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Podcast: Der Job als Flugbegleiterin mit Lisa Mattis

Reisen als Beruf? Genauso sieht es aus, wenn du als Flugbegleiter arbeitest! Du fliegst zu den coolsten Orten der Welt und das auch noch umsonst! Dank Kurzstreckenflügen lernst du Europa besser kennen, während dich Langstreckenflüge an Orte bringen, die du vielleicht gar nicht auf dem Radar hattest oder zu denen du dir den Flug eigentlich nicht leisten könntest. Wie genial ist es, heute nach Vancouver zu fliegen, dort ein paar Tage kostenlos zu bleiben, nächste Woche Hong Kong zu erleben und übernächste in Südafrika zu sein?

Lisa ist seit 7 Jahren Flugbegleiterin bei der Lufthansa, fliegt durch die Welt und bloggt auf Helle Flecken über ihre Erlebnisse. In dieser dritten Folge meines Podcasts spreche ich mit ihr unter anderem über ihren Job, welche Vor- und Nachteile sie in diesem sieht, was ihre Lieblingsländer sind und wie du den Jetlag am besten überwindest.

Erfahre in dieser Episode über den Job als Flugbegleiterin:

  • was die Vor- und Nachteile des vielen Fliegens sind
  • warum Kanada so toll ist
  • welche Momente für Lisa unvergesslich sind
  • warum du als Flugbegleiter zu Hause neu definierst
  • welche emotionalen Momente du als Flugbegleiterin erlebst
  • wie du den Jetlag besiegst
  • warum Urvertrauen für den Job wichtig ist

 Shownotes über den Job als Flugbegleiterin:

Die komplette Folge zum Nachlesen:
Herzlich Willkommen zur dritten Off The Path Podcast Folge, heute mit Lisa vom Reiseblog „Helle Flecken“. Lisa arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Reisebloggerin auch als Flugbegleiterin für Lufthansa. Und wir zwei haben im traumhaften Südtirol vor einigen Wochen über ihren Beruf, der sie an die tollsten Ecken unserer Erde bringt, gequatscht. Als Vielflieger habe ich größten Respekt für die Arbeit von Flugbegleitern und freue mich über dieses Thema mit Lisa zu sprechen. Die gesamte Folge gibt es übrigens auch auf off-the-path.com zum Nachlesen. Und jetzt viel Spaß!

Sebastian: Lisa, schön, dass wir es geschafft haben, hier zum Off The Path Podcast im schönen Südtirol. Wir haben eine wunderschöne Aussicht auf eines der vielen wunderschönen Täler hier. Lisa, du führst den Reiseblog „Helle Flecken“?

Lisa: Jawohl.

Sebastian: Und wir sind hier in Südtirol, weil du den Medienpreis gewonnen hast in der Kategorie Social Media und Blogging. Herzlichen Glückwunsch!

Lisa: Vielen, vielen Dank!

Sebastian: Du reist sehr viel, weil du Flugbegleiterin bist bei der Lufthansa.

Lisa: Genau.

Sebastian: Wie kamst du zu diesem Beruf?

Lisa: Das hat eigentlich direkt nach dem Abi angefangen. Ich bin schon immer sehr, sehr gerne unterwegs gewesen und bin schon immer gerne gereist und wollte eigentlich auch gerne nach dem Abi dieses Jahr abroad machen, was irgendwie alle gemacht haben. Aber ich wollte mir das eigentlich ganz gerne nicht von meinen Eltern finanzieren lassen, sondern das selbst machen. Ich habe mir dann überlegt: Wie kann ich jetzt auf die Schnelle Geld verdienen, ohne dass das total furchtbar wird? Und habe dann irgendwann gedacht: Naja, Flugbegleiter ist ja eigentlich ein ganz cooler Kompromiss. Du reist schon ein bisschen, du verdienst aber auch Geld – machst du das mal für ein halbes Jahr. Und dann habe ich mich eben beworben. Das ist ein recht aufwendiges Bewerbungsverfahren, hat aber alles geklappt und dann habe ich eben angefangen und nach diesem halben Jahr wusste ich eigentlich: Hey, warum sollte ich damit jemals wieder aufhören, weil das einfach ein Job ist, der mir wahnsinnig viel Spaß macht und sehr vielfältig ist. Ja, und dann hat die Lufthansa dieses tolle Angebot, dass man verschiedenste Teilzeitprogramme abarbeiten kann und jetzt habe ich dort eben eine halbe Stelle und fliege seit sieben Jahren mehrmals im Monat für die Lufthansa durch die Welt.

