesamt 5.000 km in vier Wochen zurückgelegt. Im Nachhinein gesehen war es extrem cool und lustig, aber ich würde es nicht mehr machen. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich würde die Strecke fliegen. Wir haben alles mit dem Zug und Bus gemacht, weil wir gesagt haben “Hey, das wollen wir machen. Wir wollen mal schauen, wie das klappt und ob es überhaupt möglich ist”. Im Nachhinein würde ich aber jedem empfehlen: Fliege! Es ist nicht viel teurer, weil wir hatten wirklich 48 Stunden Zugfahrten. Es war sehr abenteuerlich, es war lustig, wir haben sehr nette Menschen kennengelernt, aber man kann das alles auch entspannter machen.
Sebastian: Naja, aber ich gehe mal davon aus, dass, wenn man so eine Reise macht, dass man die dann auch sehr bewusst macht. Dass man auch weiß, dass man sehr lange unterwegs ist, statt zu fliegen, oder? Ich meine, das wusstest du ja auch vorher, dass du viel länger unterwegs sein wirst als deine drei Stunden mit dem Flieger.
Manuel: Ja, natürlich. Deswegen haben wir es ja auch gemacht. Wir haben gesagt, wir wollen das probieren, ob das überhaupt möglich ist. Man muss sagen, man findet im Vorhinein nicht so viele Reiseinformationen im Internet, weil es glaube ich noch nicht so viele Menschen so extrem gemacht haben wie wir es jetzt getan haben. Als wir in Peking angekommen sind und den Leute erzählt haben, was wir vorhaben, die haben uns alle fast schon ausgelacht. Die meinten “Ihr spinnt, ihr seid verrückt!” und wir “Nein, das machen wir, das ziehen wir jetzt durch” und das haben wir auch gemacht und es war sehr, sehr lustig. Es war auf alle Fälle die Reise wert und es war sehr interessant. Wir haben sehr viel über China gelernt. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hatte ein ganz anderes Bild. Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt, als es dann eigentlich war. Das ist bei den meisten Ländern so, aber China hat mich echt geflasht muss ich sagen.
Sebastian: Wie war das? Was für ein Bild hattest du vorher von China und was war das Bild, das du dann nach der Reise von dem Land und den Menschen hattest?
Manuel: Ich weiß es nicht. Wir haben da auch das erste Mal wieder darüber gesprochen und uns gefragt, welches Bild wir vorher hatten. Aber ich weiß es nicht. Uns hat man immer das Bild gegeben, dass China dreckig ist oder die Luftverschmutzung sehr hoch ist, große Städte, alles kontrolliert und auch ein bisschen verschlossen oder zensiert ist – ich weiß nicht, was denkst du von China? Da frage ich dich mal: Was hast du für ein Bild von China?
Sebastian: Ja, das würde mehr oder weniger mein Bild von China zusammenfassen: dreckig, laut, schlechte Manieren – wobei schlechte Manieren ist natürlich subjektiv. Also andere Manieren als unsere Kultur sie hat würde ich sagen, ohne es als schlecht oder gut zu bewerten. Was noch? Viele Menschen, keine Privatsphäre, sie essen Hunde. Das wäre so mein Bild.