Sebastian: Hmm, dann bist du ja so viel unterwegs und diese Frage, die ich jetzt gleich stellen werde, fragen dich vielleicht viele, denke ich mal, die sagen wir mal das letzte Land besucht haben: Welches ist dein Lieblingsland? Weil du hast ja so viel gesehen, wahrscheinlich sogar mehr als ich.

Lisa: Ja, tatsächlich bin ich mittlerweile an dem Punkt, dass ich sagen kann, dass ich außer Australien auf jedem Kontinent war. Aber das Lieblingsland, das ist eine ganz furchtbare Frage. Ich glaube, ich würde mich jetzt mal auf Kanada festlegen, weil Vancouver meine erste Destination war und nach wie vor meine aller-, allerliebste ist, weil ich die Kanadier unfassbar toll finde. Die Landschaft ist auch unbeschreiblich vielfältig und ich liebe es, dass es eben so Städte gibt wie Vancouver, wo sich sehr viel Kultur zentriert, wo man sehr, sehr viel machen kann, urban, wo man aber auch innerhalb von einer halben Stunde in „the middle of nowhere“ ist und dieses ganze Naturspektakel hat. Man kann wunderbar Skifahren, was mir wichtig ist. Also ich glaube, wenn ich mich festlegen müsste, zumindest auf ein Land außerhalb von Europa, dann wäre es Kanada.

Sebastian: Cool! Gibt es da irgendein Erlebnis, wo du sagst: Boah das möchte ich unbedingt nochmal machen, das werde ich nie vergessen, das muss unbedingt geteilt werden?

Lisa: Skifahren in Whistler war für mich glaube ich sowas, was ich lange irgendwie für unmöglich gehalten habe, dass ich mal außerhalb der Alpen Skifahren gehe. Weil ich meine, klar, ich bin da immer in den verschiedensten Ländern, aber man ist ja dann auch immer nur so zwei Tage da. Und das ließ sich aber da eben ganz gut machen, dass man sich ein Auto mietet und dahin fährt. Das ist kein langer Weg, und dann ist man in den Rockies und fährt Ski und denkt sich so: Wie geil ist mein Leben eigentlich?

Sebastian: Also Kanada möchte ich auch noch unbedingt hin. Ich bin da noch nie gewesen. Und mein absoluter Traum ist es, vor Vancouver, also Vancouver und zwischen Victoria Island, mit den Orkas Kiten zu gehen.

Lisa: Ja, das ist tatsächlich sehr, sehr geil.

Sebastian: Hast du das schonmal gemacht?

Lisa: Ja.

Sebastian: Geil!

Lisa: Und ich bin jemand, der sehr emotional wird, wenn es um Natur geht und Tiere eh und Orkas sind für mich so kleine Wunderwesen. Ich fange da ja dann an zu heulen, weil dann auf einmal wirklich so drei Meter neben dir eine Orkakuh mit ihren Kleinen auftaucht und Hallo sagt und du denkst dir so: Ooaah krass! Ich kriege ja jetzt Gänsehaut, wenn ich das erzähle.

Sebastian: Ich auch!

Lisa: Und da hatte ich glaube ich echt Pipi in den Augen. Also… ja.

Sebastian: Cool!

Lisa: Das war auch einer der wenigen Momente, wo ich nicht fotografiert habe. Also es ist eh super schwierig, das festzuhalten, weil du immer in dem Moment abdrückst, wo sie eigentlich schon wieder unten sind. Aber das war auch für mich so: Ja, ich will alles teilen mit meinen Lesern, aber das kann ich gar nicht. Das geht nicht.

Sebastian: Ja, ja, ich habe mehr oder weniger eine ähnliche Erfahrung mit Humpback Whales in Bayron Bay in Australien gehabt, wo halt wirklich ein Wal mein Kayak hochgehoben hat und ich hatte die Kamera in der Hand und ich konnte nicht. Das war so…. Oh mein Gott, what the fuck?! Und das war einfach genau so ein tolles Gefühl. Das kann ich halt total verstehen, wenn du das sagst und jetzt möchte ich unbedingt nochmal nach Kanada und das auch mal machen, weil das wirklich ganz weit oben auf meiner Bucket-Liste ist. Wir haben uns ja die letzten Tage schon viel unterhalten und du hast ja gesagt, du fliegst ab und zu auch Kurzstrecke innerhalb Europas. Dann musstest du aber auch viel Langstrecke fliegen, weil du schon so lange dabei bist. Ich stelle mir Kurzstrecke unglaublich anstrengend vor, weil du halt eben nicht so wie ich mal eben kurz von Berlin nach München fliegst, sondern du fliegst halt Berlin-München, München-Palma, Palma-London an einem Tag.

Lisa: Ja, genau.

Sebastian: Und das ist halt eben hoch, runter, hoch, runter, hoch, runter. Und dann irgendwie noch Leute bedienen und freundlich sein.

Lisa: Ja.

Sebastian: Ist das nicht mega anstrengend?

Lisa: Ja, das ist körperlich auf jeden Fall mega anstrengend. Ich bin jetzt jemand, ich mag das Fliegen an sich auch sehr gerne. Also ich bin jetzt niemand, der ein Problem mit Start und Landung hat oder der sich denkt: Och schon wieder hoch, schon wieder runter. Das macht es mit Sicherheit leichter und für mich ist einfach Europa entdecken, das hat sowas von Wert. Ich kann halt nicht sagen, wie genial ich das finde, dass ich immer mal einen halben Nachmittag in Barcelona habe oder in Paris oder in London, dass man da mittlerweile echt schon so seine Routinen hat, je nachdem, wo das Hotel dann ist. Wir haben meistens auch diese festen Hotels, wo man weiß, okay, dann gehe ich da joggen und dann hole ich mir da meinen Kaffee. Das ist sehr, sehr schön. Und für mich war das auch wirklich wieder zu dem ganzen Studium ganz, ganz toll, weil ich natürlich meine ganzen Erasmus-Freunde immer besuchen konnte, ne? Einer meiner besten Freunde war in Madrid, den konnte ich dann dort ohne Probleme mal einfach so für einen Nachmittag besuchen und seine Freunde dort kennenlernen und sehen, wie er dort lebt. Das ist schon echt ein toller Luxus.

Sebastian: Ja, das stelle ich mir dann auch echt cool vor. Hätte ich auch gerne gehabt, Erasmus ist halt so eine geile Zeit. Die ganzen Leute kommen zusammen und dann… vorbei. Und dann ist es oftmals so: Aus dem Auge, aus dem Sinn, leider. Da hast du natürlich echt eine geile Position, wo du dann sagen kannst: Hey, ich komme dich mal eben kurz besuchen.

Lisa: Ja, ich komme dann gleich mal vorbei, genau. Das ist schon cool, weil das Thema Erasmus, das ist manchmal auch das, was mich dann so ein bisschen gefuchst hat. Ich habe ja mein Studium neben dem Fliegen durchgezogen oder anders herum. Ich habe natürlich nie irgendwie dieses halbe Jahr noch mal ganz weg gehabt. Wenn man diesen Job hat, das wäre schon möglich, würde aber heißen, dass man mindestens zwei Mal im Monat dann doch wieder nach Deutschland kommt. Und das finde ich, macht das Ganze so ein bisschen kaputt. Das ist glaube ich das Einzige, was ich so ein bisschen bereue, das ist das falsche Wort, weil ich bereue gar nichts in meinem Leben, aber wo ich manchmal denke: Ah, das hätte ich irgendwie auch gerne gemacht. Dieses nochmal ein halbes Jahr oder Jahr komplett weg sein.