Manuel: Ja, ich muss sagen, als ich in Peking angekommen bin, das stimmt schon. Der Smog in Peking ist nicht ohne. Ich komme aus Südtirol und bin in recht guter Luft aufgewachsen. Nach drei Tagen Peking habe ich gesagt “Hey das muss nicht sein. Wir müssen weiter, das wird jetzt langsam zu viel”. Du siehst nicht weit und es ist echt dreckig. Aber sonst war es ganz anders. Überall sind große Geschäfte: Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Karl Lagerfeld, alles. Die haben so viele Sportwagen da, also Audis, Ferraris, BMWs. Natürlich gibt es überall reiche Menschen und in Peking fiel das echt extrem auf; mindestens in der Stadt. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Sportwagen auf einem Haufen gesehen, wirklich. Auch die ganzen Geschäfte! Da habe ich mal gefragt “Hey, ihr seid doch in China ziemlich bekannt für kopierte Ware” zumindest gefälschte Marken und so. Und sie haben gemeint “Ja, aber wenn du in China Geld hast, dann kaufst du das Original. Das gefälschte geht nach Thailand und weiß Gott wohin auf der ganzen Welt”. Ich glaube in den letzten Jahren hat sich da eine ziemlich gute Mittelschicht entwickelt, die mittlerweile auch reisen kann. Es sind mittlerweile auch hier in Thailand sehr viele Chinesen und in anderen Ländern. Ich war in Peking schon geflasht. Das könnte auch eine europäische Stadt sein, vielleicht nicht so dreckig, aber so von den Marken und Geschäften und so, das hätte auch Paris oder Berlin sein können. Ich war schon überrascht. Natürlich sind der Platz des Himmlischen Friedens und diese ganzen großen Gebäude total cool anzuschauen und riesig. Und wenn man bedenkt, dass auf diesem Platz ein oder zwei Millionen Menschen reinpassen, unglaublich. Und auch die Verbotene Stadt, da sind überall so viele Menschen, und du als Westler bist da einfach sowas Exotisches. Die wollen dich alle fotografieren. Wenn du einmal anfängst, dann kommen Hunderte von Leuten und drücken dir ein Baby in die Hand und dann musst du da ein Foto und da ein Selfie machen. Die ersten zehn Minuten ist das cool, aber irgendwann wird das echt anstrengend. Wegen der schlechten Manieren: Für uns sind das ehrlich gesagt schlechte Manieren. Sie drängen dir die Kinder an die Hand und wollen dich nicht mehr loslassen und reißen dich nach links und rechts. Es ist halt ganz was anderes. Sie haben auch keine Berührungsängste. Für die bist du etwas Exotisches und du musst jetzt zum Fotografieren herhalten – das ist halt so bei denen.
Sebastian: Das würde ja passen, so wie sie auch die Tiere behandelt haben, ne? Tiger und Elefanten usw. da haben die keine Scheu vor. Da wird man einfach zugepackt und dann stirbt auch alles aus. Also, was in der Natur ist und bei den Menschen macht es dann auch wieder Sinn, dass sie dann so sind.
Manuel: Ja, China an sich ist ja ein riesiges Land. Man kann jetzt nicht von “den Chinesen” reden. Das wäre das gleiche, wenn man von “den Europäern” sprechen würde oder so. Sie sind sehr nett und freundlich, aber auf ihre Art und Weise sind sie auch grob. Das musst du sehen: Wenn sie auch in den Bus oder in den Zug einsteigen, die packen die Ellbogen aus, weil sie einfach lernen “Du musst hier die Ellbogen auspacken und Leute zur Seite rempeln, sonst kommst du zu nix”, weil es einfach so viele Menschen sind. Man merkt es auch. Wir haben auch mit Studenten gesprochen und die haben gesagt, an der Universität geht es nicht anders zu. Die sind da schon grob, aber sie sind trotzdem immer noch zu Ausländern – zu uns auch – sehr, sehr nett und sehr freundlich.
Sebastian: Jetzt haben wir ja gerade eher über die Peking-Chinesen gesprochen, also die Großstadt-Chinesen, aber inwieweit unterscheiden die sich von den Land-Chinesen? Ihr wart doch bestimmt auch in Dörfern, die vielleicht “nur” eine Million Einwohner hatten.