Sebastian: Aber dafür bist du halt ständig weg. Also es gleicht sich eigentlich wieder aus. Was ist denn weiterhin für dich, – also ich meine, du musst ja unglaublich krasse Stories erlebt haben auf deinen Reisen – gibt es etwas, was du teilen darfst und teilen würdest? Also welcher war der anstrengendste Flug oder … ich habe immer so Vorstellungen und ich erlebe ja bei den ganzen Reisen, wie sich halt Briten unglaublich besaufen bis zur Bewusstlosigkeit, Spanier lauthals streiten im Flieger. Hast Du sowas? Oder dieses “Diese Aktion werde ich niemals vergessen?”

Lisa: Ja, das hat jeder von uns, glaube ich. Das hat auf jeden Fall jeder. Das Thema Alkohol ist einfach was, wo wir alle sehr empfindlich reagieren, weil auch wenn wir natürlich im Alltag dafür da sind, Getränke zu bringen oder ein zweites Kissen oder eine Decke, wenn es kalt ist, ist unser Hauptjob eigentlich die Sicherheit an Board. Zum einen, wenn es eben wirklich um Notfälle geht, wo man irgendwie evakuieren muss. Das üben wir jedes Jahr, das können wir alle im Schlaf, zum anderen aber eben auch, wenn es Gäste gibt, die sich aus irgendeinem Grund nicht mehr so ganz benehmen können. Und Alkohol ist einfach ein Thema, weil das da oben der Körper ganz, ganz anders verarbeitet als am Boden. Selbst jemandem, der am Boden irgendwie fünf Gläser Wein trinken kann, kann oben von zwei Gläsern Wein schon ganz schön komisch werden. Aber das ist eigentlich was, womit wir alle recht gut umgehen können. Mein krassester Flug im Sinne von anstrengend und schon auch schlimm war, also wir haben relativ viele amerikanische Soldaten an Board gehabt, die in den Heimaturlaub geflogen sind, und da war einer dabei, mit dem habe ich schon während dem Service und so immer ganz nett geschnackt und so. Der war ganz, ganz cool so. Und dann kam er irgendwann während meiner Pausenzeit quasi in die Küche und wollte einen Kaffee trinken und ähm, dann kamen wir so ins Gespräch und im Endeffekt hing der mir mehr oder weniger den Rest des Fluges heulend im Arm, weil der komplett fertig war natürlich von seinem Einsatz. Das ist sowas, wenn du merkst: Oah, da hat jemand so Redebedarf und ich bin jemand, ich mache das auch gerne. Ich rede sehr gerne mit den Leuten und der hat sich mir emotional so geöffnet und wir haben dann danach noch E-Mail Adressen ausgetauscht. Wir haben uns aber leider nicht geschrieben, weil man so gemerkt hat: Nee, das war jetzt irgendwie dieser Flug und er brauchte das gerade mal. Und der hat mir Sachen erzählt, die mich so mitgenommen haben. Das war schon echt krass. Weil das dann doch irgendwie den Menschen sehr Nahe geht.

Sebastian: Ja, also eine sehr emotionale Geschichte.

Lisa: Ja total. Und dann habe ich aber auch wunder-, wunderschöne emotionale Geschichten. Ich habe gerade in Vancouver ein Pärchen kennengelernt, die sind damals von München nach Vancouver ausgewandert und sind bis heute echt enge Freunde so, die ich dann immer wieder besucht habe in Vancouver. Oder auch einen sehr guten Freund, der mittlerweile ein fester Bestandteil meines Lebens ist, den ich auch auf einem Flug aus Seattle kennengelernt habe. Das gibt es halt auch, dass man Menschen kennenlernt, die man sonst niemals getroffen hätte, die dann ein fester Teil vom Leben werden.

Sebastian: Hm, hast du eigentlich auch viel Zeit mit den Leuten. Also, wenn du dann einen Stop in Vancouver hast, wie lange darfst du dann bleiben? Zwei Tage, drei Tage?

Lisa: Zweieinhalb Tage sind das in Vancouver, genau. Also das ist schon immer genug Zeit, um sich umzugucken. Man muss natürlich auch ein bisschen lernen, auf seinen Körper zu hören. Das ist sehr, sehr wichtig in dem Job, dass man, wenn man weiß, okay, wenn die mir jetzt so und so viel Zeit geben, dass ich wirklich mal ins Bett gehen sollte. Andererseits das hinzukriegen, dass man nicht den halben Tag verschläft. Da muss jeder irgendwie so seine Strategie entwickeln. Ich bin ein großer Fan davon, das ist eigentlich so mein Tip auch an alle, die noch nie so viel international unterwegs waren, niemals vor 21 Uhr ins Bett gehen. Das ist für mich essentiell, damit man einigermaßen durchschlafen kann.

Sebastian: Ja also, nächste Frage: Jetlag. Du sagst, vor 21 Uhr sollte man nicht ins Bett gehen. Hast du da noch irgendwelche anderen Tricks parat, die du anwendest? Ich habe mal gehört: Ernährung. Dass man seine innere Uhr mit dem Frühstück zurücksetzen kann, dass man vor Abflug seine Uhr auf Ortszeit einrichten soll. Wie du gerade sagtest, nicht zu spät, aber auch nicht zu früh ins Bett gehen.

Lisa: Ja, also dieses mit dem ins Bett gehen ist natürlich sehr schwierig, wenn man total fertig ist. Weil man kommt morgens um 11 Uhr an, da kann man natürlich sagen, man legt sich mal hin zwei Stunden. Aber nur wenn man 100%ig weiß, man steht wieder auf. Weil wirklich, man bleibt sonst liegen und man kommt nicht mehr hoch. Deswegen ist es für mich wirklich dann vermehrt am ersten Tag einfach: Museum hilft ganz gut, wenn es irgendwie ein cooles in der Stadt gibt oder einfach eine schöne Kunstausstellung oder so, wo man sagt: Okay, da kann man sich zeitlich verlieren. Spazieren gehen, laufen, frische Luft, sodass man dann abends um 21 Uhr aber auch wirklich müde ist. Ansonsten, was für mich beim Reisen generell wichtig ist und was auch gegen diese Jetlags hilft, ist, wenn man sich so ein paar Sachen mitnimmt, die unterwegs zum zu Hause machen. Also ich bin jemand, ich sage immer, ich kenne meinen Koffer besser als mein eigenes Bett und bin emotional auch mehr gebunden an meinen Kofferinhalt. Und ich habe immer so ein paar Sachen dabei, die für mich zu Hause sind. Also, so absurd das klingt, aber wir kennen ja alle die ekelhaften Hotelstories, Putzgeschichten. Ich habe immer meine eigene Kaffeetasse dabei. Die steht da einfach immer, selbst wenn ich überhaupt keinen Kaffee trinke, ist das so ein Stückchen zu Hause, das ich irgendwie mag. Weiß ich nicht, ich habe so ein paar Koffersocken. Das sind einfach so warme Socken, in denen ich durch’s Hotelzimmer marschiere. So Sachen helfen irgendwie auch, dass man sich nicht so fremd fühlt und dann auch nicht so Schlafprobleme hat.

Sebastian: Ja, also ein bisschen zu Hause mitnehmen. Auf den ganz langen Strecken kann man ja auch im Flieger schlafen. Hast du das auf den Langstreckenflügen auch, dass man da Pause und seine Koje hat.

Lisa: Genau, es gibt ja meistens den Service nach dem Start und vor der Landung und dazwischen hat man ja meistens, je nach dem wie lange die Strecke ist, so zwischen drei bis fünf, sechs Stunden, wo relativ wenig passiert, außer dass wir mit Getränken rumgehen und gucken, dass alles in Ordnung ist. Und da ist immer die Hälfte der Crew in Wache, so nennen wir das, und die Hälfte der Crew in Pause. Und in der Pause haben wir eben einen Pausenraum sozusagen, in dem wir schlafen können.

Sebastian: Und kann man da schlafen?