Manuel: Natürlich haben wir uns Peking angeschaut, aber wir waren bei diesen Touristen Hotspots. Wir haben uns wirklich die Sehenswürdigkeiten angeschaut und da waren sehr, sehr viele große chinesische Reisegruppen, die aus ganz China gekommen sind und sich die Hauptstadt angeschaut haben. Die haben da so ein Programm, alle zwei Jahre fahren sie dann in die Hauptstadt und schauen sich diese an. Da bist du viel in Berührung mit chinesischen Touristen. Sie waren immer alle freundlich, auch in den Restaurants und so. Ich habe nie gemerkt, dass wir anders behandelt wurden, nur weil wir Weiße sind. Sie waren immer sehr freundlich, nett und zuvorkommend. Das Problem ist, es reden wirklich sehr wenige englisch. Mit englisch kommt man da echt nicht weit. Man muss sich zu helfen wissen und dadurch hast du nie so richtigen Kontakt zu Chinesen. Richtig mit Leuten sprechen und sich unterhalten geht eher weniger. Wir haben ein paar Studenten kennengelernt in Peking und die haben mit uns ganz offen über das politische System geredet und was ihnen passt und was ihnen nicht passt und was besser geworden ist. Das war cool. Da hat man einen kleinen Einblick in deren Kultur bekommen, aber sonst bekommst du eher wenig mit, weil die Sprachbarriere so hoch ist. Es ist nicht so einfach. Sie schauen dich an. Als wir im Zug saßen und Karten gespielt haben, da hatten wir gleich eine Meute von zehn Leuten um uns herum und sie haben uns alle angeschaut und wollten das Spiel verstehen. Aber wirklich mit ihnen sprechen, wie zum Beispiel hier in Thailand, wo du mit einem Thai mal redest, auch wenn es nur Blödsinn ist, das hast du da weniger. Dich angreifen und mit dir Fotos machen okay, aber reden, das geht leider nicht.
Sebastian: Ja, kennst du dieses T-Shirt, was vor ein paar Monaten überall im Internet herumging, wo du diese ganzen Zeichen auf dem T-Shirt hast? Hast du das mitbekommen?
Manuel: Ja, ich habe das gesehen und gleich meinem Freund geschickt und ihm gesagt “Hey, das hätten wir in China gebraucht”.
Sebastian: Genau und dieses T-Shirt bräuchte man quasi auf solchen Reisen, wo man nur auf das T-Shirt auf das Zeichen “Zug” zeigt oder “Toilette” oder “Essen”, so kann man sich dann dort am besten unterhalten.
Manuel: Du wirst lachen, aber wir hatten einen Sprachführer mit Bildern mit. Das war ein Langenscheidt glaube ich, und da waren Bilder drin, damit du es nur zeigen kannst. Ich habe am Anfang gedacht, als mein Kollege das gekauft hat, “Spinnst du jetzt? Das ist ein Witz, oder?” Du wirst lachen, aber das war überlebensnotwendig. Es sind die einfachsten Sachen, weil ins Taxi einsteigen und sagen “Airport”, dann sagt der “Yes” und fährt zehn Mal um den Block. Er würde nie sagen, dass er nicht weiß, was Airport ist. Mit dem Buch zeigst du ihm das Zeichen und dann hat es wieder gepasst.
Sebastian: Krass, ja.
Manuel: Auch beim Zugfahren zum Beispiel. Das Problem ist einfach, dass sie chinesisch schreiben und unsere Schriftzeichen gar nicht lesen können und du ja auch nicht. Du bist immer auf jemanden angewiesen. Wir konnten im Bahnhof nicht mal lesen, welcher unser Zug ist, aber wir haben einfach angefangen uns gleich bemerkbar zu machen, also Blicke irgendwohin und jedem gezeigt, und dann kümmern sie sich schon um dich. Dann setzt du dich hin und nach einer halben Stunde kommt dann einer und sagt “Hier, dein Zug, komm mit”.
Sebastian: Wie viele Züge habt ihr verpasst?
Manuel: Keinen einzigen, glaub mir.
Sebastian: Wow!!
Manuel: Dadurch dass wir nur vier Wochen Zeit hatten, hatten wir einen strikten Plan. Es war alles schon ziemlich geplant. Wie gesagt, 5.000 km ganz rüber, wir waren fast an der tibetischen Grenze. Das war schon gut geplant muss man sagen. Und wenn du für China ein Visum willst, dann musst du alle Hotels vorher gebucht haben. Die musst du beim Visaantrag beilegen oder bei der Botschaft abgeben. Der Trick ist natürlich: Du kannst alles bei booking.com buchen und kannst danach theoretisch, wenn du dein Visum hast, wieder gratis stornieren. Dann kannst du etwas individueller reisen. Wir waren dann aber echt froh, dass wir die Hotels schon vorher gebucht haben, weil wir irgendwo in der Pampa in Kaffs waren. Da war nicht viel und Gott sei Dank hatten wir dann ein Hotel.