Lisa: Ich kann da hervorragend schlafen. Viele können da nicht schlafen. Es ist manchmal recht laut. Das Flugzeug von der 380 zum Beispiel, unser neues Flaggschiff, ist sehr, sehr leise, da geht das sogar ohne Ohrenstöpsel bei mir. Aber meistens macht man sich eben Ohrenstöpsel rein. Ich kann da total gut schlafen. Bei mir ist das sogar so, dass wenn’s turbulent ist und ein bisschen wackelt, kann ich umso besser schlafen, weil es mich irgendwie so ein bisschen in den Schlaf schaukelt. Ich kann das gut, ja.

Sebastian: Dementsprechend hast du dann natürlich auch nicht, darfst du wahrscheinlich auch gar nicht haben, Flugangst?

Lisa: Ja, kenne ich aber.

Sebastian: Nee! Hast du Kollegen, die Flugangst haben?

Lisa: Ich glaube es gibt Kollegen, die das manchmal entwickeln. Man hört oft, dass Leute, wenn sie Eltern werden, das so ein bisschen entwickeln, weil man dann so eine ganze neue Verantwortung auf einmal hat. Ich habe das gar nicht. Ich kann das auch gar nicht. Ich habe ein Urvertrauen ins Fliegen generell, obwohl ich immer noch immer wieder da sitze und mir denke: Wie kann das sein, dass wir hier in dieser Röhre sitzen und die schießt durch die Luft? Das ist doch total verrückt, aber das liegt vielleicht auch an meinen mangelnden physikalischen Fähigkeiten. Und ich habe aber auch ein Urvertrauen in unsere Piloten. Also ich sehe einfach, wie die Ausbildung ist und wie oft die eben dann doch wieder in den Sim gehen zum Lernen und zum Üben und ich habe da einfach ein Urvertrauen. Ich weiß, dass die einen guten Job machen und dass Sicherheit bei uns massiv groß geschrieben wird. Da wird nicht losgeflogen, wenn irgendwo eine Schraube ein bisschen komisch sitzt. Also, von daher nee, ich habe gar keine Flugangst, überhaupt nicht.

Sebastian: Ja, das geht mir eigentlich auch genauso. Ich bin auch schon so oft geflogen und die schlimmsten Turbulenzen eigentlich durchgemacht, aber ich habe auch dieses Vertrauen. Also ich meine, die Person da vorne, die möchte ja eben auch nach Hause kommen zu seinen Kindern. Das sind halt eben auch nur Menschen.

Lisa: Ja, genau.

Sebastian: Jetzt bist du halt eben geschäftlich so viel unterwegs. Reist du dann privat eigentlich noch, oder sagst du dann lieber: Weißt du was, das war jetzt genug, ich ziehe mir meine Chillerklamotten an und verlasse das Haus für’s Wochenende nicht?

Lisa: Beides. Ich reise wahnsinnig gerne und ich bin immer, immer gerne unterwegs, auch innerhalb von Deutschland und wenn ich mal Urlaube habe, ist trotzdem so dieses Gefühl, von meiner Zeit ein Stück zu Hause zu sein, groß. Also ich habe wirklich und das ist nicht übertrieben, dass ich mal mehr als drei Nächte in einem Bett schlafe, kommt bei mir eigentlich seit Jahren nicht mehr vor. Eine Zeit lang hatte ich damit ehrlich gesagt auch ein bisschen Probleme, mittlerweile aber gar nicht mehr, weil ich das wirklich entwickelt habe, so ich bin in mir selbst zu Hause. Wenn ich so ein paar Sachen dabei habe, wenn ich die Möglichkeit habe irgendwie mit meinen Leuten zu kommunizieren, dann ist mir eigentlich egal, wo ich bin. Und ich liebe es so sehr zu reisen, dass ich das auch immer mache. Aber natürlich bin ich dann auch super gerne mal zu Hause und ich mal mir das immer total schön aus. Ich habe jetzt im Oktober zehn Tage Urlaub. Was ne geile Idee zu sagen: Ich bin zehn Tage zu Hause. Und ich kenne mich. Spätestens nach einer Woche fällt mir die Decke auf den Kopf und ich denke mir: Was mache ich hier eigentlich? Wohin kann ich jetzt mal schnell abhauen? Also von daher ja, ich bin super gerne zu Hause, aber spätestens nach einer Woche kribbelt es dann doch und ich muss weg.