Sebastian: Ja, also das ist schon ein Tipp. Man sollte, wenn man so eine Reise macht, diese schon sehr gut durchplanen und keinen Raum für Spontaneität lassen oder würdest du es anders machen und dir dieses Mal vielleicht ein bisschen mehr Zeit lassen, ein bisschen mehr Spontaneität einräumen?
Manuel: Du hast schon Zeit für Spontaneität. Wenn du ein, zwei Tage länger bleiben willst, dann stornierst du halt das Hotel für das nächste Ziel wieder. Aber wir waren schon froh, dass wir das alles gehabt haben, weil wir haben uns alle Buchungsbestätigungen – und das ist ein guter Tipp – auf chinesisch ausgedruckt. Bei booking.com und agoda kann man das einstellen in der Landessprache. Und weil wir das immer ausgedruckt dabei hatten, konnten wir das dem Taxi- oder dem Busfahrer immer zeigen, und die haben uns dahin gebracht. Wenn wir die auf englisch gehabt hätten, hätte das nicht funktioniert. Die hätten uns irgendwo hingebracht. Man muss das schon ein bisschen planen. Wenn man das durchziehen will, wie wir das gemacht haben vom Norden 5.000 km mit dem Zug oder Bus, dann sollte klar sein, wo man hin will. Die längste Fahrt, die wir hatten, war 36 Stunden am Stück.
Sebastian: Wow! Aber das ist auch extrem cool, oder? Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Landschaft dort ist, aber ich stelle mir das schon ziemlich cool vor, 36 Stunden – auch wenn das lang ist -, durch diese Prärie von China zu reisen und dann immer diese Ausblicke zu haben. Oder… klär uns auf! Wie war das?
Manuel: Ich muss sagen, die Züge sind recht gut. Wir haben Schlafzüge gehabt. Da hast du drei Betten übereinander, also sechs in einer Kabine. Am besten nimmst du nicht das unterste, das ist ein guter Tipp. Immer das oberste oder das mittlere, weil unten sitzen die Leute dann den ganzen Tag. Du liegst in den Zügen, schaust durch das große Fenster und siehst echt schöne Landschaften, also Berge, Prärie, alles. Das Land ist so vielfältig. Reisterrassen, Tiere, Büffel, irgendwelche komischen Satellitenstädte, die irgendwo in der Pampa gebaut wurden, damit da irgendwelche Fabriken kommen. Auch die Leute im Zug: Du kriegst die ganze Zeit zu essen und trinken, also auch Bier. Am Abend trinken die alle Bier und rauchen auch in den Zügen. Nicht in den Schlafwagons, aber in der untersten Klasse wird geraucht und getrunken. Du sitzt dann mit den Leuten zusammen und redest zwar nicht mit denen, aber du kommunizierst schon ein bisschen. Wir haben ja diesen Sprachführer mitgehabt und haben die ganze Zeit probiert ein bisschen chinesisch zu sprechen. Natürlich hat der ganze Wagon dann gelacht und wir haben die Chinesen ein bisschen unterhalten, aber es war lustig – auch die 36 Stunden Fahrt. Die Zeit ist schon rumgegangen, das war überhaupt kein Thema. Ich fahre sowieso gerne Zug muss ich ganz ehrlich sagen. Da kann ich ein bisschen herumgehen. Ich mache das viel lieber als Busfahren. Da laufe ich ein bisschen rum, schaue mir den ganzen Zug an, ich bin auch vorne in der Lok gewesen mit dem Schaffner. Das war total cool, er hat gesagt “Komm mit” und dann war ich bei ihm vorne in der Lok. Ich kann es jedem empfehlen. In China gibt es zwei Züge – also es gibt natürlich mehrere, aber – es gibt diese Highspeed Trains, die rasen wirklich mit 300 Sachen von Stadt zu Stadt. Die sind sehr, sehr modern und kann man schon mit dem ICE in Deutschland vergleichen. Aber ich habe die unteren Klassen lustiger gefunden. Da waren viel mehr Menschen, viel mehr Betrieb und die haben auch Tiere dabei gehabt, also Kühe und Ziegen und alles mögliche.
Sebastian: Cool! In welcher Klasse bist du gefahren? Was gibt es denn? Wahrscheinlich Economy und dann …
Manuel: Es gab sozusagen die Holzklasse, das Günstigste. Da gibt es normale Sitze. Dann gab es Schlafwagons und erste Klasse. Wir haben immer den normalen Schlafwagon mit Aircon genommen. Das war echt nicht teuer. Man muss nur – und das ist wichtig – die Züge und Busse immer im Voraus buchen. Das kann man im Internet machen oder auch in den Hostels bieten die das an oder man geht selber an den Bahnhof. Also am Abend hingehen und sagen, ich möchte gerne morgen in der Früh in die nächste Stadt fahren. Da kann man allerdings schon Probleme haben. Man muss bedenken, da sind so viele Menschen unterwegs, sodass die Züge und Busse oft ausgebucht sind. Wir haben Gott sei Dank immer gleich das nächste Ticket gebucht, wenn wir irgendwo angekommen sind.
Sebastian: Okay, also ihr habt das so gemacht, dass, wenn ihr irgendwo angekommen seid, dann den nächsten erst gebucht habt und nicht schon in Deutschland gebucht habt oder von Europa aus?
Manuel: Ich glaube, das wäre gar nicht gegangen. Ich weiß nicht, vielleicht kann man das mittlerweile im Internet irgendwo buchen, aber nein, wir sind am Bahnhof angekommen und sind, bevor wir aus dem Bahnhof raus sind, gleich zum Schalter gegangen. Wir hatten alles auf chinesisch aufgeschrieben gehabt und haben denen gezeigt, wo wir hin wollen. Die haben uns gesagt, wie viel es kostet und das war’s.
Sebastian: Die Hotels habt ihr aber vorher gebucht?
Manuel: Die Hotels haben wir vorher gebucht, weil man das für den Visaantrag haben muss.
Sebastian: Ja, also ihr wusstet schon ungefähr: Von Stadt A zu Stadt B fährt ein Zug, also buchen wir bei Stadt B auf jeden Fall ein Hotel?
Manuel: Genau.
Sebastian: Okay. Und so habt ihr euch eure Strecke erstellt. Wie plant man sowas? Habt ihr vorher irgendwelche Blogs gelesen? Ich kann mir vorstellen, dass es nicht viele Reiseführer dafür gibt, oder?
Manuel: Es gibt den Lonely Planet, einen ziemlich dicken sogar und einen “Baedeker”, eine deutsche Firma, kennst du die?
Sebastian: Sagt mir jetzt nichts.
Manuel: Ich kann dir nachher den Link schicken.
Sebastian: Genau, den schickst du mir und dann packen wir den in die Shownotes. Sowas finde ich immer sehr interessant.