Sebastian: Ja, nutzt du dann privat auch diese Möglichkeit natürlich auch mit der Lufthansa zu verreisen? Da habt ihr natürlich auch diese Sonderkonditionen als Angestellte, ne? Wo ihr für – wie sind da diese Deals?

Lisa: Also wir haben relativ verschiedene Abstufungen. Ich fliege tatsächlich relativ günstig. Da kommen dann natürlich immer noch die Steuern dazu, aber das ist natürlich immer noch unschlagbar günstig. Das muss man nutzen, das wäre dumm, wenn nicht, aber tatsächlich nutzt man es dann irgendwie doch zu wenig, ohne im Voraus zu denken: Mensch, da müsstest du viel mehr draus machen. Aber das sind natürlich dann meistens auch Standby Flüge, das heißt man muss dann irgendwie gucken, wie viele Leute gebucht haben, sind da eventuell noch Plätze frei und so. Das ist immer so ein bisschen, weiß ich nicht, Pokern.

Sebastian: Ist wie so ein Glücksspiel, ne?

Lisa: Ein bisschen schon. Das ist natürlich nicht schön, wenn man, jetzt sage ich mal für eine Wochenende nach Berlin will. Ob ich da jetzt den Flieger um 9 Uhr oder den um 11 Uhr nehme, das ist eigentlich egal. Wenn ich aber wirklich sage, ich will zehn Tage in Urlaub fliegen, dann muss man sich doch überlegen, ob es nicht vielleicht doch entspannter ist, einfach den Flug fest zu buchen, weil man dann einfach weiß, ja…

Sebastian: …ich komme auch an Board. Und auch an mein Ziel. Dann lass uns das Ganze mal abrunden mit einer letzten Frage, und zwar: Was sind deine nächsten Ziele und wo möchtest du noch unbedingt hin, wo du noch nicht warst?

Lisa: Mein nächstes Ziel auf der Langstrecke ist tatsächlich Los Angeles. Da freue ich mich auch drauf, weil ich da lange nicht war und das ist eins der vielen Ziele, die für mich privat jetzt nicht so in Frage gekommen wären. Oder auch Miami, weil da war ich in letzter Zeit sehr viel, da würde ich privat niemals hinfliegen. Aber ich finde es halt genial, dass ich das dann trotzdem sehen kann. Wo ich unbedingt noch hin will, ich habe es vorhin kurz erwähnt, Australien ist so der Kontinent, der mir noch fehlt sozusagen und der mich auch wahnsinnig interessieren würde. Und ich möchte unbedingt Südafrika noch mehr erleben. Also ich war jetzt recht viel in Johannesburg und mag das sehr gerne. Ich war aber noch nie in Kapstadt. Das steht für dieses Jahr im Frühjahr auf jeden Fall auf der Liste, und das ist einfach ein Land, ich finde diese Leute unglaublich. Ich finde die Landschaft unglaublich und ich glaube, da möchte ich echt noch mehr Zeit verbringen.

Sebastian: Herzlichen Dank, dass du Zeit hattest!

Lisa: Sehr, sehr gerne.

Sebastian: Ich wünsche dir alles Gute für deine Reisen und aber auch für deinen Blog „Helle Flecken“ und ja, dann sehen wir uns demnächst wieder on the road. Dankeschön!

Lisa: Yes!

Ja, das war wieder einmal eine sehr interessante Folge mit tollen Einblicken in den Beruf und das Leben einer Flugbegleiterin. Schau auf jeden Fall einmal bei Lisas Blog vorbei: helleflecken.com. Übrigens, die gesamte Folge mit Links gibt es zum Nachlesen auf off-the-path.com. Nächste Woche spreche ich mit Feli vom Reiseblog Travelicia über das Sparen auf Reisen. Das wird auf jeden Fall super spannend und bis dahin wünsche ich euch alles Gute und bis bald!

Bewertungen auf iTunes sind super hilfreich für das Ranking der Show und sind für uns die beste Bezahlung für die ganze Arbeit, die in die Show investiert wird. 🙂

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