Manuel: Genau. Das sind zwei Reiseführer und jeder hat ungefähr gewusst, was er anschauen möchte und dann haben wir geschaut, wie wir das verbinden können und dann sind wir dahin. Ich wollte natürlich auf alle Fälle Peking sehen. Dann die Terrakotta-Soldaten und Wutai Shan, das ist da wo die Shaolin-Mönche sind. Das war auch wunderschön. Wir haben uns dann durch die Reiseführer gearbeitet und ziemlich gut geplant. So habe ich das vorher noch nicht gehabt, vor allen Dingen, weil ich vorher nicht allzu viel Ahnung von China hatte. Man kennt natürlich die Mauer und Hong Kong und ein paar Sachen, aber wir haben dann geschaut: Was liegt auf dem Weg, was können wir anschauen? Und das war sehr, sehr gut. Wir haben sehr viele Sachen gesehen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es die in China gibt. Das war mehr ein Landschaftstrip. Wir haben sehr viele landschaftliche Highlights gesehen, auch diese bekannten Berge, wo sie Avatar gedreht haben. Wir haben uns also dazu Gedanken gemacht und dann haben wir geschaut was möglich und was nicht möglich ist. Natürlich war nicht alles möglich, aber wir haben einen guten Kompromiss gefunden, das alles mit Zug oder Bus zu verbinden und uns das anzuschauen. In den vier Wochen haben wir sehr viel gesehen. Es klingt jetzt zwar blöd, aber nach den vier Wochen, haben wir noch kurz Urlaub in Thailand gemacht. Wir waren in China nie am Meer und immer nur in Städten und da hat es nicht viele Orte gegeben, wo du sagst, jetzt chillen wir hier ein, zwei Tage und machen mal gar nichts, sondern es war fahren, anschauen, fahren, anschauen, fahren und wieder anschauen. Man muss das schon zügig planen, also es muss schon vorangehen, damit das individuell, wie wir das gemacht haben, auch funktioniert.
Sebastian: Ja, noch mal kurz zurück zum Thema Essen: Ich mag ja chinesisches Essen eigentlich ganz gerne. Wie war das dort? Ich stelle es mir noch mal 10.000 Mal leckerer vor, als bei jedem chinesischen Restaurant, was es irgendwo in Europa gibt. Du hast doch bestimmt auch irgendwas total Verrücktes gegessen, wovon du nicht wusstest, was es war, oder?
Manuel: Glaub mir, ich habe die halbe Reise nicht gewusst, was ich esse. Ich bin da auch überhaupt nicht so ein Typ, ich esse alles. Ich habe überhaupt keine Probleme bzw. ich will auch nicht alles wissen, was ich esse. Natürlich Hund und so Sachen, das esse ich nicht. Das will ich nicht haben. Ich muss das nicht probieren. Wir haben uns meistens am Anfang Restaurants gesucht, die in ihrer Speisekarte Bilder hatten, damit wir ungefähr wissen, was wir bekommen und wenn wir Gerichte gefunden haben, die sehr, sehr lecker waren, dann haben wir uns das aufschreiben lassen. Das Essen ist der Hammer. Es ist total günstig, wie überall in Asien Streetfood – total geil. Essen ist super, Suppen, Fleisch und Reis und alles. Bei uns in Europa sind ja Frühlingsrollen klassisches chinesisches Essen. Das stimmt ja nicht. Ich habe in den vier Wochen keine einzige Frühlingsrolle gegessen, weil sie es einfach nicht gehabt haben.
Sebastian: Die Frühlingsrolle ist auch eher sowas Thailändisches, oder?
Manuel: Vietnamesisch.
Sebastian: Vietnamesisch, ja. Sommerrollen, ja, ja.
Manuel: Wir waren dann in Changu. Kennst du Changu? – Mal eine kurze Zwischenfrage. Sagt dir Changu etwas?
Sebastian: Ja, der Name sagt mir etwas und ich kann mir darunter etwas vorstellen, aber ich wüsste jetzt gar nicht so genau, wo das ist.
Manuel: Ich habe es auch nicht gewusst. Zu uns haben sie gesagt, das ist eine kleine Stadt im Westen.
Sebastian: Ja, aber 20 Millionen klein.
Manuel: 9 Millionen Einwohner. Sie haben zu uns gesagt “Changu ist favorite for three hot things” und wir so “Was denn?” – “Hot Girls, hot weather, hot food”. Dann sind wir da Hot Pot essen gegangen. Das ist  scheinbar ziemlich bekannt, Changu und Hot Pot. Da haben sie große Kühlschränke, in denen das Fleisch roh auf Spießen drin ist. Da zahlst du einfach pro Spieß, holst den raus und grillst den selber. So wie koreanisches Barbecue, so ähnlich, oder wie Tisch-Fondue. Ich habe das gegessen, und ich habe normalerweise überhaupt keine Probleme mit scharfem Essen, aber das war sowas von scharf. Ich musste dann in die Küche reinrennen. Die haben mir dann Milch und Brot gegeben, weil ich habe Schluckauf bekommen. Ich habe schon einiges Scharfes gegessen, aber das war flüssig und mit Chili, das war einfach zu viel, aber das war sehr, sehr gut. Das Essen ist sehr lecker und jeder, der auf viel Verschiedenes steht, der ist in China total gut aufgehoben. Und für Leute, die nicht so gerne rumprobieren: Reis gibt es immer. Das kann man immer essen und das gibt es auch immer.
Sebastian: Ja, sehr cool. Lass uns mal langsam zum Schluss dieser Folge kommen. Ich könnte noch stundenlang darüber sprechen. Eine Frage, die mich wirklich sehr interessiert ist: Was kostet so eine Reise?
Manuel: Da haben wir uns am Anfang natürlich auch Gedanken drüber gemacht. Da findest du nicht so viel. Wenn ich jetzt wissen will, was ich im Monat in Thailand ausgebe, dann findest du genug Informationen im Internet. In China muss ich sagen ist Zugfahren sehr günstig. Da zahlst du nicht viel, sondern immer den einheimischen Preis. Essen und Trinken ist auch günstig. Hotels kannst du auch günstig kriegen. Hostels gibt es mittlerweile überall. Das ist ziemlich beliebt bei den Chinesen, in Hostels zu gehen mit Dorms und so. Teuer sind Nationalparks, die sind echt schweineteuer. Das hatte mich echt gewundert. Du zahlst bei gewissen Nationalparks 50 Euro bis 60 Euro. Und dann haben wir an diesem Drachensee gestanden – ich weiß nicht, ob du das Bild kennst, das sind ganz klare Seen in einem Hochgebiet auf 2.000 Meter. Da siehst du den Boden und jeden Fisch und da haben wir 60 Euro Eintritt für bezahlt. Das ist schon eine Ansage für einen Tag. Da haben wir uns schon überlegt: Das sind 120 Euro für zwei Leute, nur für den Nationalpark und natürlich darfst du kein Essen mit reinnehmen und nichts. Die Chinesen, die da mit ihren Familien hingehen – das sind ja 200-300 Euro am Tag. Nehmen wir die Chinesische Mauer zum Beispiel, da zahlst du auch schon 20 bis 30 Euro Eintritt. Auch bei den Shaolin-Mönchen in Wutai Chan haben wir auch 40 Euro bezahlt. Also, das ist nicht günstig.
Sebastian: Die Aktivitäten sind also teuer.
Manuel: Die Aktivitäten sind echt teuer, also die Nationalparks. Ich glaube, wir haben ziemlich günstige Flüge gehabt. Wir haben Gabelflüge gebucht von Bangkok nach Hong Kong und von Hong Kong nach Peking und zurück wieder von Hong Kong nach Bangkok und haben für die Flüge glaube ich 600 Euro bezahlt. Das fand ich okay bis nach China. Wir waren dann auch noch eine Woche in Thailand. Ich glaube, für alles zusammen habe ich ungefähr 1.600 Euro gebraucht für vier Wochen, also 600 Euro Flüge und 1.000 Euro noch mal so. Es ist nicht ein extrem günstiges Land, es ist aber auch nicht extrem teuer, aber man muss schon schauen, was man macht und was man nicht macht. Ich glaube, wenn wir die ganzen Nationalparks nicht gesehen hätten, dann hätten wir uns sicher 300 Euro gespart.
Sebastian: Aber sowas möchte man dann ja auch nicht machen. Wenn man dann so weit reist, dann an dem Ende sparen.
Manuel: Nein, überhaupt nicht. Es ist wirklich Geld, das bereue ich auf keinen Fall – mein Gott, ich meine… natürlich, wenn du davor stehst und ihm das Geld gibst, dann schluckst du mal, weil mit 50 Euro kannst du schon noch einen Tag mit Hotel und Essen und ein, zwei Bier am Abend machen. Aber ja, wie gesagt, mir tut kein einziger Cent weh. Jeden Cent, den man auf Reisen ausgibt, bereue ich auf keinen Fall. Dann spare ich lieber irgendwo anders als wenn ich mir dann nicht die Mauer anschaue oder irgendwas. Ich glaube, das würde mir mein ganzes Leben leid tun.
Sebastian: Genau und damit beenden wir diese Folge, weil das hast du gerade so schön gesagt und das ist genau das, warum man eigentlich reist. Manuel, ich danke dir vielmals für deinen Input und für deine Zeit und dass du das alles mit uns geteilt hast! Das hört sich super spannend an, das würde ich jetzt eigentlich auch mal gerne machen.
Manuel: Mach es!
Sebastian: Und ja, vielen, vielen Dank mein Lieber!
Manuel: Gerne, danke dir!
Sebastian: Dann wünsche ich dir noch alles Gute in Thailand. Du führst jetzt dein Resort weiter auf Koh Chang?
Manuel: Genau. Wir führen auf Koh Chang im Osten von Thailand, an der Grenze zu Kambodscha, das Boonya Resort. Das ist ein kleines, feines Resort mit Pool, nicht weit weg vom Strand. Und da bin ich jetzt gerade im Sommer mit meiner Freundin. Das ist unser Familienprojekt seit drei Jahren, das führen wir jetzt und sind da ganz glücklich. Und ich bin ganz gerne hier.
Sebastian: Sehr cool. Alle, die diese Reise in China nachmachen wollen, die können ja erst mal bei dir vorbeikommen in Koh Chang und dann erst mal die Tipps vor Ort abholen und dann von dort aus weiterfliegen, so wie du es quasi gemacht hast.
Manuel: Genau so machen wir das.
Sebastian: Super, herzlichen Dank! Bis bald! Tschüss!
Manuel: Ciao!

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Ein Kommentar zu „Podcast: Im Zug durch China mit Manuel Losso

  1. Oli on

    Hallo ihr beiden,

    ein spannendes Gespräch, das ich mir gerade durchgelesen habe. Wir ihr wisst, habe ich ein paar Jahre in China gelebt und jede einzelne Ecke des Landes besucht. Daher noch ein paar Ergänzungen aus meiner Erfahrung.

    China-Neulinge sollten sich Hotels auf alle Fälle im Vorfeld reservieren. Das Problem ist nämlich, dass viele Unterkünfte keine Ausländer aufnehmen. In den touristischen Zentren ist das zwar weniger ein Problem als „off the path“, aber die Suche kann trotzdem frustrierend sein.

    Beim „China ist schmutzig“ sollte man etwas differenzieren. Das Land ist vielerorts kontamminiert. Wir reden hier also von einer hohen Schadstoffbelastung in der Luft, im Wasser und in den Böden. Aber es ist nicht so, dass überall Dreck rumliegt. Im Gegenteil: Peking, Shanghai und ähnliche Städte sind an vielen Orten optisch sauberer als bei uns in der Schweiz. China glänzt gerne und tut einiges, um das auch wirklich zu erreichen. Wenn ich das Interview hier durchlese, würde ich mir China vorstellen wie ein zweites Indien.

    Von der Sprachbarriere höre ich immer wieder. Aber wenn man sich die Zahlen anschaut (es gibt zum Beispiel eine Untersuchung von EnglishFirst) spricht in China ein deutlich grösserer Anteil der Bevölkung Englisch als zum Beispiel in Thailand. Der Unterschied ist: In Thailand ist der Tourismus auf Englischsprachige ausgerichtet, in China auf Chinesischsprachige. Dadurch trifft man in Thailand in den Touristenhotspots mehr Englischsprachige. Denn in China gehen Englsichsprachige in Handelsunternehmen und nicht in Reiseagenturen. Im nichttouristischen Kontext trifft man in China aber mehr Leute, die Englsich können als in Thailand.

    Liebe Grüsse,
    Oliver

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